Weltmeister Favorit – Europameister gestolpert


Veröffentlicht am 11. Oktober 2014

0 Flares 0 Flares ×

Alte und neue Kräfte auf dem Weg nach Frankreich

Deutschland muss keinen Tritt befürchten, der polnische Kader ist dem Weltmeister deutlich unterlegen. Kann sich die Truppe von Joachim Löw motivieren wird in Polen kein Stolperstein warten, der Weg nach Frankreich bleibt ein leichter Aufgalopp. Leicht sah es vor dem Start in die Qualifikation auch für Holland und Guus Hiddink aus. Seine zweite Amtszeit soll endlich wieder einen Titel bringen. Die 1988 in Deutschland erspielte EM-Krone bleibt der vorerst einzige Triumph der Elftal. Auf der Bank damals Hollands Trainerfürst Rinus Michels. Seither versuchten sich alle holländischen Trainerkoryphäen. Leo Beenhakker, Dick Advocaat, Guus Hiddink, Frank Rijkaard, Bert van Marwijk, Marco van Basten und Louis van Gaal nahmen Anlauf, allein ein Titel sollte dabei nicht rausspringen. Im Nacken hatten sie alle eine Hundertschaft von mehr oder minder fähigen Experten, das halbe Land und den Großen Johan Cruyff, der es stets besser wusste und weiß aber bis heute nie das Amt übernommen hat. Hiddink bekam nun wie van Gaal eine zweite Amtszeit, deren Start geriet eher dürftig. Die Auftaktniederlage in Tschechien war nicht im Erfolgsplan vorgesehen. Die Scharte nun aber etwas ausgewetzt. Mit einer Quälerei im Heimspiel gegen den Nobody Kasachstan, wo erst ein Platzverweis der Kasachen die Holländer auf die Siegerstraße führte wird dem konzilianten Hiddink etwas Gegenwind nehmen. Glanzlichter waren im Spiel seines Teams allerdings absolute Mangelware. Was wohl Johan Cruyff dazu sagt?

Der Europameister bekam auf seinem Weg nach Frankreich einen Tritt ans Schienbein. Die spanische Niederlage in der Slowakei gefährdet natürlich nicht die EM Teilnahme aber sie wirft erneut die Frage auf, wie lange sich Iker Casillas noch damit beschäftigt seine eigene Größe auf Kleinstmaß zu stutzen. Wie bei Politikern und Schauspielern findet sich auch bei manch großem Sportler nicht der ideale Punkt des richtigen Abschieds, fällt das Loslassen schwer. Der einstige Weltklassemann zwischen den Pfosten sollte sich dem Thema Abschied annähern, seine Fehlerquote steigt derweil. Den Respekt aller Fußballfans hat er längst, sämtliche erreichbare Titel ebenfalls. Respekt durch eine beachtliche Leistung verschafften sich auch zwei Kleine der europäischen Fußballfamilie. Luxemburg war in Mazedonien ein Gegner auf Augenhöhe und hätte wenigstens das Unentschieden verdient, verlor aber unglücklich in der Schlussminute. Lichtenstein erkämpfte auf heimischen Boden ein Remis gegen die haushohen Favoriten aus Montenegro. Beide Partien lieferten ein wunderbares Beispiel zum Thema Mannschaftsgeist und Freude am Spiel. Mit Leidenschaft können auch Zwerge vernehmlich an selbsternannten Bergen rütteln.

Tschechien findet offenbar zu alter Stärke zurück, nun auch Auswärts gegen die Türkei gewonnen. Trainer Pavel Vrba hat eine spielfreudige wie verschworene Truppe beisammen, deren Potential längst nicht ausgeschöpft. Italien ist von alter Stärke meilenweit entfernt, der knappe Heimsieg gegen Aserbaidschan ließ die Defizite der WM Tage wieder zum Vorschein kommen. England hat dagegen tatsächlich klar gegen San Marino gewonnen und wähnt sich wieder einmal im Aufwind des Weltfußballs. Der Weltmeister in Warschau zu Gast, wie alle unsere Gruppengegner greift Deutschland erst am heutigen Samstag in das Geschehen des 2. Spieltags ein. Die dritte Runde folgt dann für sämtliche Teams sofort auf dem Fuße und steigt von Sonntag bis Dienstag. Deutschland dann Gastgeber für Irland. Guus Hiddinks nächste Gelegenheit sich unliebsames Gerede vom Hals zu halten bietet sich auf Island.

Redaktion Magath & Fußball

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookShare on LinkedInEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar