Nottingham Forest Football Club


Veröffentlicht am 17. September 2014

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FC Fulham Gast im City Ground

Zwischen dem Craven Cottage und dem City Ground von Nottingham Forest liegen 256 km. Nottingham beheimatet zwei der ältesten Fußballclubs der Welt. Notts County, aktuell League One, wurde 1862, Nottingham Forrest, aktuell Championship, wurde 1865 gegründet. 1866 bestritten beide Teams das erste Derby der Fußballgeschichte. Robin Hood durchstreift nicht mehr die Wälder um Nottingham, aber seine Legende lebt. Auf allen Kontinenten kennt man die Taten des ehrlichen Räubers und seiner Gefährten, auch Hollywood sei Dank. Ein Denkmal des Helden mit dem Bogen steht heute vor dem Schloss von Nottingham. Die Stadt in den East Midlands beherbergt nicht nur rund 300.000 Einwohner, sondern auch weitere Legenden. Der „Ye Olde Trip To Jerusalem“ soll angeblich ältester Pub in England sein, aus der Zeit der Kreuzzüge stammen. Auch Könige wirkten in Nottingham. Wilhelm der Eroberer ließ im Jahr 1068 auf dem Sandsteinfelsen von Nottingham ein Schloss errichten. Der englische Bürgerkrieg nahm 1642 in Nottingham seinen Anfang. In Nottingham atmet man in allen Straßen Tradition. Die britische Industrie sah in Nottingham stets ein wichtiges Zentrum. Die berühmte „Raleigh Cycle Company“ versorgt seit 1887 die Briten mit Drahteseln, die „Imperial Tobacco Group“ mit Zigaretten und Tabak. Die Stadt in der Grafschaft Nottinghamshire ist auch bedeutendes Bildungszentrum, nennt zwei Universitäten ihr Eigen. Zur Universität Nottingham gehört das „Queen’s Medical Centre“, größtes Krankenhaus in Großbritannien. In der Stadt gibt es vier Theater. Nottinghams zentrale Lage macht die Stadt zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt für Schiene und Straße. Seit 1969 ist Karlsruhe die deutsche Partnerstadt von Nottingham.

Nottingham Forest, im englischen Fußball auch unter „Tricky Trees“ bekannt, holte 1898 und 1959 den FC-Cup in die Stadt. Zu voller Blüte führte den Club ein Mann, der mit Nottingham Forest die Fußballkrone Europas eroberte wie einst Robin Hood die Schatztruhen der Reichen: Brian Clough. Zweimal gewannen er und sein Team den Europapokal der Landesmeister. 1978 holte der Club seinen ersten und bisher einzigen Meistertitel in der damaligen Football League First Division. Als Aufsteiger kam Nottingham aus der zweiten Liga und gewann umgehend den Meistertitel. Ein Husarenstück, welches in den Spitzenligen des europäischen Fußballs als einmalig apostrophiert wurde. Bis 20 Jahre später ein gewisser Otto Rehhagel sich aufmachte, dieses Kunststück in Deutschland zu wiederholen. Wie bei Rehhagel galt auch bei Clough nur ein Wort, seines. Der Erfolg gab Clough Recht. 1979 und 1980, in Nachfolge des großen FC Liverpool, die beiden Siege in der europäischen Königsklasse. Das Endspiel am 28. Mai 1980 gewann man im Estadio Santiago Bernabéu gegen den HSV mit 1:0, Torschütze John Robertson. In den Reihen der Hamburger war Felix Magath dabei. Die Helden dieser glanzvollen Jahre hießen John McGovern, Peter Shilton, Kenny Burns, Martin O’Neill, Tony Woodcock und Trevor Francis. Die Jahre von 1978 bis 1980 waren glorios, als „Nebenprodukt“ siegte man noch 1978 und 1979 im englischen Ligapokal, holte 1979 den europäischen Supercup gegen den FC Barcelona.

Nottingham Forest gewann unter Brian Clough im Mai 1980 mit einem 1:0-Finalsieg über den HSV den Europapokal der Landesmeister.

Nottingham Forest gewann unter Brian Clough im Mai 1980 mit einem 1:0-Finalsieg über den HSV den Europapokal der Landesmeister.

Nach dem Glanz der stete Niedergang. 1983/84 und 1984/85 noch der Sprung in den UEFA-Cup, Anfang der 90er immerhin Teddy Sheringham in den eigenen Reihen, der in 42 Spielen 14 Tore für die „Tricky Trees“ machte. Mit Einführung der Premier League ging es dann spürbar den Bach runter. In der Premierensaison stieg Nottingham Forrest ab. Brian Clough beendete seine große Trainerkarriere. Man kam ein Jahr später zurück in die Premier League, erreichte in der Saison 1995/96 sogar nochmals den UEFA-Cup, aber es begann eine Fahrstuhlzeit zwischen erster und zweiter Liga. Nur die Erinnerung blieb strahlend. Absoluter Tiefpunkt dann 2004/2005 der Abstieg in die dritte Spielklasse. Seit dieser Zeit versucht sich Nottingham an einem Neuaufbau.

Im Jahr 2012 übernahm die kuwaitische Al-Hasawi-Familie den Traditionsclub, der Verein erlangte dadurch wirtschaftliche Stabilität, das Projekt Aufstieg scheint ein realistisches Ziel. Auf sportlicher Ebene soll Englands Ex-Nationalspieler Stewart Pearce, der zwischen 1985 und 1997 insgesamt 401 Spiele für Nottingham bestritt, den Club zurück in die Premier League führen. Mit Beginn der laufenden Saison trat er sein Manager-Amt zum 1. Juli 2014 an. Ein finanzstarker Eigentümer, Ruhe im Verein und Umfeld bieten Pearce beste Arbeitsmöglichkeiten, das gute Gesamtklima trägt Früchte. Mit vier Siegen und zwei Remis steht man ungeschlagen mit 14 Punkten auf Platz drei, hat jedoch eine Partie weniger bestritten als Tabellenführer Norwich City (16 Zähler) und der FC Watford (15).

Nottingham pflegt, ganz nach dem Geschmack seines Trainers, einen körperbetonten und zweikampfstarken Stil, vernachlässigt dennoch nicht das spielerische Element. Im Team keine „großen Namen“, sondern mannschaftsdienliche Spieler, die der Marschroute ihres Trainers folgen. Die Neuzugänge funktionieren. Der von Peterborough United gekommene Stürmer Britt Assombalonga erwies sich als offensiver Volltreffer, lieferte schon fünf Tore. Kapitän des Teams ist Chris Cohen. Der Regisseur mit der Nummer acht steht seit 2007 in Diensten von Nottingham Forest und hat 234 Spiele für den Club absolviert. Auch ein Deutscher gehört zum Team, Robert Tesche kam vom HSV. Der Saisonstart lässt keine Zweifel, Nottingham Forest gehört zu den Aufstiegsfavoriten, ein Spiel gegen das Team von Stewart Pearce ist ein echter Härtetest.

Ex-HSV-Profi Robert Tesche (links) wird attackiert von Derby Countys Iván Calero.

Ex-HSV-Profi Robert Tesche (links) wird attackiert von Derby Countys Iván Calero.

Heimspiele trägt Nottingham Forest im City Ground aus. Dieses Stadion ist seit 1898 Heimstätte des Vereins. Nach diversen Umbau- und Modernisierungsarbeiten verfügt man dort über 30.576 Plätze. Wie das Craven Cottage liegt auch das Citys Ground direkt am Wasser, hier aber der Trent und nicht die Themse. Gegenüber am anderen Flussufer – Luftlinie 300 Meter – liegt übrigens das Stadion von Lokalrivale Notts County. 1996 war das City Ground auch eines der EM-Stadien. The City Ground sorgt des Öfteren für Gänsehaut, die Menschen in Nottingham leben Fußball. Letztmalig beim vergangenen Heimspiel gegen Derby County zu spüren. Während des Spiels begannen die Fans plötzlich Gesänge auf Brian Clough anzustimmen, dessen Todestag sich am 20. September zum zehnten Mal jährt. Derby-Fans stimmten ein, dort holte die Trainerlegende ebenfalls einen Meistertitel. Keiner blieb bei diesem Szenario unberührt, einen Moment schien die kommerzialisierte Fußballwelt vergessen. Wer den Fußball sucht, der ist in Nottingham nicht falsch. Ein idealer Ort für das Spiel und einen echten Befreiungsschlag. Ein Sieg in Nottingham und Fulham kann durchstarten, den Erfolgsweg einschlagen und die Tabelle von hinten aufrollen.

Sky Bet Championship | 7. Spieltag
Nottingham Forest – Fulham FC
Termin: Mittwoch, 17. September 2014
Anstoß: 20.45 Uhr (MESZ)
Stadion: City Ground, Nottingham

Redaktion Magath & Fußball

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