Ein Quintett und viele Karten


Veröffentlicht am 6. Oktober 2014

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Spannung in Spanien, Langeweile in Deutschland, Duell in London und heißer Tanz in Turin

Der FC Valencia ließ den Lorbeer von Meister Atlético Madrid in der Anfangsviertelstunde welken und erinnerte in Auftritt und Spiel an die große Zeit 2002 und 2004. Valencia sicherte sich in beiden Jahren den Meistertitel. Als der argentinische Innenverteidiger Nicolás Otamendi in der 13. Minute das 3:0 für Valencia besorgte, gefror sogar das heißblütige Temperamt von Gästetrainer Diego Simeone. Mehr als ein Tor zur Ergebniskorrektur war Atlético nicht mehr möglich, mit einem 1:3 kehrte man in die Hauptstadt zurück. Das Ausrufezeichen des FC Valencia wirkte weit über das Spiel. In den erwarteten Dreikampf von Real, Atlético und des FC Barcelona könnte sich in dieser Saison ein vierter Club drängen. Das Team von Trainer Nuno Santo und Kapitän Dani Pajero (Bild oben.) hinterließ bisher einen bärenstarken Eindruck, steht hinter dem FC Barcelona auf Tabellenplatz zwei der Primera División. Also ein Quartett im Kampf um Spaniens Fußballkrone? Weit gefehlt. Mit einem souveränen 4:1 gegen Aufsteiger Deportivo La Coruña pulverisierte Europa League Sieger FC Sevilla den Quartett-Gedanken, es läuft eher auf ein Quintett hinaus. Eine Saison im Krimiformat beginnt offenbar ihren Lauf zu nehmen. Die Bundesliga hat ein derartiges Spannungsmoment nicht zu bieten, dafür sind keine prophetischen Gaben nötig.

Reportermetaphern mögen das Bild von imaginären Bayern-Jägern puschen, die Realität hält diesen verbalen Marktritualen nicht Stand. Das überhöhte Wort gaukelt einen sportlich nicht vorhandenen Titelkampf vor. Im Wald Bundesliga gibt es nämlich keine Jäger, sondern nur einen allmächtigen Förster, welcher den Wildbestand nach Belieben kontrolliert. Bayern heißt der unantastbare Herrscher. Dortmund wurde durch das alte Bayern-Instrument der Abwerbung zentraler Spieler der Konkurrenzzahn gezogen. Der BVB hat immerhin zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg aus diesem Zweikampf verewigt. Anders Leverkusen und Schalke, dort fehlt das Meister-Gen in der Vereins-DNA. Der Schalker Manager Heldt setzte den Lacher des Spieltages. „Er habe genug von der Achterbahnfahrt“, dabei außer Acht lassend doch selber der verantwortliche Gondoliere in diesem schaukelnden Gebilde zu sein. Von der Borussia aus Gladbach, der TSG Hoffenheim, den Autobauern aus Wolfsburg, den soliden Frankfurtern oder den tapferen Paderbornern kann niemand ernsthaft Meisterkonkurrenz Richtung München erwarten. Es stellt sich nur eine Frage. Wie viele Punkte wird der FC Bayern am Ende vorn liegen.

Am Ende des Spitzenspiels der Premier League gaben sich Arsène Wenger und José Mourinho nicht mehr die Hand, diese Trainerbeziehung ist zerrüttet, sorgte in Minute zwanzig für einen respektablen Aufreger neben dem Platz. Der Gentleman Wenger verlor Noblesse und Contenance, nahm Tuchfühlung mit Sakko und Krawatte seines portugiesischen Gegenübers auf. Die Nerven liegen blank, noch nie konnte Wenger gegen Mourinho gewinnen. Auch dieses Duell ging an den Chelsea-Coach. 2:0 siegte sein Team an der heimischen Stamford Bridge. Chelseas Rückhalt Thibaut Courtois musste in der 24. Minute ausgewechselt werden, ein Zusammenprall einige Minuten zuvor hatte ihn am Kopf getroffen, der Wechsel rein schützender Natur. Dann bezog Petr Čech sein gewohntes Arbeitsumfeld im Tor der Blues und hatte einen geruhsamen Nachmittag. Von den Gunners gingen keine Kanonenschläge auf sein Tor. Souverän wurde das Spiel von den Gastgebern beherrscht, der Gegner dominiert und ein ungefährdeter wie verdienter Sieg eingefahren. Arsenal liegt mittlerweile bei den Spielergehältern vor Chelsea, im sportlichen Bereich hinkt man auffällig hinterher. Der antrittsschnelle Eden Hazard bekam in der 27. Minute einen berechtigten Elfmeter, diesen verwandelte er abgeklärt zum Führungstor. Diego Costa gelang sein neuntes Tor im siebten Spiel zum 2:0-Endstand. Arsenal hatte über die gesamte Spielzeit keine Torchance und erweckte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, diese Chelsea-Mannschaft irgendwie gefährden zu können. Chelsea ist auf Titelkurs und kann das englische Meisterrennen ähnlich langweilig gestalten wie jenes in der Bundesliga. Fünf Punkte Vorsprung vor Titelverteidiger Manchester City und die Souveränität eines echten Champions. Dieses Team fährt auf sicheren Gleisen und hat exzellente Voraussetzungen auch in Sachen Champions League ein gewichtiges Wort mitzureden. Bayern, Barca und Real sollten gewarnt sein. Mourinho und Mannschaft in früher Bestform.

Italien mit Buntheit und Härte. In Turin hagelte es Karten und Elfmeter. Juventus bekommt zwei, Tévez besorgt damit die 1:0-Führung und den 2:2-Ausgleich. Die Roma mehr Spielanteile und Biss, Juve mit den besseren Torchancen und Unsicherheiten vor eigener Kulisse. Juve-Torwart Buffon musste erstmals in Verlauf der Saison den Ball aus dem Tor holen, gegen den Strafstoß seines Weltmeisterkollegen Totti war er so machtlos wie gegen den zwischenzeitlichen Führungstreffer des AS Rom durch Juan Iturbe. Dies alles in der ersten Halbzeit, in Runde zwei regierte die Vorsicht bis zur finalen Explosion. Die Schlussminuten hatten es in sich. Aus heiterem Himmel in der 86. Minute der 3:2-Siegtreffer für Juventus durch Abwehrchef Leonardo Bonucci, dann zwei Minuten später ein Platzverweis gegen Juve wegen Tätlichkeit. Es ging Álvaro Morata vom Platz. Die Römer legten bald nach, ihre Rote Karte holte sich Konstantinos Manolas in der 89. Minute, ebenfalls für eine Tätlichkeit. Den Schlusspunkt setzte Doppeltorschütze Carlos Tévez, er bekam in der Schlussminute die Gelbe Karte. Auch in der Gelbwertung damit Juventus 4:3 vorn. Die „Alte Dame“ nun alleiniger Tabellenführer, sechs Siege aus sechs Spielen und drei Punkte vor dem AS Rom. Vor der großen Aufregung verließen Mitte der zweiten Halbzeit Francesco Totti bei AS Rom und Andrea Pirlo bei Juventus Turin den Platz. Bis zur Auswechslung gehörten sie zu den Leistungsträgern ihrer Teams. Gemeinsam bringen sie es auf 72 Lebensjahre, 1.042 Spiele in der Serie A und 170 Länderspiele. Wenn den Showdown dieser packenden Partie auch ihre Fußballenkel allein erledigten, ein Ende scheint für beide nicht in Sicht. Magnifico!

Redaktion Magath & Fußball

 

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