Indiens Aufbruch in den Fußball


Veröffentlicht am 15. Oktober 2014

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1,3 Milliarden Menschen bekommen eine neue Fußballliga

Es gibt ihn noch. Der legendäre Straßenfußball ist überall, nicht als Floskel sondern als greifbare Lebensrealität. Ob auf Beton, auf wüstem Untergrund oder modrigen Plätzen, ordentlichem Gras oder in Wasserpfützen. Die Kinder Indiens lasen sich weder vom morastigen Untergrund noch von widrigen Verhältnissen abhalten, sie lieben den Sport Fußball und sie spielen ihn. Nicht „FIFA 15“ ist das Objekt ihrer Begierde sondern ein profaner Ball. Ob sich der Fußball im Riesenreich Indien durchsetzt hängt auch von diesen Kindern ab. Noch liegen Hockey und Cricket in der Gunst der Inder weit vorn, in beiden Sportarten ist das Land stete Weltklasse und holte alle großen Titel. Ab dieser Saison unternimmt der indische Vereins-Fußball einen neuen Start in die Fußballwelt, will groß durchstarten. Unter der Bezeichnung Indian Super League (NFL) nehmen acht Mannschaften den Spielbetrieb auf.

Das Eröffnungsspiel der NFL wurde am 12. Oktober 2014 zwischen Atlético de Kolkata und dem Mumbai FC ausgetragen. Die Gastgeber siegten mit 3:0. Im Team von Mumbai auch ein Deutscher. Der ehemalige Leverkusener und neunmalige Nationalspieler Manuel Friedrich schnürt mit Beginn der Saison in Indien die Fußballschuhe. Auf Seiten von Atlético de Kolkata mit sechs Spanien die Iberer als dominierendes Ausländerkontingent. Der bekannteste Kicker bei Atlético sicherlich Luis García, einst in Diensten von Atlético Madrid und dem FC Liverpool. Man setzt beim Neustart der Liga verstärkt auf ausländische Spieler mit klingenden Namen, der Fußball soll mit Macht belebt werden. Weit über ihren sportlichen Zenit, etwas unfein auch Fußballrentner genannt, haben auch Weltmeister wie Alessandro del Piero, Marco Materazzi und David Trezeguet den Weg nach Indien angetreten. Ihr Engagement wird ihnen fürstlich gelohnt und soll den Fußball in Indien populär machen. Um endlich im Fußball durchzustarten, nahm man sich ein Beispiel an der erfolgreichen wie populären Indian Premier League, der größten Cricket-Liga der Welt. Auch die neue Fußball-Liga besteht lediglich aus acht Vereinen, die gesamte Saison wird nur zwei Monate dauern, mit dem 14. Spieltag am 10. Dezember 2014 enden. Dann beginnt eine Play-off-Runde mit den besten vier Teams. Die Teams sind als Franchise organisiert, Abstieg nicht möglich, diese Gefahr sitzt also niemandem im Nacken.

Für sichere Finanzen ist vorerst gesorgt. Neben Medien-Mogul Rupert Murdoch, sind auch der milliardenschwere Industrielle Mukesh Ambani und der Vermarktungsgigant IMG aus den USA im Geschäft. Indiens größter lebender Sportler und Nationalheld Sachin Tendulkar, der Cricket-Superstar seiner Nation, kaufte sogar einen Verein. Alle Beteiligten möchten Indiens Riesenmarkt erschließen. Europäische Clubs wittern in Partnerschaften eine gute Chance an Markt und Geschäft teilzuhaben. Inter Mailand hält bereits Aktien beim Club Chennai, der AC Florenz unterstützt Pune FC, Feyenoord Rotterdam steht in Kooperation mit Delhi Dynamos und Atlético Madrid stand in Kalkutta dem Verein Atlético de Kolkata als Namenspate zur Seite.

Ein Held der indischen Fußballjugend ist beim Liga-Neustart auch wieder dabei. Subrata Pal gilt mittlerweile als bester Torwart Asien und war seit Anfang 2014 in Dänemark beim FC Vestsjælland in der Superliga unter Vertrag. Für ihn ein Abenteuer ohne Einsatz aber mit viel Erfahrungen. Nun ist er erleichtert zurück und steht im Tor von Mumbai City und weiterhin im Kasten der indischen Nationalmannschaft. Mitspieler in Mumbai ist ein einstiger Real und Chelsea Stürmer, das Enfant terrible Nicolas Anelka. Wenn die Namen indischer Fußballer auch unbekannt und die populären Ausländer nahe dem Rentendasein eines Sportlers, für Aufsehen haben sie weit über den nationalen Fußballmarkt bereits gesorgt. Die Medien berichten fleißig wie euphorisch von den Fußballgrößen vergangener Zeiten und dem neuen Ligamodell. Für wichtige Schlagzeilen und die damit verbundene Aufmerksamkeit ist also gesorgt. Was die einstigen Größen noch auf dem Platz leisten können und wollen wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Eine Spielstätte wird auch die alten Recken erstaunen. Das Yuba Bharati Krirangan Stadium in Kalkutta ist eine dreistöckige Sportarena mit 120.000 Plätzen und somit das drittgrößte Stadion der Welt. Die Kulisse ist also bereitet, glanzvolle Namen an Bord und finanzielle Absicherung vorhanden. Man darf gespannt auf das Projekt Fußball und Indien schauen und darauf hoffen, dass die Kinder und ihr Straßenfußball nicht vergessen werden bei der Reise in die großen Ambitionen und den noch größeren Kommerz.

Redaktion Magath & Fußball

 

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