Titel-Hattrick zum Abschied


Veröffentlicht am 4. November 2014

2 Flares 2 Flares ×

imago14994752m_c

Guangzhou Evergrande nun chinesischer Rekordmeister

Bereits zum vierten Mal in Serie feierte Guangzhou Evergrande FC am Wochenende die Meisterschaft in der Chinese Super League. Für Marcello Lippi war es der dritte Titelgewinn seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 und zugleich der krönende Schlusspunkt einer Trainerkarriere, die ihresgleichen sucht. Der 66-Jährige verabschiedet sich als Champion mit Stil und einem feinen Gespür für den richtigen Moment. Seine Begründung einleuchtend wie schlicht: „Ich bin zu alt.“ Evergrande aber bleibt der italienische Weltmeistertrainer wohl zumindest als Technischer Leiter erhalten. Spekulationen über einen Nachfolger Lippis bringen mit Fabio Cannavaro indes einen alten Weggefährten ins Spiel.

Im Saisonfinale am Sonntag musste der Meister sogar noch einmal zittern, Beijing Guoan hatte es am vorletzten Spieltag wieder spannend gemacht. Guangzhou hätte im direkten Duell mit dem ärgsten Verfolger bereits ein Punktgewinn genügt, um vorzeitig die Sektkorken knallen lassen zu können. Jiayi Shao, einst für 1860 München und Energie Cottbus in 67 Bundesliga-Spielen am Ball, aber hatte etwas dagegen und traf mit einem herrlichen Freistoß zum 1:0-Sieg Beijings im Tianhe Stadium zu Guangzhou. Entscheidung vertagt.

Nun aber war es so weit: Ein 1:1 beim Tabellenvierten Shandong Luneng genügte Evergrande für den vorläufigen Eintrag in die Rekordbücher der Chinese Super League, die seit 2004 anstelle der damals von einem weitreichenden Korruptionsskandal erschütterten Jia A League ausgetragen wird und die noch kein anderes Team viermal gewinnen konnte. Zwar war der ebenfalls mit drei Meistertiteln dekorierte Club aus Jinan früh in Führung gegangen, doch der Brasilianer Elkeson beseitigte mit seinem 28. Ligatreffer – ebenfalls ein neuer Rekord – auch die allerletzten Zweifel am historischen Triumph Evergrandes.

Der brasilianische Torjäger Elkeson (rechts), hier im Duell mit Xavier Chen von Guizhou Renhe, stellte mit 28 Saisontreffern einen neuen Ligarekord auf.

Der brasilianische Torjäger Elkeson (rechts), hier im Duell mit Xavier Chen von Guizhou Renhe, stellte mit 28 Saisontreffern einen neuen Ligarekord auf.

Mit dem 18. Titelgewinn seiner überaus beeindruckenden Trainerlaufbahn schließt sich für Marcello Lippi nun im Fernen Osten ein Kreis, der einst Mitte der Achtziger Jahre im Nachwuchsbereich von Sampdoria Genua seinen Ausgangspunkt fand. Höhepunkte gab es zuhauf, unvergessen insbesondere hierzulande sein Aufstieg in den Olymp der Weltmeistertrainer vor acht Jahren. Auch der Champions League Sieg und der Gewinn des Weltpokals mit Juventus Turin anno 1996 bleiben auf ewig haften, weniger die drei verlorenen Endspiele in der Königsklasse in der Folgezeit.

Wenngleich von europäischen Medien und Berichterstattern in seiner Bedeutung gefühlt irgendwo zwischen Regionalliga-Dreier und deutschem Supercup-Sieg angesiedelt, war auch der Gewinn der AFC Champions League mit Guangzhou Evergrande im letzten Jahr eine Besonderheit. Im Finale des wichtigsten Wettbewerbs im asiatischen Vereinsfußball bezwang man den FC Seoul aufgrund der Auswärtstorregel, wurde nach Liaoning Hongyun 1990 zum zweiten chinesischen Titelträger überhaupt und sicherte sich obendrein einen Startplatz für die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft. Zwar scheiterte Evergrande beim Turnier in Marokko im Halbfinale am FC Bayern (0:3), dennoch aber war allein die Qualifikation ein Riesenerfolg. Längst hat sich Marcello Lippi auch in China ein Denkmal gesetzt.

Redaktion Magath & Fußball

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookShare on LinkedInEmail this to someone