Werner Leuthard: Trainingsarbeit im Team Magath


Veröffentlicht am 30. Oktober 2014

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Hallo Freunde des Fußballs,

heute unternehmen wir einen kleinen Ausflug in das „Zeitalter der Aufklärung“. Wir alle kennen mittlerweile den Begriff „Fitness“ (Laut Wikipedia: Zustand des allgemeinen Wohlbefindens).

Durch die Zunahme anglizistischer Termini in der Welt des Sport (Als verbindende Weltsprache im Zeitalter der Globalisierung auch im Sport durchaus wünschenswert.) wurde das ursprüngliche aus der lateinischen Sprache stammende und etablierte Wort „Kondition“ zusehends abgelöst. Hierzu nun ein paar Anmerkungen bezüglich einer Klarstellung in der Verwendung der Begriffe im sportartspezifischen Sinne. Die Begriffe Fitness und Kondition beinhalten eine Vielzahl von Komponenten bezogen auf das biologische System „Fußballspieler“ und erliegen einer unabdingbaren Wechselwirkung untereinander. Dabei beschränke ich mich heute ausschließlich auf den Bereich des „physischen Wohlbefindens“ sowie der „physischen Eigenschaften“.

Banal ausgedrückt kennen wir leistungsbestimmende und leistungslimitierende Faktoren der körperlichen (physischen) „Performance“. Jede Sportart, auch das Spiel Fußball, unterliegt einem spezifischen Anforderungsprofil, worauf ich in einem anderen Beitrag detailliert eingehen werde. Abgesehen von psychomotorischen Komponenten basiert körperliche Leistung im Wesentlichen immer auf der Anwendung sogenannter motorischer Grundeigenschaften sowie koordinativer Fertigkeiten. Diese Faktoren sind untrennbar miteinander verbunden und bestimmen in ihrer gegenseitigen Wechselwirkung die sogenannte spezifische Bewegungsqualität. Leider müssen wir feststellen, dass oftmalig der Fehler begangen wird, das Wort „Fitness“ ausschließlich mit den Begriffen

  • Laufleistungsfähigkeit (Kilometerstrecken)
  • Sprintschnelligkeit bzw. Sprinthäufigkeit sowie Sprintdistanzen
  • Erholungsfähigkeit kurzfristiger Art und langfristiger Art

zu assoziieren.

Diese Komponenten stellen allerdings nur einige Bausteine innerhalb des Komplexes dar. Spricht man jedoch von globaler Fitness, muss der Faktor Verletzungswiderstandsfähigkeit unter allen Umständen mit einbezogen werden. Gezieltes Bewegungstraining für eine hohe Verletzungswiderstandsfähigkeit wie es seit vielen Jahren im „Trainer-Team Felix Magath“ Anwendung findet, ist mitunter das höchste Qualitätsmerkmal des physischen Fitnesstrainings. Mannschaften, die sich in permanentem Wettkampfbetrieb befinden und minimalste Arbeitsausfallquoten in Form von Verletzungen aber auch von Überlastungssyndromen aufweisen, sollte man demnach in der qualitativen Bewertung der täglichen Trainingsarbeit größte Anerkennung zollen. Wir im „Team-Magath“ haben statistisch nachweisbar seit über einem Jahrzehnt trotz oder weil hoher Trainings- und Wettkampfbelastungen die verletzungsbedingt geringsten Arbeitsausfallquoten in jedem der uns bisher anvertrauten Kader. In diesem Sinne wird durch fehlinformierte, ignorante Berichterstatter oft eine falsche Darstellung in Umlauf gebracht.

Von „veralteter“ bzw. „unproduktiver“ Trainingsgestaltung zu sprechen, lässt sich nur mit einem „gefährlichen Halbwissen“ des sich dazu äußernden Personenkreises erklären, dem an Desinformation offenbar mehr gelegen ist, als an einer fachlichen wie objektiven Unterrichtung. Darüber sollten Medienvertreter und der unwissende Teil der Sportberichterstatter im Sinne einer Bewusstseinserweiterung und wegen der Chance auf einen Kenntniszuwachs nachdenken.

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Dem an der Wahrheit und Realität interessierten Leser und engagierten Fußballfan möchte ich folgendes erklären: Der heute in der Fußallöffentlichkeit immerwährende Erklärungsnotstand bei einer Anhäufung von Verletzungsfällen ohne Gegnereinwirkung sollte nicht als „Pechsituation“ zur Rechtfertigung dienen. Vielmehr müssen interne Arbeitsabläufe sowie Trainingsinhalte, Belastungskomponenten und die pragmatische Anwendung allgemeingültiger Trainingsprinzipien zur Selbstreflektion hinterfragt werden. In jedem Fall ist es unerlässlich, folgende Begründung zu überdenken: Fast jeder Verletzung eines Spielers ohne Gegnereinwirkung, Bänder sowie fast sämtliches Binde- und Stützgewebe eingeschlossen, liegt beinahe ausschließlich eine Funktionseinschränkung sowie eine Störung des individuellen neuromuskulären Systems zugrunde, welche eine Beeinträchtigung der Reflexmotorik zur Folge hat. Dies bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass Selbstschutzmaßnahmen bei hohen Krafteinwirkungen auf den Körper, speziell auf das Binde- und Stützgewebe, nicht mehr individuell kompensiert werden können. Daraus lässt sich folgender Schluss ziehen: Durch hocheffiziente Präventionsarbeit lassen sich Arbeits- und auch Trainingsausfälle auf ein niedriges Niveau projizieren und fadenscheinige Begründungen jeglicher Art besser vermeiden. In einer Art Verzweiflungstat werden aktuell in allen Ligen, vor allem der Bundesliga, dann die zwei folgenden Begründungen geliefert und diskutiert:

  1. Die hohe Dynamik des Spiels bewirkt eine zunehmende Unkontrollierbarkeit der Auswirkungen auf den Körper (Verletzungen).
  2. Die hohe Terminfülle an Wettkämpfen überfordert den menschlichen Organismus hinsichtlich Regeneration und Adaption.

Diese Banalität sollte einem kompetenten Fachpersonal nicht als Erklärung und Rechtfertigung dienen, sondern Antrieb zur Hinterfragung der eigenen Arbeitsweise sein. Als Quintessenz daraus sollte vorsichtiger und präziser in der Recherche einzelner Details der Trainingsarbeit eines Trainerteams vorgegangen werden, um künftig unwissende, populistische und fehlinformierte Berichterstattung zu vermeiden. Vielleicht wird dadurch erreicht, dass die Sportart Fußball sich in einzelnen Nuancen (Präventionsarbeit, Trainingsarbeit) weiterentwickeln kann, wovon alle Beteiligten (Vereine, Trainer, Öffentlichkeit, Medien) zu guter Letzt profitieren können und sollten.

Diese Zeilen mögen euch auch helfen, objektiv und unverstellt auf die Trainingsarbeit vom „Trainer-Team Felix Magath“ zu schauen.

In diesem Sinne: You’ll Never Walk Alone.

Euer Werner Leuthard
(„Trainer-Team Felix Magath“)

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