The Great Magnus


Veröffentlicht am 7. November 2014

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Magnus Carlsen und Viswanathan Anand kämpfen um die Schachkrone

Der Norweger Magnus Carlsen ist das A und O im internationalen Schach, ein Weltmeister von Format und Esprit, der an die ganz großen seines Fachs wie Bobby Fischer, Gary Kasparow und Alexander Aljechin gemahnt. Die Egozentrik dieser drei Giganten ist ihm nicht gegeben, der 23 Jahre alte Norweger kommt wesentlich dezenter durchs Leben. Im Spiel ist er diesen großen Spielern der Schachgeschichte aber längst ebenbürtig, wenn nicht schon voraus. In Sotschi am Schwarzen Meer wird der amtierende Schachweltmeister nun erneut auf Viswanathan Anand als Gegner im Titelkampf treffen. Der 44-Jährige Inder verlor im November 2013 in seiner Heimatstadt Chennai den Weltmeisterschaftskampf gegen den damaligen Herausforderer Magnus Carlsen. Dieser WM-Kampf war auf zwölf Partien angelegt, Carlsen hatte nach zehn Partien mit drei Siegen und sieben Remis bereits alle nötigen Punkte zusammen, Anand damit also entthront. Es spricht für den Inder, nicht resigniert zu haben. Mit Elan stürzte er sich sofort wieder ins Schach und gewann souverän das erforderliche Kandidatenturnier, welches den Herausforderer ermittelte. Anand ist nun in dieser Rolle der Gegner des Weltmeisters.

Die Weltrangliste im Schach führt Magnus Carlsen vor dem 22-jährigen italienischen Ausnahmetalent Fabiano Caruana an, den Experten durchaus in einer künftigen Konkurrenz zu Magnus Carlsen sehen. In den oberen Rängen der Weltrangliste liegt Viswanathan Anand auf Platz sechs, wirkt mit seinem Geburtsjahr 1969 wie ein Methusalem des Schachsports. Allerdings wird ihn Magnus Carlsen nicht so sehen, der Inder gilt nämlich als einer der größten Meister der Schachgeschichte und kann noch jeden schlagen, auch Carlsen. Wenn der Norweger seine Bestform ans Brett bringt, wird es allerdings sehr schwer für Anand gegen diesen zu bestehen. Mochte Magnus Carlsen bei der Schacholympiade 2014 in seiner norwegischen Heimat, bedingt durch ein hohes Maß an Experimentierfreude und Lust auf Neuland, auch zwei überraschende Niederlagen eingefahren haben, in Sotschi wird er mit allen seinen Stärken antreten und gilt als haushoher Favorit.

Die Schachwelt ist begeistert und verwöhnt vom nahezu perfekten Spiel Carlsens. Er hat das seit dem Abgang von Gary Kasparow etwas ins Abseits geratene Schach wieder zum Leuchten gebracht. Seit Bobby Fischer konnte kein Spieler so viele Menschen außerhalb der Schachwelt erreichen, wie der freundliche und stille Magnus Carlsen. Verblüffend, da der Norweger als eher schüchterner wie unaufgeregter Zeitgenosse daherkommt. Ob der Ehrenanstoß bei einer Fußballpartie im Estadio Santiago Bernabéu an der Seite von Weltmeister Sergio Ramos, auf dem Laufsteg mit Herr der Ringe Star und Hollywoodgröße Liv Tyler oder als Repräsentant der niederländischen Modemarke G-Star, der begeisterte Hobbyfußballer Carlsen weiß Aufmerksamkeit und Sympathie durch Zurückhaltung zu erzeugen. Die legendäre TIME 100 Liste führte ihn Ende 2013 unter den einhundert einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt. Manch Showstern und viele politische Lautsprecher verblassten vor Neid.

Die Erwartungshaltung an den Schachspieler Magnus Carlsen ist längst ins Unermessliche gestiegen. Magnus Carlsen ist aber kein Hexer, sondern ein Mensch. Wie weit der Rummel um seine Person den jungen Mann aus Haslum bei Oslo veränderte oder beeinflusste, es wird sich im Kampf um die Schachkrone zeigen. Seine Gegner mobilisieren gegen ihn regelmäßig alle Kräfte, ein Kampf und Sieg gegen den amtierenden Weltmeister ist schließlich höchster Triumph im Schachsport. Auch der besonnene wie freundliche Anand wird Carlsen alles abfordern, um sich den Titel zurückzuerobern. Für die Freunde der 64 Felder und auch für manchen Fußballfan mit Hang zum Schach könnten spannende Tage ins Haus stehen.

Schachweltmeisterschaft 2014
Magnus Carlsen (Norwegen) gegen Viswanathan Anand (Indien)
7. bis 28. November 2014 in Sotschi (Russland)
Veranstalter: FIDE
Austragungsort: Medienzentrum der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi

Modus: Wettkampf über maximal zwölf Partien. Weltmeister ist der, der zuerst 6,5 Punkte erreicht. Steht es am Ende 6:6, gibt es einen Stichkampf.

Stichkampf: Wettkampf über vier Partien mit einer Bedenkzeit 25+10 (25 Minuten + 10 Sekunden Inkrement). Steht es danach immer noch unentschieden, werden bis zu fünf Doppelpartien Blitzschach mit einer Bedenkzeit 5+3 gespielt. Besteht weiterhin ein Gleichstand, entscheidet die nächste Gewinnpartie.

Internet: www.sochi2014.fide.com

Redaktion Magath & Fußball

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