Favoritensiege, Sensationen und Elfmeterkrimis


Veröffentlicht am 30. Oktober 2014

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Die Zweite Runde im DFB-Pokal

Der Legende vom Pokal-Wettbewerb mit seinen eigenen Fußballgesetzen wurde unter der Woche in fast allen 16 Stadien Genüge getan. Vier Bundesligisten verabschiedeten sich von ihren Finalträumen, einige mehr standen kurz davor. Drei Partien gingen bis ins Elfmeterschießen, zwei weitere fanden erst in der Verlängerung ihren Sieger. Ganz nebenbei spülte der Achtelfinaleinzug jenen 16 Zweitrundensiegern stattliche 527.000 Euro in die Kassen. Während derlei Prämien für die besser Betuchten allenfalls Peanuts, so sind diese außerplanmäßigen Einnahmen anderenorts gepaart mit den oftmals restlos ausverkauften Stadien von überlebenswichtiger Bedeutung. Ein Rückblick auf die 16 Begegnungen der zweiten Runde.

Chemnitzer FC – SV Werder Bremen 0:2 (0:1)
Gelungene Premiere für Viktor Skripnik und Torsten Frings auf der Werder-Bank. Gegen den derzeitigen Tabellenvierten der dritten Liga fuhren die Hanseaten dank der beiden Tore von Fin Bartels (31.) und Franco di Santo (49.), dieser nach Platzwunde am Kopf mit Turban ausgestattet, einen größtenteils ungefährdeten 2:0-Erfolg ein und stehen nun erstmals seit der Saison 2009/2010 im Achtelfinale.

Arminia Bielefeld – Hertha BSC 4:2 n.E.
Unerwartete Bauchlandung der Hauptstädter auf der Bielefelder Alm! Nur drei Tage nach dem überzeugenden 3:0-Sieg gegen den HSV in der Bundesliga versagten nach torlosen 120 Minuten ausgerechnet den beiden Angreifern Julian Schieber und Sandro Wagner die Nerven vom Elfmeterpunkt. Auch im Jubiläumsjahr – am 30. Mai 2015 steigt das Pokalfinale zum 30. Mal im Berliner Olympiastadion – wird es daher nichts mit Herthas erster Endspiel-Teilnahme vor eigenem Publikum.

VfR Aalen – Hannover 96 2:0 (1:0)
Verkehrte Welt auf der Ostalb! Am Samstag noch strahlender 1:0-Sieger bei Borussia Dortmund, bekamen die 96er beim Zweitliga-Siebzehnten eine Lehrstunde in Sachen Pokalfight erteilt, verloren nach einem Eigentor von Ceyhun Gülselam (24.) und einem blitzsauber herausgespielten Treffer von Michael Klauß (59.) völlig verdient mit 0:2 und verpassten damit die Chance, zum zweiten Mal in den letzten acht Jahren ins Achtelfinale vorzudringen.

Dynamo Dresden – VfL Bochum 2:1 n.V.
Justin Eilers war der überragende Mann des Abends in einer packenden Partie vor knapp 30.000 Zuschauern in Sachsens Landeshauptstadt. Ausgerechnet der 26-Jährige, der zwischen 2009 und 2011 beim VfL nicht den Sprung ins Profiteam schaffte, avancierte mit seinem Doppelpack (61., 94.) zum Matchwinner. Simon Terodde (54.) hatte das Team von Peter Neururer zunächst per Kopf in Führung gebracht, ehe die Bochumer nach dem FC Schalke 04 in Runde eins als zweite Ruhrpott-Mannschaft bei Dynamo die Pokal-Segel streichen mussten.

MSV Duisburg – 1. FC Köln 1:4 n.E.
Nur haarscharf schrammte der Bundesligist in der ausverkauften Schauinsland-Reisen-Arena zu Duisburg an einer Blamage vorbei. Ein Platzverweis gegen Slawomir Peszko (71.), der erst 14 Minuten zuvor eingewechselt worden war und sich zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ, begünstigte den großen Kampf der drittklassigen Zebras, der sie immerhin bis ins Elfmeterschießen brachte. Dort war U21-Nationaltorhüter Timo Horn allerdings eine Nummer zu groß, der FC-Rückhalt parierte sowohl gegen Dennis Grote als auch gegen Zlatko Janjic.

1. FC Kaiserslautern – SpVgg Greuther Fürth 2:0 (2:0)
Ebenso verdient wie ungefährdet behielten die Roten Teufel im Zweitligaduell mit dem Kleeblatt die Oberhand. U21-Nationalstürmer Philipp Hofmann stellte mit seinem Doppelpack die Weichen noch in der Anfangsphase auf Sieg (12., 22.), die Fürther hingegen fanden vor 23.000 Zuschauern am Betzenberg nie wirklich in die Partie.

Kickers Offenbach – Karlsruher SC 1:0 (0:0)
Der Bieberer Berg ist und bleibt ein unangenehmes Pokalpflaster. Diese Erfahrung mussten nun auch die in Liga zwei gut aus den Startlöchern gekommenen Karlsruher machen. Für den Tabellenführer der Regionalliga Südwest erzielte Mittelfeldmann Benjamin Pintol das goldene Tor des Abends (62.).

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FC St. Pauli – Borussia Dortmund 0:3 (0:2)
Die Fortsetzung des schwarz-gelben Kontrastprogramms. Während der Bundesligastart der Borussia gründlich missriet, präsentiert sich der Vorjahresfinalist in den Pokalwettbewerben nach wie vor wie aus einem Guss und ließ auch am Millerntor nichts anbrennen. Ciro Immobile (33.) und Marco Reus (44.) auf Vorlage des Italieners zogen den Paulianern noch vor dem Seitenwechsel den Zahn, Shinji Kagawa (86.) schließlich profitierte von einem Aussetzer des ansonsten stark haltenden Philipp Tschauner im Hamburger Kasten.

1. FC Magdeburg – Bayer 04 Leverkusen 4:5 n.E.
Denkwürdiger Pokalabend in der einstigen Hochburg des Fußball-Ostens! Mit einem direkt verwandelten Freistoß von Hakan Çalhanoğlu (3.) schien die Begegnung schon früh den erwarteten Verlauf zu nehmen, Christoph Siefkes (28.) aber gelang der überraschende Ausgleich für den Viertligisten, der es mit etwas Glück und Geschick in die Verlängerung schaffte. Dort trauten die knapp 24.000 Zuschauer in der natürlich ausverkauften MDCC-Arena ihren Augen kaum, als Niklas Brandt (111.) den FCM sogar in Führung schoss. Ein Kopfball der Schalker Leihgabe Kyriakos Papadopoulos (116.) rettete die Werkself jedoch ins Elfmeterschießen. Und auch hier sah der dreifache DDR-Meister schon wie der sichere Sieger aus, führte nach zwei Fehlversuchen von Emir Spahić und Stefan Kießling bereits 3:2. Es hätte nur noch eines Treffers von Nicolas Hebisch oder des Torschützen Brandt bedurft, die ganz große Sensation wäre perfekt gewesen. Doch Bernd Leno war zweimal zur Stelle und parierte auch noch den siebten Magdeburger Elfmeter von Lars Fuchs, der den Krimi schließlich beendete.

Würzburger Kickers – Eintracht Braunschweig 0:1 (0:0)
Nach dem Erstrundensieg über Fortuna Düsseldorf verpassten die vom langjährigen Felix Magath-Assistenten Bernd Hollerbach trainierten Würzburger die nächste Überraschung nur knapp. Havard Nielsen (78.) war der Braunschweiger Nutznießer einer der seltenen defensiven Aussetzer des Tabellenführers der Regionalliga Bayern, der kurz vor Schluss in Person von Toptorjäger Christopher Bieber sogar selbst nochmal traf. Das Schiedsrichtergespann um Robert Kampka aber verweigerte dem späten Ausgleich wohl berechtigterweise die Anerkennung.

1860 München – SC Freiburg 2:5 (1:1)
Das Duell zwischen dem Tabellenletzten aus Liga zwei und dem Tabellenvorletzten der Bundesliga war auch eines um den langersehnten Befreiungsschlag. Dieser glückte der Mannschaft von Christian Streich nach klarer Leistungssteigerung in Durchgang zwei. Endlich trafen bei den Breisgauern auch die Angreifer wieder in Netz – Admir Mehmedi gleich dreifach (59., 64., 89.), außerdem Sebastian Freis (25.) und Mittelfeldmann Jonathan Schmid (84.). Die Löwen-Tore gingen auf das Konto von Valdet Rama (16.) und Rubin Okotie (69.).

RasenBallsport Leipzig – FC Erzgebirge Aue 3:1 n.V.
Lange sahen die Veilchen beim finanzstarken Ostrivalen wie der überraschende Sieger aus, das Eigentor von Lukas Klostermann (20.) hatte bis in die Nachspielzeit Bestand. Längst hätte die Begegnung da schon zugunsten der Erzgebirgler entschieden sein müssen, zahlreiche teils erstklassige Kontergelegenheiten wurden vergeben. Mike Könnecke traf nur den Querbalken, Arvydas Novikovas vergab frei vor Fabio Coltorti im Leipziger Tor kläglich. So kam es, wie es kommen musste: Einen letzten Eckball köpfte der lange Yussuf Poulsen unhaltbar ins rechte Eck (90.+1). In der Verlängerung hatten die Roten Bullen schließlich den längeren Atem – Dominik Kaiser verwandelte erst einen Strafstoß sicher (98.), ehe ein Kopfball von Terrence Boyd (108.) Aue endgültig für die Nachlässigkeiten vor dem gegnerischen Tor bestrafte.

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Hamburger SV – FC Bayern München 1:3 (0:2)
Der einstige Nord-Süd-Klassiker, dieser längst durch den gefühlten, mehrfachen Klassenunterschied der Kontrahenten in seiner Spannung abgemildert, nahm in der mit 57.000 Zuschauern ausverkauften Hamburger Imtech-Arena den erwarteten Verlauf. Schon nach sieben Minuten bedankte sich Robert Lewandowski bei HSV-Kapitän Heiko Westermann für dessen schlampigen Rückpass mit der Bayern-Führung, ein leicht abgefälschter Weitschuss von David Alaba (44.) sorgte schon vor dem Halbzeitpfiff für klare Verhältnisse. Nach dem Seitenwechsel stellte Franck Ribéry schnell auf 0:3 (55.) und es muss den Rothosen durchaus hoch angerechnet werden, dass sie sich nun nicht gänzlich ihrem Schicksal ergaben. So gelang Pierre-Michel Lasogga (85.) kurz vor Schluss per Kopf immerhin Ergebniskosmetik.

TSG 1899 Hoffenheim – FSV Frankfurt 5:1 (2:0)
Mühelos setzten die Kraichgauer ihren Höhenflug der ersten Saisonwochen auch im Pokal fort, der Sieg über den Zweitliga-Dreizehnten letztlich überdeutlich und jederzeit ungefährdet. Sven Schipplock (23.) eröffnete den Torreigen, Innenverteidiger Jannik Vestergaard (45.+3) erhöhte kurz bevor es in die Kabinen ging. In Halbzeit zwei ließ Roberto Firmino seinen beiden Torvorlagen vor der Pause zwei eigene Treffer folgen (57., 90.) und auch Anthony Modeste (72.) trug sich in die Torschützenliste ein. Der einzige Frankfurter Treffer zum zwischenzeitlichen 4:1 blieb André Schembri vorbehalten (80.).

VfL Wolfsburg – 1. FC Heidenheim 4:1 (2:1)
7.600 Zuschauer in der Volkswagen Arena staunten nicht schlecht, als Marc Schnatterer (12.) den Zweitliga-Aufsteiger in Führung brachte. Der seit einigen Wochen furios aufspielende Daniel Caligiuri (28.) und Bas Dost (44.) per Kopf wendeten noch in Durchgang eins das Blatt zugunsten der Wölfe. Per Doppelpack war schließlich Luiz Gustavo erfolgreich (65., 78.), weshalb der formstarke VfL nunmehr zum dritten Mal nacheinander im DFB-Pokal überwintert.

Eintracht Frankfurt – Borussia Mönchengladbach 1:2 (0:1)
Im zweiten Bundesligaduell der zweiten Runde setzten sich die Gladbacher und damit das spielerisch bessere Team durch. Der Belgier Thorgan Hazard (17.), dessen Bruder Eden Hazard unter José Mourinho beim FC Chelsea gerade zum Weltklassemann reift, brachte die Fohlen früh in Führung, Ibrahima Traoré (67.) baute diese Mitte der zweiten Halbzeit aus. Nur kurz flackerte bei der Eintracht noch einmal Hoffnung auf, als Vaclav Kadlec in den Schlussminuten eine Vorlage des Japaners Takashi Inui verwertete (89.).

Direkt im Anschluss an einen bemerkenswerten Pokalspieltag erfolgte noch am späten Mittwochabend die Achtelfinal-Auslosung. Diese brachte einige interessante Paarungen. Neun Bundesligisten, vier Zweitligisten, zwei Drittligisten und sogar ein Viertligist verbleiben über den Jahreswechsel im Wettbewerb.

Das Achtelfinale im DFB-Pokal:

Bayer 04 Leverkusen – 1. FC Kaiserslautern
Kickers Offenbach – Borussia Mönchengladbach
FC Bayern München – Eintracht Braunschweig
VfR Aalen – TSG 1899 Hoffenheim
RasenBallsport Leipzig – VfL Wolfsburg
Arminia Bielefeld – Werder Bremen
SC Freiburg – 1. FC Köln
Dynamo Dresden – Borussia Dortmund

Ausgespielt wird die Runde der letzten 16 Mannschaften am Dienstag, 3. März 2015, und Mittwoch, 4. März 2015.

Redaktion Magath & Fußball

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