Bollwerk – Defensive Glanzlichter


Veröffentlicht am 2. Oktober 2014

0 Flares 0 Flares ×

In der Serie A ist Juventus eine Bank der Abwehrstabilität

In Italien sind Abwehrkünstler eine natürliche Erscheinung, seit Helenio Herrera ist das Land eine exzellente Defensivadresse. Nicht nur die „Alte Dame“ aus Turin momentan ein unüberwindbares Bollwerk für Stürmer. Auch in Katalonien hält man den Kasten dicht. Der FC Barcelona bekommt in Paris drei Treffer eingeschenkt, weist aber in der heimischen Liga eine reine Weste vor, in sechs Spielen keinen Gegentreffer. Als hätte Luis Enrique das Tiki-Taka mit einem Schuss Catenaccio gepaart. Die Null kann nicht immer stehen, Gegentore und Fehler gehören zur Unausweichlichkeit des Wettkampfes. Des einen Freud bleibt auch im Fußball des anderen Leid. In der Bundesliga haben die Bayern die meisten Treffer erzielt, Leverkusen hält nur darin Schritt. Die Münchner stellen allerdings auch die beste Abwehr, welche nur zwei Gegentore kassierte und hinter sich noch Manuel Neuer weiß. Solche Werte machen Meister. Folgerichtig die Tabellenführung für Barca wie für Bayern. Auch Italien hat einen Tabellenführer: Juventus Turin.

Offensivspieler liegen hoch im Kurs, ob beim Trikotkauf oder bei markigen Reportersprüchen. Wer Tore schießt, hat den Rummel auf seiner Seite und belebt das Event. Der Abwehrspezialist muss für gleichermaßen Aufmerksamkeit dickere Bretter bohren, dabei noch die Trägheit mancher Stürmer in Sachen Defensivarbeit ausbügeln. Noch 2006 wurde diese Sorte Spieler geadelt, der italienische Innenverteidiger Fabio Cannavaro, Kapitän der Weltmeisterelf, wurde zum Weltfußballer und zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. In der Ära des ewigen Messi-Ronaldo-Wechselspiels kaum noch vorstellbar. Hinter Cannavaro stand eine andere Defensivgröße, die keiner weiteren Beschreibung bedarf: Gianluigi Buffon. Trainer und Verteidiger kommen und gehen, „Gigi“ ist irgendwie ewig. Wie der Fels von Gibraltar trotzt der vierfache Welttorhüter des Jahres mit seinen 36 Jahren und 143 Länderspielen noch jedem Angriff und der Zeit, steht nach Niederlagen schnell wieder auf den Beinen. Selbst die stärkste Festung kann Hilfe und Verstärkung immer gut gebrauchen, so lehrte uns schon J. R. R. Tolkien vor Helms Klamm. Buffons neuer Cannavaro heißt Leonardo Bonucci. Er und Buffon sind für Juve in der Serie A die Unüberwindbaren. Noch steht ihre Null, fünf Spiele ohne Gegentor.

Irgendwann wird es auch im Juve-Tor einschlagen, leicht wird es Bonucci dabei keinem Schützen machen. Der 27-Jährige ist nicht nur ein Ausbund an Erfahrung und Gerissenheit, mit allen Wassern Italiens gewaschen, er ist außerdem ein äußerst furchtloser Fußballhandwerker. Die breite Brust trägt er auf und neben dem Platz, der Mann kennt seinen Wert und seine Ausstrahlung. Als sich bewaffnete Straßenräuber im Jahr 2012 aufmachten, Bonucci mit vorgehaltener Waffe um seine Uhr zu „bitten“, brachten sich erst Frau und Sohn Bonucci in Sicherheit, während dieser einen Täter niederschlug, dann den verängstigt Flüchtigen hinterhersetzte. Die eiskalte Drohung, man würde ihn erschießen, entflammte lediglich seinen Verfolgungseifer. Ein geklautes Fluchtmoped rettete die feigen Ganoven vor dem Zorn des 40-fachen Nationalverteidigers. Bonucci seither ein Liebling der Massen, bleibt auch für Gegenspieler weiterhin ein lebendiger Albtraum, wer ihn an den Fersen hat, kann ihn nicht mehr abschütteln. Gianluigi Buffon weiß sehr zu schätzen, wer da vor ihm seine Arbeit verrichtet.

Redaktion Magath & Fußball

Schreibe einen Kommentar