Weichenstellung


Veröffentlicht am 10. November 2014

2 Flares 2 Flares ×

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Tabellenführer festigen ihre Position

Die Spitzenreiter in den kontinentalen Top-Ligen agierten wie Champions, setzten eindrucksvolle Zeichen Richtung Konkurrenz. Bayern und Chelsea bleiben weiter ungeschlagen, Real die Torfabrik des europäischen Fußballs und Juventus zeigte sich in einer für italienische Verhältnisse ungewohnten Torlaune. Nur in Frankreich wurde der Spitzenreiter gerupft.

Bundesliga: Schalker Lachnummer und ein kurioses Eigentor

„Der Fisch stinkt vom Kopfe her“ – auf Schalke kommt man nicht umhin, sich bei der Bewertung des katastrophalen sportlichen Ist-Standes dieser altgedienten Redensart zu bedienen. Das saft- und kraftlose 0:2 beim SC Freiburg beschloss eine rabenschwarze Woche, Königsblau mit den zwei Gegentoren im Breisgau noch gut bedient. Roberto Di Matteo wirkt bereits gut einen Monat nach seinem Amtsantritt im Revier so ratlos, wie es Jens Keller wohl einige Male gewesen sein muss, angesichts der blutleeren Vorstellungen des eigentlich erstklassig besetzten Schalker Kaders. Immerhin aber konnte sich Keller im traditionell höchst unruhigen S04-Umfeld fast zwei Jahre lang behaupten. Ohne jeden Zweifel eine achtbare sportliche wie mentale Leistung, die ihm ohne erkennbare Rückendeckung der Führungsriege und den medialen Gegenwind immer mitten im Gesicht so erst einmal einer nachmachen muss. Aber nein, auch jetzt schwebt noch der „böse Geist Kellers“ über dem selbsternannten Titelanwärter, jüngst beklagte sich niemand sonst als Kapitän und Weltmeister Benedikt Höwedes öffentlich über den mangelnden Fitnesszustand der Mannschaft. Na was denn nun? Zu viel Training schadet dem gemeinen Fußballprofi der heutigen Generation wie wir wissen doch auch. Natürlich, auch das gehört zu Glanz und Glamour der Fußballbranche, werden eigene Fehlleistungen immer anderen in die Schuhe geschoben. Kritische Selbstreflexion? Fehlanzeige! Treten kann man bekanntlich immer die am besten, die sowieso schon am Boden liegen. Und wenn man selbst dann noch aus dem Schneider, umso besser! Unweigerlich fühlt man sich hier an Horst Heldt erinnert. Horst wer? Na Horst Heldt, der große Schalker Zampano, königsblauer Lautsprecher, Heilsbringer und Titelgarant, Manager, zumindest sieht er sich so. Der beklagt sich auch nach dem neuerlichen Offenbarungseid in Freiburg, dass man doch mit Borussia Dortmund meist weit weniger hart ins Gericht gehe, wie mit seinem FC Schalke – und verdrückt dabei ein dickes Tränchen. Na ja, vielleicht kann dem armen Jungen mal jemand ein Taschentuch gereichen?

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All denen, die es mit dem BVB halten, dürfte am Sonntagabend um 19.25 Uhr jedenfalls ein Felsbrocken vom Herzen gefallen sein. Als Schiedsrichter Dr. Felix Brych ein rassiges wie einseitiges Borussenduell zu den Akten legte, gehörten im Dortmunder Signal Iduna Park gleich zwei überraschende Serien der Vergangenheit an. Die Schwarz-Gelben punkteten erstmals nach fünf Bundesliganiederlagen am Stück, für die Fohlen dagegen fand ein beeindruckender Lauf von 18 unbezwungenen Pflichtspielen ein überaus kurioses Ende. Zwar hatte der BVB die Partie jederzeit im Griff, spielte überaus gefällig und zielstrebig bis in den Sechzehner. Die Klopp-Elf vermochte es einmal mehr jedoch nicht, selbst aussichtsreichste Torgelegenheiten in Zählbares umzumünzen, Yann Sommer oder das Torgestänge standen immer im Weg. Zu Hilfe kam dann ausgerechnet ein Komplettaussetzer von Christoph Kramer, der den Ball nach knapp einer Stunde kurz hinter der Mittellinie in Richtung Sommer zurückpassen wollte, den eigenen Keeper dabei aber überlupfte. Selbst die Dortmunder Gegenspieler eilten anschließend herbei, um dem Weltmeister Trost zu spenden, besser wird er sich dadurch kaum gefühlt haben. Hochverdient war die Gladbacher Niederlage aber allemal, hatten die Borussen vom Niederrhein doch jegliches Feuer der letzten Wochen vermissen lassen.

Alleiniger Bayernverfolger nun also der VfL Wolfsburg, der beim 2:0 über den HSV bereits seinen sechsten Sieg nacheinander einfuhr. Bei den Grün-Weißen insbesondere Kevin De Bruyne in bestechender Form, die Hamburger hingegen zurück auf einem Abstiegsplatz. Vier Tore nach elf Begegnungen sind ein Negativrekord historischen Ausmaßes. Nach knapp einem Drittel der Saison werden an der Elbe schon Erinnerungen wach an Tasmania 1900 Berlin: Der schlechteste Bundesligist aller Zeiten stieg 1965/1966 mit 15 Toren in 34 Partien ab. Der FC Bayern München erzielte allein bei seinem Gastspiel in Frankfurt vier Treffer, drei davon gingen auf das Konto von Thomas Müller, der nun gemeinsam mit Teamkollege Mario Götze, Bremens Franco di Santo, Frankfurts Alexander Meier und Shinji Okazaki vom FSV Mainz 05 (alle sechs Tore) die Schützenliste anführt. Ein Torfestival erlebten die Zuschauer auch in Hoffenheim, an eine 3:4-Niederlage gegen Köln hatte im Vorfeld aber wahrlich keiner gedacht. Paderborn in Augsburg diesmal chancenlos und 0:3 unterlegen, Leverkusen im Heimspiel gegen Mainz glück- wie torlos, der VfB Stuttgart beim 0:2 in Bremen punktlos und nun am Tabellenende.

Premier League: Chelsea überragt, Southampton überrascht

Englands Fußballschlachtschiff setzt viel Geld um. Allerdings bietet die Premier League augenblicklich wenig guten Fußball. Auffällig das latente Schwächeln der Großclubs. Im Moment wären Arsenal, Manchester United, der FC Liverpool, der FC Everton und die Tottenham Hotspur nicht einmal für den europäischen Wettbewerb qualifiziert. Riesige Transfermillionen und vermeintlich große Namen zeigen bisher keinerlei tabellarische Wirkung. Clubs mit wesentlich bescheidenerer Ausgangslage stehlen den Giganten die Show und die guten Tabellenplätze. Southampton, West Ham und Swansea spielen eine ausgezeichnete Saison. Meister Manchester City ist nicht so tief gefallen wie der Rest der Riesen, hinkt aber dem Krönungsmarsch des FC Chelsea schon acht Punkte hinterher. Arsenal kann in Swansea eine Führung nicht halten und verliert mit 1:2. ManU quält sich einen 1:0-Heimsieg gegen Crystal Palace heraus, Liverpool läuft weiter neben der Spur und unterliegt daheim dem Spitzenreiter Chelsea mit 1:2. Der FC Everton, die Überraschung der letzten Saison, schafft ein 1:1 beim FC Sunderland und dümpelt auch im Mittelfeld. Tottenham wird zur Blamage der Saison und verliert im heimischen Stadion 1:2 gegen Stoke. Überflieger FC Southampton siegt weiter und bleibt als Tabellenzweiter mit vier Punkten Rückstand eine Art bescheidener Verfolger des Tabellenführers. Ein 2:0-Heimsieg gegen Aufsteiger Leicester reicht dafür aus. Southampton hat erst fünf Gegentore in elf Saisonspielen kassiert, ein glänzender Defensivwert.

Spitzenreiter Chelsea strauchelt also auch nicht in Liverpool, der Auswärtssieg bei den Reds festigt die beeindruckende Führung mit nun 29 Punkten. Bei einem Rückstand, wie in Anfield passiert, kann Chelsea nach Belieben die Schlagzahl erhöhen und ein Spiel umdrehen, um es dann sachlich bis in den Schlusspfiff zu verwalten. Nicht immer strahlt der Fußball dabei, aber es kommen die Punkte. Keiner kann Chelsea das Wasser reichen, Mourinhos Weichenstellung Richtung Titelgewinn ist unverkennbar. Wer vom schwächelnden Rest soll sich noch zu einer Gefahr für das Team von der Stamford Bridge aufschwingen? Dafür fehlt jede Fußballphantasie. Die Tabellenplatzierungen und Rückstände einiger Meisteraspiranten kommen teilweise schon einer Deklassierung gleich. Am Tabellenende die drei Aufsteiger. Vom FC Burnley (1:0 gegen Hull City) und den Queens Park Rangers allerdings ein starkes Lebenszeichen. Mit einer enormen Kampfleistung rang QPR an der heimischen Loftus Road Manchester City ein 2:2 ab. Beim Meister glänzte einzig Sergio Agüero mit zwei Treffern. Damit führt er die Torschützenliste der Premier League weiterhin an, zwölf Tore aus elf Spielen seine Bilanz.

Primera División: Torarmut außerhalb Madrids

In Spanien weiter Real das Nonplusultra, ein überdeutliches 5:1 gegen Rayo Vallecano war bereits der achte Ligasieg in Serie. Ancelottis Offensivmaschine läuft auf Hochtouren, auch Toni Kroos in der Primera División erstmals unter den Torschützen. 42 Saisontreffer nach elf Ligaspielen sind ein unerreichter Wert. Zum Vergleich: Chelsea (28 Tore), Bayern, Lyon und Marseille (je 27) sowie Juventus (25) haben allesamt nicht annährend so oft getroffen, allein Cristiano Ronaldo hat in seinen zehn Partien bereits 18-mal eingenetzt. Der Portugiese hat nunmehr sogar einen Treffer mehr vorzuweisen, als Barcas Traumtrio Neymar (zehn Tore), Lionel Messi (sieben) und Luis Suárez (null) zusammen. Die Katalanen immerhin mühten sich in Almería zu einem 2:1-Auswärtssieg, liegen in der Tabelle durch die unnötige Heimniederlage gegen Celta Vigo inzwischen zwei Zähler zurück. Ansonsten aber verlief Spieltag Nummer elf ganz nach dem Geschmack der Königlichen. Der Stadtrivale Atlético verlor in San Sebastián trotz Führung mit 1:2, die Verfolger aus Sevilla und Valencia kamen in ihren Heimspielen gegen Levante (1:1) und Athletic Bilbao (0:0) jeweils nicht über ein Unentschieden hinaus.

Vor der Partie gegen Rayo Vallecano präsentierte Cristiano Ronaldo den Real-Fans im Estadio Santiago Bernabéu den Goldenen Schuh. Bereits zum dritten Mal nach 2008 und 2011 wurde der Portugiese als bester Torjäger Europas ausgezeichnet. Ronaldo kam im letzten Jahr wie Luis Suárez auf 31 Ligatreffer.

Vor der Partie gegen Rayo Vallecano präsentierte Cristiano Ronaldo den Real-Fans im Estadio Santiago Bernabéu den Goldenen Schuh. Bereits zum dritten Mal nach 2008 und 2011 wurde der Portugiese als bester Torjäger Europas ausgezeichnet. Ronaldo kam im letzten Jahr wie Luis Suárez auf 31 Ligatreffer.

Im Tabellenkeller teilten sich die beiden Aufsteiger FC Cordoba und Deportivo La Coruña torlos die Punkte, Cordoba somit weiter das Schlusslicht. Mit dem gleichen Ergebnis endete die Partien zwischen Getafe und dem FC Elche sowie jene zwischen Vigo und dem FC Granada, Überraschungsaufsteiger SD Eibar musste sich beim FC Malaga mit 1:2 geschlagen geben. Alles in allem ein sehr torarmer Spieltag auf der Iberischen Halbinsel: Vernachlässigt man die sechs Tore des Real-Spiels, so fielen in den übrigen neun Stadien lediglich 13 Treffer.

Serie A: Siegreiches Führungstrio und Mailänder Tristesse

Juventus Turin schlägt den FC Parma mit 7:0 und schickt diesen auf den letzten Tabellenplatz. Jeweils Doppeltorschützen der „Alten Dame“ waren Carlos Tévez, Fernando Llorente und Álvaro Morata, auch Verteidiger Stephan Lichtsteiner durfte einen Treffer beisteuern. Man ist damit weiter Spitzenreiter, verfolgt von der Roma, die einen sicheren 3:0-Heimsieg gegen den FC Turin landete und drei Punkte hinter Juve liegt. Auf Platz drei arbeitete sich der SSC Neapel vor, der vom Gastspiel beim AC Florenz einen 1:0-Auswärtssieg mitbrachte, Schütze des goldenen Tores einmal mehr Gonzalo Higuaín. Diese drei Mannschaften werden auch den Titel unter sich ausspielen, Juve dabei mit klarster Weichenstellung Richtung Scudetto. Man setzt beim Agnelli-Club weiter auf Kontinuität, die sich vollends auszahlt. Unter der Woche wurde bekannt, das alte Schlachtross des italienischen Fußballs, Gianluigi Buffon, wird seinen Vertrag verlängern und bis 2017 an Bord bleiben. Die früher ärgsten Juve-Rivalen aus Mailand hinken nur noch hinterher. Milan spielte bei Sampdoria Genua 2:2, Inter gegen Hellas Verona vor heimischen Publikum ebenfalls, zu wenig für größere Ambitionen. Beide Teams verharren im Mittelfeld, stehen nicht mal auf internationalen Plätzen, Fußball-Tristesse unter dem Mailänder Dom.

Ligue 1: Topspiel sorgt für Spannung an der Tabellenspitze

Keine Top-Liga aber ein interessantes Spitzenspiel. Paris Saint Germain schlug die Gäste von Olympique Marseille mit 2:0 und rückte damit bis auf einen Punkt an den Spitzenreiter heran. Bei PSG wurde in der 65. Minute Zlatan Ibrahimović eingewechselt, der nach längerer Verletzungspause sein Comeback gab. Als Torschützen für den Pariser Scheich-Club trugen sich Lucas Moura und Edinson Cavani ein. Derweil die Verfolger allesamt siegreich: Olympique Lyon bezwang EA Guingamp 3:1, Girondins Bordeaux siegte 2:1 auswärts beim RC Lens und auch der FC Nantes gestaltete seine Reise nach Caen erfolgreich (2:1). Damit rückt die Tabellenspitze in der Ligue 1 wieder enger zusammen: Zwischen Olympique Marseille (28 Punkte) und dem AS Saint-Étienne (22) auf Rang sechs liegen gerade einmal sechs Zähler. Dahinter hat sich zum AS Monaco und zu Stade Rennes (je 19) schon eine kleine Lücke aufgetan. Am Tabellenende nun Lorient, Lens und Guingamp.

Redaktion Magath & Fußball