Made in Germany


Veröffentlicht am 16. November 2014

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Rehhagels Disziplin und Ordnung machte Griechenland einst zum Europameister

Wenn vermeintliche Fußballnationen gepeinigt, dann sind die Färöer-Inseln nicht weit. Einst schlugen sie, es war in der EM-Qualifikation 1990, auf fast heimischem Boden, man spielte im schwedischen Landskrona, die Österreicher mit 1:0. In unserem Nachbarland ist das seither eine quälende Sporterinnerung. Nun machte sich die Nationalmannschaft von der 43.000 Einwohner Insel auf nach Hellas und besiegte, was einst nicht mal dem persischen Großkönig Xerxes gelang, die Griechen auf deren heimischem Boden. Für den Ex-Europameister keine geringere Schmach als für die Wiener Alpenrepublik. Im Resultat kostete diese Niederlage dem italienischen Trainer Claudio Ranieri den Job, den er erst im Sommer diesen Jahres angetreten. Die Probleme des griechischen Fußballs liegen aber in einer eher schwachen Liga und den Verhältnissen im griechischen Fußball, weniger beim Trainer. Die Zeche zahlt aber wie immer dieser, und natürlich allein. Ranieri geht und ein Name ist wieder allgegenwärtig, weil gerade in Untergangstagen immer wieder die trostlose Gegenwart mit Niederlagen gegen Rumänien, Nordirland und die Färoer von der gloriosen Vergangenheit überdeckt wird. Dann hört man es über den Peloponnes schallen, was das doch für Zeiten waren, als der Deutsche noch unseren Fußball lenkte.

Nichts tat dem griechischen Fußball jemals besser als Made in Germany, Otto Rehhagel hieß das unverwüstliche Qualitätsprodukt. Daher sei aus aktuellem Anlass noch einmal an eine der großen Taten des Weltfußballs erinnert. Als krasser Außenseiter ging Griechenland mit seinem deutschen Trainer ins EM-Turnier, zudem noch in einer Gruppe mit Gastgeber und Mitfavorit Portugal. Es war noch keine Minute gespielt und zog sich durch alle Griechenland-Partien, als vor allem diverse Medien sich einen Wettlauf boten, um Otto Rehhagel in eine antiquierte und altmodische Ecke zu stellen. Leider auch in Rehhagels Heimat Deutschland. Kein Stolz über den Deutschen in ausländischen Diensten, sondern die übliche Verunglimpfung dessen, der nie über das von Medien für ihn hingehaltene Stöckchen sprang. König Otto kratzte dies wie immer herzlich wenig, er ging seinen Weg, der ihn schon mit Bremen und Kaiserslautern zum Meister machte und einen Europapokal an die Weser brachte. Und man staunt noch heute, die Griechen gingen den Weg im Verband und im Team mit, die Spieler nahmen die Arbeit von Rehhagel an.

Der Rest ist Fußballstatistik und viel Geschichte. In der Vorrunde der EM 2004 besiegte man den Gastgeber und trotzte den aufkommenden Spaniern ein Remis ab, im Viertelfinale schlug man den ehemaligen Welt- und Europameister Frankreich, um dann im Halbfinale die bisherigen Turnierüberflieger aus Tschechien nach Hause zu schicken und im Finale erneut auf Gastgeber Portugal zu treffen. Dieses Heimrecht half den Portugiesen so wenig wie die Weltklasse von Luís Figo und Cristiano Ronaldo. Griechenland und sein Trainer Otto Rehhagel verdienten sich die Lorbeeren und wurden Europameister. Plötzlich war auch Otto Rehhagel in der deutschen Medienlandschaft einer von uns und alle hatten es vorher gewusst… Kein Schnee von gestern, sondern in den Herzen aller Griechen ein epochales Ereignis mit dauerhaftem Erinnerungswert, deren Bern ’54 heißt eben Lissabon ’04. Made in Germany tat den Griechen gut, modern gewann und machte Otto Rehhagel, der neun Jahre das griechische Fußball-Zepter schwang, zu einem Helden der griechischen Geschichte. Alles völlig zu Recht. Noch heute gilt ein Hoch auf Otto Rehhagel. Man kann ihm nur in abgewandelter Form zurufen, was einst Marcel Reich-Ranicki Richtung Rudolf Augstein sagte: „Wir verneigen uns, ziehen den Hut und senken den Säbel.“ Und wir wünschen den Griechen für ihre Fußballzukunft alles Gute, mögen bald wieder bessere Tage anbrechen.

Redaktion Magath & Fußball