Klassiker


Veröffentlicht am 25. Oktober 2014

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Drei Spitzenspiele mit Nostalgiefaktor stehen Europas Fußball ins Haus

Das Wochenende bringt Duelle mit Nostalgiefaktor. Nicht nostalgisch, sondern erfolgreich kommen die Fohlen von Lucien Favre daher. Borussia Mönchengladbach spielt guten und durchdachten Fußball, die Handschrift des Trainers nimmt auf dem Rasen von Woche zu Woche sichtbare Form an. Favre ist ein akribischer Arbeiter, seine Spieler ein Kollektiv von Leuten, die dem Trainer bisher folgen. Bayern München ist natürlich kein neuer Konkurrent erwachsen. Die Überflieger aus dem Süden sind der Gegensatz des Kollektivs, ein internationales Starensemble mit doppelter Besetzung und allen Möglichkeiten. Eine Stimmungs- und Werbemaschinerie beugt Worte wie „Bayern-Jäger“, um ein längst gelaufenes Meisterrennen verbal in Spannung zu versetzen. Selbst wenn die Borussia das Spitzenspiel gewinnt, an haushoher Überlegenheit und kommender Meisterschaft des FC Bayern wird dies nichts ändern. Längst sind die Münchner der Liga enteilt und können diese im Nebengang bespielen, die Champions League Trophäe ist Ziel der großen Anstrengung. Jeder Klassespieler aus Deutschland liegt im Radar der Bayern. Wenn die Gladbacher so weiterspielen, die Bayern werden früher oder später zuschlagen und die Borussia erneut Spieler verlieren, die das Favre-System lebenswichtig gebrauchen kann. Und ewig grüßt dann wieder das Murmeltier… Keine der anderen Bundesligaansetzungen des Spieltages kommt dem Klang dieser Partie gleich. Ein noch größeres Namensduell steigt allerdings in der Primera División. Hier treffen zwei wirkliche Bayern-Konkurrenten aufeinander.

Der Clásico wird Jahr für Jahr als das globale Fußballduell hochgeheizt. Die Ansetzung macht diesem Feuerwerk auf dem Platz oftmals viel Ehre und sorgt neben dem Platz und auf den Rängen für manch hässliche Geschichte. Von einem fliegenden Schweinekopf bis zu Fingern in fremder Leute Auge, nichts was es nicht schon gab. Auf der Bank nun zwei Zeitgenossen, die eher ein friedfertiges Verhältnis der Entspanntheit pflegen. Carlo Ancelotti und Luis Enrique befeuert nicht die dunkle Abneigung, welche José Mourinho und Pep Guardiola zu zwei latenten Pulverfässern machte und sich oftmals im Zornesspiegel ihrer Spieler ein Ventil suchte. Weltmeister Toni Kroos feiert seinen ersten Clásico, wenn er aufläuft würde dies auf Seiten von Barca auch für Luis Suárez gelten. Dessen Debüt im Trikot der Katalanen wäre das erste Highlight des Spiels, dem durchaus weitere folgen könnten. Auch Marc-André ter Stegen steht vor seinem ersten Clásico, den er aber wahrscheinlich von Barcas Bank aus verfolgen wird. Barcelona verfügt mit dem Ex-Gladbacher und dem Chilenen Claudio Bravo über zwei absolute Klasseleute zwischen den Pfosten. Dort steht bei Real wie eh und je Iker Casillas, dessen Position nach diversen Fehlern längst nicht mehr unangefochten. Im Sommer könnte die Real-Ikone die Königlichen verlassen. Spaniens Sportpresse spekuliert schon über einen möglichen Nachfolger. In der Gerüchtebörse ist Asmir Begovic von Stoke City ein heiß gehandelter Kandidat. Über den Clásico wird viel geschrieben, es wird Zeit, den Ball rollen zu lassen. Das Heimrecht macht Real zum leichten Favoriten, im Clásico bedeutet dies allerdings nicht viel.

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In der Serie A empfängt der Tabellendritte den Zweitplatzierten. Das bisher ungeschlagene Team von Sampdoria Genua wartet auf die von den Bayern zerrupfte Roma, rechnet sich natürlich gute Siegchancen aus und würde bei einem Sieg in der Punktwertung mit den Hauptstädtern gleichziehen. In der Premier League treffen bei der Begegnung zwischen Manchester United und dem FC Chelsea zwei sich schätzende Trainer aufeinander, die Temperamentquellen Louis van Gaal und José Mourinho. Dabei wartete der Holländer van Gaal schon zum Beginn des Jahres mit einem bemerkenswerten Satz über seinen portugiesischen Kollegen auf: „Ich werde oft als arrogant bezeichnet, aber jetzt bin ich bescheiden, denn er ist besser als ich.“ Die Liebenswürdigkeiten werden mit Anpfiff aufhören, die Punkte müssen aus van Gaals Sicht unbedingt im Old Trafford bleiben. Bei zehn Zählern Rückstand auf die Blues ist ein Heimsieg für die Red Devils Pflichtprogramm, um überhaupt Anschluss ans Meisterrennen zu bekommen. Wenn van Gaal sein Team auch stabilisiert hat, zuletzt Punkte kamen, auf Basis der in den letzten Wochen gewonnenen Eindrücke und des bisherigen Saisonauftritts des Teams von José Mourinho geht Chelsea als Favorit in diese Partie. Die Spitzenspiele der Top-Ligen warten mit großen Namen auf, möge dem tollen Klang nun auch der gute Fußball folgen.

Redaktion Magath & Fußball

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