Hype um Martin Ødegaard


Veröffentlicht am 14. November 2014

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15-jähriger Norweger begeistert Landsleute und zieht Großclubs an

Als Schachweltmeister Magnus Carlsen, Norwegens Sportidol und Nationalheld, zum WM-Kampf gegen Viswanathan Anand am Austragungsort Sotschi eintraf, erwarteten ihn naturgemäß die Reporter und Kamerateams schon am Flughafen. Die erste Frage an den 23 Jahre alten Champion galt aber nicht den 64 Feldern, sondern dem grünen Rasen. Der bekennende Fußballfreund und Fan von Real Madrid wurde um seine Meinung zum Landsmann Martin Ødegaard gebeten. Die Königlichen in Person des großen Zinédine Zidane bemühen sich um den aufgehenden Stern am norwegischen Fußballhimmel. Ein seltener Weg der Galaktischen, die lieber fertige Weltstars für exorbitante Summen ins Haus holen und dabei umgehend die globale Werbetrommel anwerfen, eben ganz nach dem Geschmack des allmächtigen Präsidenten Florentino Pérez. In den letzten zehn Jahren sind eigentlich nur Sergio Ramos, Gonzalo Higuaín, Marcelo und Raphaël Varane als Jugendliche verpflichtet worden.

Ähnlich geerdet und im Elternhaus verwurzelt wie sein Landsmann Carlsen, wird den jungen Martin Ødegaard eine explodierende Popularität und der für ihn eingesetzte Privatjet Richtung Madrid nicht aus der bodenständigen Bahn werfen. Sein Vater Hans Erik Ødegaard, ein ehemaliger Fußballer und heutiger Betreiber eines Textilgeschäfts, ist ihm Berater und Helfer bei der Entscheidungsfindung. Es war übrigens von frühester Kindheit an völlig normal, dass Vater und Sohn nach den offiziellen Trainingseinheiten im Verein noch privat übten und trainierten. Es hat sich gelohnt, Martin wirkt reifer und viel weiter, als die meisten Spieler seiner Generation. Die Eltern müssen nun auch den Spagat zwischen Zukunftsplanung und der Notwendigkeit, den Sohn vor falschen Entscheidungen zu bewahren, hinbekommen. Ein nicht einfaches Unterfangen. Berater mit allen möglichen Absichten, Medien und Spieleragenten klopfen an die Tür, neben Real Madrid sollen angeblich auch Bayern München, Manchester United und der FC Liverpool Interesse haben. Borussia Dortmund und Ajax Amsterdam kochen ebenfalls im Gerüchtetopf. In der Kleinstadt Drammen, 50 Kilometer vor den Toren Oslos, ist die Aufregung groß, man verspürt Stolz auf seinen jungen Bewohner. Martin ist längst allgegenwärtig.

Ødegaard spielt bei Strømsgodset IF in der norwegischen Tippeligaen, wo man einen Spieltag vor Saisonende auf Platz vier liegt. Ødegaard bestritt 22 Saisonspiele, schoss dabei fünf Tore, lieferte sechs Vorlagen. Das offensive Mittelfeld ist sein Terrain, er spielt zentral, hinter den Spitzen oder er kommt offensiv über die rechte Außenbahn, das Spiel macht ihm positionsunabhängig viel Spaß. Der beidfüßige Ødegaard besticht durch seine sehr präzisen Abspiele und Pässe, ist enorm schnell und äußerst dribbelstark. Ein 15-Jähriger mit den Anlagen eines sehr kompletten Offensivspielers. Kein Wunder, dass Europas Großclubs auf der Jagd sind und der Blick des legendären Zidane an ihm haften blieb. Indes Martin Ødegaard äußerlich noch relativ unbeeindruckt seinen Weg geht. Als jüngster norwegischer Spieler aller Zeiten absolvierte er am 27. August 2014 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate sein erstes Länderspiel. In der laufenden EM-Qualifikation gab er sein Debüt am 13. Oktober 2014, wurde gegen Bulgarien eingewechselt. Diese Einwechslung machte ihn im Alter von 15 Jahren und exakt 300 Tagen zum jüngsten Spieler in der Geschichte der EM-Qualifikation. Beeindruckend, und doch nur ein weiterer Stein auf dem unendlichen Berg der Fußballstatistik. Wichtiger scheint die Frage, für welchen Verein sich Martin Ødegaard entscheidet, welchen sportlichen Weg er einschlägt.

Viele Fußballkundige trauen dem jungen Mann aus dem kleinen Drammen einen ähnlichen Weg zu, wie ihn der Waliser Gareth Bale eingeschlagen hat. Geht seine Entwicklung so weiter und bleibt er dabei auf dem Teppich, trifft mit der Familie auch richtige Entscheidungen, dann muss diese Erwartung keine Utopie bleiben und man wird noch viel hören von Martin Ødegaard. Vielleicht ist Magnus Carlsen bald nicht mehr die größte Sportpersönlichkeit Norwegens. Ob sein junger „Herausforderer“ Ødegaard sich auf den 64 Feldern so gut auskennt, wie Carlsen auf dem grünen Rasen, es ist noch ein Geheimnis. Mit steigender Popularität und öffentlicher Neugier wird es dies nicht mehr lange bleiben.

Redaktion Magath & Fußball