Torrausch vor Scheunentoren


Veröffentlicht am 22. Oktober 2014

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Offensives Feuerwerk und desaströse Defensiven kennzeichnen Champions League Spieltag

40 Tore in acht Spielen lassen die Anhänger der Champions League jubeln, die Fans der siegreichen Teams platzen vor Freude aus den Nähten. Und womit? Mit Recht! Aber wo um alles in der Welt bleibt bei so einem Torfestival das Defensivverhalten und die Abwehrdisziplin der unterlegenen Mannschaften? Verdienen Verteidiger noch ihre Berufsbezeichnung? Eine italienische Mannschaft kassiert im eigenen Stadion sieben Tore, Helenio Herrera würde sich bei dieser Nachricht wohl im Grabe drehen.

Wir leben in einer Fußballzeit, wo Stürmer und Torschützen kultartig verehrt werden und die dicksten Werbeverträge abgreifen, die Eventhelden der großen Fußballshow sind, natürlich die größte Aufmerksamkeit erzielen. Man hat den Eindruck, der Fußball besteht nur noch aus Toren – alles andere sei Beiwerk und Muster ohne Wert, Abwehrarbeit eine lästige Nebenerscheinung des Fußballspiels. Zwei blamable Leistungen im Ligaalltag, Werder Bremens desaströses 0:6 bei Bayern München und das katastrophale 0:8 des FC Sunderland in Southampton waren eine Art Vorbote für diesen Champions League Torrausch. Der völlige Ausfall jedweder Defensive scheint mittlerweile Dauergast auch in den Eliteligen und dem europäischen Königswettbewerb zu sein.

Man wird dadurch an eine Tatsache erinnert. Der Meisterwettbewerb führt eben schon längst nicht nur Meister in seinem Wettbewerb, sondern Teams, die über keine Titelqualität verfügen. Die aktuellen Ergebnisse legen dafür eindrucksvoll Zeugnis ab. Die staunenswerte Leistung der Sieger und ihr Triumph soll nicht geschmälert werden, aber wo bleiben eigentlich Trainer und Manager, die in der Lage sind, ihren Teams und Spielern wieder eine ordentliche Defensivarbeit als Rüstzeug und Basis für den heutigen Fußball mit an die Hand und aufs Spielfeld zu geben? Tore sind toll und reißen uns von den Sitzen, eben das Salz in der Fußballsuppe. Daran soll nicht gerüttelt werden. Wer mag aber auf Dauer Torrausch gegen offenes Scheunentor sehen? Der Kampf des Schwergewichtsboxers, welcher regelmäßig den Fliegengewichtler verprügelt, verliert auf Dauer seine Anziehungskraft. Den gestrigen Siegern gebührt sportliche Achtung. Die wehr- und trostlos Unterlegenen sollten nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und diese Desaster als Betriebsunfall abtun. Wenn schon keinen Schimmer von Verteidigung, es gibt ja noch die Zuflucht in Richtung einer alten Fußballlehre: rennen und kämpfen geht immer.

Redaktion Magath & Fußball

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