Unter Europas Fußballdächern


Veröffentlicht am 27. Oktober 2014

1 Flares 1 Flares ×

imago17917342m_c

Der Spieltag in den vier Topligen

Spitzenspiele in Mönchengladbach und Genua, Prestigeduelle in Manchester und Madrid. Sowohl in Bundesliga und Premier League, als auch in Primera División und Serie A hatte das Fußballwochenende einiges zu bieten. Im Clásico gab Luis Suárez nach monatelanger Sperre sein Pflichtspieldebüt für Barca, Chelsea dagegen musste auf seinen Toptorjäger verzichten, konnte stattdessen aber auf die verlässlichen Dienste eines Altstars vertrauen. Im Borussia-Park kam der Favorit mächtig ins Wanken und an der Weser spülten die höher schlagenden Wellen den nächsten Trainer aus dem Sattel. In Rom schließlich feierten die Fans einen Deutschen. Ein Rundblick.

Bundesliga: Tristesse im Norden

Das 0:1 am Freitagabend gegen den 1. FC Köln war der Pleiten letztlich zu viel: Nach Mirko Slomka und Jens Keller musste auch Robin Dutt seinen Trainerstuhl räumen. Werder Bremen wirkt wie ein Schatten längst vergangener Tage, kein Sieg und nur vier Punkte, Tabellenplatz 18 und wenig Aussicht auf Besserung. Nicht zuletzt Sportchef Thomas Eichin sollte sich spätestens jetzt ernsthaft hinterfragen, Meistertrainer Thomas Schaaf ward vor knapp anderthalb Jahren nicht mehr gewollt. Ein frischer Wind müsse her, hieß es damals. Längst hat sich an der Weser ein Sturm zusammengebraut, dessen Nachwirkungen noch nicht absehbar. Richten sollen es jetzt Viktor Skripnik und Co-Trainer Torsten Frings, beide zwar altgediente Werderaner, jedoch ohne nennenswerte Trainererfahrung. Immerhin trainierte Skripnik ein Jahr lang die Bremer Reserve in der Regionalliga – für einige findige Berichterstatter vom Trainingsgelände der Hanseaten offenbar schon Zeugnis genug für ihr allumfassendes Gütesiegel: „Der spricht die Sprache der Spieler.“ Mehr geht nicht? Na dann, Petri Heil!

Ähnlich desaströs weiterhin die Lage an der Elbe. Eine fünfstellige Zahl treuer HSV-Fans sah nach kurzem Zwischenhoch und vier Punkten aus zwei Spielen am Samstagnachmittag in der Hauptstadt einen Rückfall in alte Verhaltensmuster. 0:3 unterlag Hamburg der Hertha, Ex-HSV-Profi Änis Ben-Hatira avancierte aufseiten der Berliner mit seinem Doppelpack zum Matchwinner. Harte Wochen stehen ins Haus, nach der Pokalpartie gegen Bayern kommt Leverkusen, anschließend geht es nach Wolfsburg. Auch Borussia Dortmund erlebte nach dem 4:0-Sieg bei Galatasaray Istanbul in der Champions League ein böses Erwachen, verlor gegen Hannover 96 das vierte Bundesliga-Spiel in Serie und hat sich mit mageren sieben Pünktchen nach neun Spielen nun bis auf weiteres im unteren Tabellendrittel festgesetzt. Kein anderes Team hat bereits sechsmal verloren, den BVB plagen derzeit mit Sicherheit andere Sorgen als der bereits jetzt auf 14 Punkte angewachsene Rückstand auf Bayern München. Ausgerechnet in die Allianz-Arena aber verschlägt es die Mannen von Jürgen Klopp nach der Pokalaufgabe beim FC St. Pauli am kommenden Wochenende.

imago17934485m_c

Der Rekordmeister erfuhr seinerseits am Sonntagabend erstmals nach langer Zeit wieder echte Gegenwehr. Die Gladbacher hatten den Krösus am Rande einer Niederlage, brachten das Leder aber nicht am großartig aufgelegten Welttorhüter Manuel Neuer vorbei und mussten sich deshalb mit einem torlosen Unentschieden begnügen. Die Fohlenelf ebenso wie der Tabellenführer somit weiterhin ungeschlagen. Auch Hoffenheim fand bisher noch keinen Meister, bezwang Aufsteiger Paderborn knapp aber verdient mit 1:0. Derweil mussten sich die Mainzer beim VfL Wolfsburg erstmals geschlagen geben, Kasper Hjulmand kassierte beim 0:3 in der Volkswagenstadt seine erste Niederlage als Bundesliga-Trainer. Vogelwild ging es in Frankfurt zu: Der VfB führte bei der Rückkehr von Armin Veh an dessen alte Wirkungsstätte bereits 3:1, sah sich nach einem Zwischenspurt der Eintracht aber urplötzlich einem 3:4 hinterherlaufen. Sturmtalent Timo Werner und Kapitän Christian Gentner führten schließlich ein nicht mehr für möglich gehaltenes schwäbisches Happy End herbei. Der 5:4-Sieg der Stuttgarter zweifellos das verrückteste Spiel der noch jungen Saison. Seine 750. Bundesliga-Partie auf der Trainerbank hatte sich Thomas Schaaf möglicherweise anders vorgestellt.

Premier League: ManU im Glück

In Englands Vorzeigeliga schaute alles ins Old Trafford. Im Spitzenspiel zwischen Manchester United und dem FC Chelsea begannen beide Teams mit hohem Tempo und spielten eine gute erste Halbzeit, Vorteil Chelsea. Manchester ambitioniert, Chelsea souverän, überraschende Personalien auf beiden Seiten. Marouane Fellaini in der Startelf von Louis van Gaal, José Mourinho begann mit seinem alten Haudegen Didier Drogba als alleinige Spitze, Goalgetter Diego Costa fehlte verletzt. Im Team von van Gaal mussten der rotgesperrte Wayne Rooney und auch Radamel Falcao passen. In Halbzeit zwei die Schlüsselszenen. Es läuft die 52. Minute, als Eden Hazard sich glänzend durchsetzt und wie ein Blitz völlig frei vor United-Keeper David de Gea auftaucht, der im direkten Duell pariert. Bei der nachfolgenden Ecke steht amateurhaft der kleine Rafael gegen den großen Drogba, folgerichtig das 1:0 per Kopf durch den Ivorer. Wieder hat Mourinho auf die richtige Karte gesetzt. Chelsea kontrolliert das Spiel nach Belieben, entscheidet sich aber für nüchterne Ergebnisverwaltung, die Red Devils bemüht aber einfallslos. In der 94. Minute, fast wie zu alten Ferguson-Zeiten, dann das Unerwartete. Chelseas Branislav Ivanovic fliegt durchaus strittig mit Gelb-Rot vom Platz. Der folgende Freistoß für ManU bringt Gefahr und eine daraus resultierende Spielsituation, die Thibaut Courtois mit Weltklassereaktion meistert, gegen den zweiten Anlauf, den Nachschuss von Robin van Persie, ist er dann aber machtlos. Chelsea bleibt ungeschlagen, hat aber zwei Punkte verschenkt. ManU im leichten Aufwind, dennoch im Moment nicht auf Augenhöhe mit den Londonern. Der späte Ausgleich sollte niemandem Sand in die Augen streuen. Chelsea hat wesentlich mehr Qualität und den besseren Kader, bleibt souveräner Tabellenführer und könnte durchaus den Kraftakt fertigbringen, diese Premier League Saison ungeschlagen zu durchschreiten. Dies sei hier früh vermerkt.

imago17935033m_c

Blamabel weiterhin der Saisonverlauf der Tottenham Hotspur. Mit einer 1:2-Heimniederlage gegen die bisherige Saisonenttäuschung Newcastle United klebt man weiter im Mittelmaß. Spurs-Boss Daniel Levy muss die 2012 erfolgte Trennung von Harry Redknapp bitter reuen. Von dessen Champions League Zeiten sind die Spurs Lichtjahre entfernt. Der Verein braucht keine Trainerwechsel im Jahreszeitrhythmus, sondern endlich eine klare Philosophie. Meister Manchester City verlor auf seinem Weg zur Titelverteidigung wichtige Punkte, unterlag in London dem Überraschungsteam von West Ham United mit 1:2. Manuel Pellegrini schickte die beste Elf aufs Feld, sah dabei eine drückende Überlegenheit seines Teams, welches am Ende konsterniert und mit leeren Hände die Heimreise antreten musste. West Ham hatte sich gewehrt und gekämpft, wurde dabei vom heimischen Publikum grandios unterstützt. Trotz spielerischer Unterlegenheit fuhr man den Sieg ein.

Als Sieger ging auch Arsenal vom Platz, in Sunderland gewann man problem- wie glanzlos mit 2:0, behält Tuchfühlung zu den lebenswichtigen Champions League Plätzen. Wie ein Titelaspirant treten die Gunners längst nicht mehr auf. Im Kampf um die fetten Geldtöpfe ein Rückschlag für den FC Liverpool. Es reichte nur zu einem 0:0 an der Anfield Road gegen Hull City. Der Auftritt hinterließ einigen Frust, man konnte auch dickste Chancen und Vorteile nicht in einen Sieg verwandeln. Die Personalie Mario Balotelli wird derweil immer mehr zum kreisenden Problemfall, der italienische Stürmer findet keine Bindung ans Liverpooler Spiel. Im Umfeld der Reds wird schon über spektakuläre Stürmertransfers in der Winterpause spekuliert. Der FC Southampton mischt weiter die Liga-Routine auf und siegte 1:0 gegen Stoke City. Tabellenplatz zwei verdienter Lohn. Beim 2:2 von West Brom gegen Crystal Palace machte erneut der junger Angreifer Saido Berahino auf sich aufmerksam, schoss im neunten Spiel sein siebtes Tor. Am Montagabend endet der Spieltag mit dem Versuch der Queens Park Rangers, die Rote Laterne abzugeben. Gegner an der Loftus Road ist Aston Villa.

Primera División: Real obenauf

Wenn sich Real Madrid und der FC Barcelona im legendären „El Clásico“ gegenüberstehen, hält die Fußballwelt für mindestens 90 Minuten den Atem an. Keine andere Partie sonnt sich global derart im Rampenlicht wie das Treffen der beiden spanischen Supermächte. Am Samstagabend war es wieder soweit – zum 169. Mal in „La Liga“ – und erfreulicherweise stand diesmal ausnahmslos der Sport im Mittelpunkt. Obwohl Barca den besseren Start erwischte und durch Neymar schon nach drei Minuten in Führung ging, waren es am Ende die Königlichen, die nach den beiden verlorenen Meisterschaftsspielen im letzten Jahr ihren 71. Sieg verbuchten (66 Barcelona-Siege, 32 Remis). Cristiano Ronaldo überwand nach gut einer halben Stunde vom Elfmeterpunkt aus als erster den bis dato in 754 Ligaminuten unbezwungenen Claudio Bravo. Pepe per Kopf nach einer Ecke von Clásico-Debütant Toni Kroos und Karim Benzema, von Ronaldo und James Rodríguez wunderschön freigespielt, sorgten nach der Pause für den verdienten 3:1-Erfolg des Champions League Siegers, der den Abstand damit auf einen Zähler verringerte.

Im Schatten des Gigantenduells stellte derweil der FC Sevilla punktemäßigen Gleichstand an der Tabellenspitze her. Denís Suárez und Carlos Bacca per Foulstrafstoß drehten in den Schlusssekunden gegen den FC Villareal ein schon verloren geglaubtes Spiel. Auch der FC Valencia, 3:1 gegen Elche, und Atlético Madrid, 1:0 in Getafe, hielten sich schadlos, weshalb das Tabellenbild in der Primera División für den Augenblick eine ebenso gerne wie selten gesehene Ausgeglichenheit suggeriert: Zwischen dem FC Barcelona an eins und Atlético auf Rang fünf liegen lediglich zwei Zähler. Unterdessen konnte Aufsteiger Cordoba (1:1 gegen San Sebastián) die Rote Laterne weiterreichen, neues Schlusslicht ist nach einer 0:3-Niederlage bei Celta Vigo nun UD Levante. Beachtlich außerdem der 4:0-Sieg Malagas über Rayo Vallecano und Neuling SD Eibar (1:1 gegen Granada) auf Rang elf.

Serie A: Torloses Spitzenspiel

Zerschmettert in der Champions League und mächtig aus der Bahn geworfen, trat der Tabellenzweite AS Rom den Weg zum Tabellendritten der Serie A an. Sampdoria Genua bisher minimalistisch, neun Treffer in sieben Spielen reichen für den Platz in der Spitzengruppe. Gegen die Roma kam kein weiterer hinzu, man trennte sich in einer qualitativ sehr bescheidenen Partie 0:0. Die Roma wollte sich bei ihren mitgereisten Fans für die Bayern-Blamage rehabilitieren und konnte mit diesem Unentschieden wenigsten Tabellenplatz zwei verteidigen. Ein augenfälliges Plus in Sachen Torschüsse, Ecken und Ballbesitz half dem Team von Kapitän Francesco Totti nicht, den erhofften Dreier einzufahren. Nutznießer des Verfolger-Remis war die „Alte Dame“ aus Turin. Juventus löste seine Heimaufgabe gegen Palermo in einer Art Pflichtübung, Treffer von Arturo Vidal und Fernando Llorente sorgten für einen jederzeit ungefährdeten 2:0 Sieg.

imago17937923m_c

Die vor der Saison als Mitfavorit auf den Titel gehandelte Mannschaft des SSC Neapel hinkte diesem Anspruch bislang hinterher. Das Team von Liverpool-Legende und Champions League Sieger Rafa Benítez konnte an diesem Spieltag erstmals auftrumpfen und auch dank eines Hattricks von Gonzalo Higuain den Gegner Hellas Verona mit einem deutlichen 6:2 besiegen. Die Mailänder Großklubs mit mäßigen Leistungen. Inter gewinnt 1:0 bei Abstiegskandidat AC Cesena, Milan muss sich vor eigenem Publikum gegen den AC Florenz mit einem 1:1 begnügen. Lazio Rom bezwang dank eines Treffers von Miroslav Klose den AC Turin mit 2:1 und in einem richtungsweisenden Kellerduell gelang Sassuolo Calcio ein 3:1-Auswärtssieg beim FC Parma. Die Männer aus der Käse- und Schinkenmetropole tragen damit die Rote Laterne der Serie A. Das flaue Niveau des Spieltags verstärkt die Zweifel an der Serie A. Italiens Spitzenliga scheint den Anschluss an Bundesliga, Primera División und Premier League zu verlieren.

Redaktion Magath & Fußball

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookShare on LinkedInEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar