Wenn die Söhne mit dem Vater


Veröffentlicht am 29. November 2014

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Zinédine Zidane und sein persönliches Fußballquartett

Im Meer der Nachrichtensaat des Weltfußballs nur ein kleines Korn, aber aus was für einem Speicher! Enzo Fernández, mit vollem Namen Enzo Alan Zidane Fernández, wurde am 16. November 2014 beim 2:1-Sieg von Real Madrid Castilla im Ligaspiel gegen UB Conquense in den Schlussminuten eingewechselt und gab damit im Alter von 19 Jahren sein Punktspieldebüt bei den Madrilenen. Sein Trainer ist ein Mann mit einem der größten Namen des Weltfußball und im Hauptberuf auch noch der Vater von Enzo, kein geringerer als Zinédine Zidane. Real Madrid Castilla ist die Talentschmiede und zweite Mannschaft des spanischen Fußballclubs Real Madrid, die dem eigenen Nachwuchs als Anlaufstätte zum ersten Team dient. Man spielt gegenwärtig in der dritthöchsten Spielklasse des spanischen Fußballs, der Segunda División B. Seit Saisonbeginn 2014/15 ist Vater Zidane dort Cheftrainer. Die „10“ im Team trägt Enzo, eine Nummer, die dem Vater durchaus bekannt sein sollte.

Söhne von berühmten Vätern haben es nicht immer leicht, oft sogar schwerer. Vater-und-Sohn-Verhältnissen liegt manchmal die große Tragödie und das kleine Scheitern inne. Ödipus erschlug seinen Vater in Notwehr und stach sich aus Reue die Augen aus. Franz Kafkas „Brief an den Vater“ ist eine schonungslose Abrechnung mit selbigem, deren Intensität bis heute unter die Haut geht. Lord Randolph Henry Spencer wurde im August 1886 Schatzkanzler ihrer Majestät und musste schon nach drei Monaten im Amt zurücktreten, ließ die Menschen an seinem cholerischen Temperament teilhaben und starb mit 45 Jahren an den Folgen der Syphilis. Zeit seines Lebens lehnte er seinen Sohn ab, den er für einen Taugenichts hielt und niemals gebührend unterstützte, ihm nur eine trostlose wie düstere Zukunft prophezeite. Der Name des Sohnes: Winston Spencer Churchill. Genug der schlechten Beispiele, es gibt auch hoffnungsvolles. „24“-Star Kiefer Sutherland ist Sohn des großen Schauspielers Donald Sutherland, beide verstehen sich vor und hinter der Kamera prächtig, ähnlich verhält es sich mit dem legendären Kirk Douglas und seinem Filius Michael Douglas. Nun eben Familie Zidane, kein Albdruck, sondern Hilfe und Unterstützung von Alt zu Jung.

Die Fußstapfen von berühmten Vätern sind eben zuweilen groß, manche Söhne können sie dennoch bestens ausfüllen. Im Fußball hatte schon einmal ein großer Mittelfeldstratege den Sohn in die Spitzenklasse des Fußballs gebracht, wenn dessen Verweilen in den Topclubs  auch eher von kurzer Dauer war. Johan Jordi Cruyff machte seine Karriere als niederländischer Fußballspieler zwischen 1992 und 2010, brachte es dabei auf neun Länderspiele und ist Sohn von Fußballer und Trainer Johan Cruyff, auch ein Gigant am Fußballfirmament, ähnlich dem Kaliber Zinédine Zidane. Bei den Zidanes läuft das „Experiment“ auf Hochtouren und in guten Bahnen, Zinédine scheint als Vater so gewinnend wie als Fußballer. Enzo ist der älteste von vier Söhnen und aktueller U19-Nationalspieler Frankreichs. Bewusst hat er sich für Frankreich und gegen Spanien entschieden, der Papa mag da ein Wort mit beraten haben. Enzo ist auch der älteste einer Zidane-Fußballkette, seine Brüder Luca (16 Jahre), Theo (zwölf) und Elyaz (acht) spielen ebenfalls längst für die Jugend von Real. Theo und Elyar, wie auch Enzo wandeln auf Vaters Positionsspuren, Luca ist dagegen „völlig aus der Art geschlagen“, er steht im Tor. Ob zwischen den Pfosten oder auf dem Platz, ein beeindruckendes Fußballquartett hat Zinédine Zidane da dem Hause Real verfügbar gemacht.

Der Ehrlichkeit halber muss die Frage erlaubt sein, ob die Zidane-Kinder auch beim Club der Königlichen spielen würden, wenn ihr Vater Otto Huber oder Franz Gans hieße. Daraus darf aber auch kein Negativvotum gegen einen berühmten Namen erwachsen, für den die Kids ja nichts können. Wenn die Theorie der guten (Fußball-)Gene stimmt und fruchtet, steht dem Fußball noch einiges an Zidane ins Haus. Eine gute Nachricht. Manchmal gedeiht ja ein Saatkorn prachtvoller als das ursprüngliche Original und wird zu einem großartigen wie eigenständigen Gewächs, welches den Vorfahren alle Ehre macht. Sich den Namen Zidane merken lohnt und lohnte. Wer Fußball liebt hat ihn in seinem Herzen längst verewigt, daran konnte auch ein merkwürdiger Zeitgenosse mit Namen Marco Materazzi nie etwas ändern.

Redaktion Magath & Fußball