Gemischte Gefühle


Veröffentlicht am 10. Dezember 2014

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Leverkusen verschenkt Gruppensieg, Dortmund Erster

Bereits im Vorfeld des abschließenden Gruppenspieltags in der Champions League war klar, dass sowohl Bayer Leverkusen als auch Borussia Dortmund im Wettbewerb verbleiben werden. Einzig die Ausgangsposition vor der Achtelfinal-Auslosung am kommenden Montag galt es noch zu klären. Während der BVB seine Spitzenposition im Fernduell mit Arsenal zementierte und sich damit im Hinblick auf das Lotteriespiel im schweizerischen Nyon einen nicht zu unterschätzenden Vorteil erspielte, vergab Bayer 04 Leverkusen auch den zweiten Matchball zum Gruppensieg und musste den AS Monaco doch noch vorbeiziehen lassen. Im Achtelfinale droht der Werkself nun ein ungleich schwereres Los. Mit blütenweißer Weste und einem weiteren Rekord in der Tasche – die Königlichen gewannen ihre letzten 19 Pflichtspiele allesamt – zieht Real Madrid in die nächste Runde ein. Der Traum von der ersten Titelverteidigung in der Geschichte der Königsklasse lebt, auch weil die beeindruckende Trefferserie von Cristiano Ronaldo nicht abreißt. Nach Lionel Messi hat nun auch der Portugiese den einstigen Champions League Rekordtorjäger Raúl überholt. An der Anfield Road dagegen Ernüchterung: Gegen Basel reichte es nicht zum Sieg, weshalb die Reds ab sofort mit der Europa League vorliebnehmen müssen.

Gruppe A: Atlético souverän, Juve minimalistisch

Im Vorjahr noch war der italienische Meister als Gruppendritter hinter Real und Galatasaray Istanbul ausgeschieden, in dieser Saison aber sicherte sich Juventus Turin einen Platz im Achtelfinale. Wenngleich die Alte Dame im abschließenden Heimspiel gegen den Vorjahresfinalisten noch einmal zittern musste, reichte es zu einem torlosen Unentschieden und dem einen noch benötigten Zähler. Dennoch verkauften sich die Griechen von Olympiakos Piräus teuer und gut, die Niederlage in Malmö am zweiten Gruppenspieltag allerdings folgenschwer. Die Mannschaft des spanischen Trainers José Miguel González gewann zwar alle drei Heimspiele im Karaiskakis-Stadion, holte in der Fremde jedoch keinen einzigen Zähler.

Nach der Auftaktniederlage in Piräus (2:3) gestaltete Atlético das Unternehmen Gruppensieg mit größter Souveränität, das Bollwerk von Diego Simeone musste seither keinen Gegentreffer mehr hinnehmen. Vier Siege in Folge sowie das abschließende Remis in Turin ebneten den Weg ins Achtelfinale, Mario Mandzukic mit fünf Treffern der Torgarant in den Reihen der Rojiblancos. Juve dagegen reichten sieben Treffer, drei davon gehen auf das Konto von Carlos Tévez, zu zehn Punkten. Ebenfalls dreifach traf der Ex-Bremer Markus Rosenberg für Malmö, die bis auf den 2:0-Sieg über Olympiakos am zweiten Gruppenspieltag aber nichts zu bestellen hatten.

Endstand in Gruppe A

1. Atlético Madrid | 13 Punkte | 14:3 Tore
2. Juventus Turin | 10 Punkte | 7:4 Tore
3. Olympiakos Piräus | 9 Punkte | 10:13 Tore
4. Malmö FF | 3 Punkte | 4:15 Tore

Gruppe B: Real im Spaziergang, Basel überrascht

Sechs Siege, 16:2 Tore: Real Madrid ist auch in der laufenden Champions League Saison das Maß aller Dinge. Wenngleich niemand an einem Weiterkommen des Ancelotti-Teams zweifelte, nötigt die Art und Weise, wie Real die Gruppenkonkurrenz düpierte, Respekt ab und darf als klare Kampfansage in Richtung Titelverteidigung verstanden werden. Cristiano Ronaldo und Karim Benzema erzielten jeweils alleine so viele Tore wie der FC Liverpool, das Starensemble aus der spanischen Hauptstadt funktioniert auch im Zusammenspiel immer besser. Der Weg zum CL-Triumph in Berlin am 6. Juni kommenden Jahres führt wohl nur über Real.

Zum dritten Mal nach 2002/03 und 2011/12 steht daneben der FC Basel unter den besten 16 Mannschaften Europas. Ein Paukenschlag auch deshalb, weil die Schweizer den FC Liverpool auf Rang drei verwiesen. Im Endspiel an der Anfield Road reichte ein Unentschieden, die Mannen des portugiesischen Coaches Paulo Sousa aber spielten von Beginn an auf Sieg. Folgerichtig deshalb die Führung, erzielt durch Fabian Frei nach 25 Minuten. Die Reds schwächten sich durch einen berechtigten Platzverweis für den Serben Lazar Marković selbst, kamen angeführt von Kapitän Steven Gerrard aber noch einmal zurück. Gerrard selbst nagelte zehn Minuten vor dem Ende einen Freistoß in den linken Torgiebel, es kam noch einmal Hoffnung auf. Doch der FC Basel überstand die hektische Schlussphase auch dank Torhüter Tomáš Vaclík unbeschadet und steht insgesamt verdient im Achtelfinale: In 180 Minuten gestattete man Liverpool nur einen einzigen Treffer. Der englische Vizemeister dagegen hatte sich seine Champions League Rückkehr grundlegend anders vorgestellt: fünf Punkte und nur fünf erzielte Tore in sechs Partien sind nichts anderes als ein internationales Armutszeugnis, berechtigen aber immerhin für die Europa League.

Torschütze Fabian Frei (rechts) und der FC Basel zogen mit einem 1:1 an der Anfield Road ins Achtelfinale ein.

Torschütze Fabian Frei (rechts) und der FC Basel zogen mit einem 1:1 an der Anfield Road ins Achtelfinale ein.

Der Underdog aus Bulgarien wusste bei seinem Königsklassendebüt derweil insbesondere in der heimischen Arena zu überraschen. Gegen die Königlichen verlor Ludogorez Rasgrad zuhause nur 1:2, Liverpool trotzte man ein achtbares 2:2 ab und der 1:0-Sieg gegen Basel ging als erster Champions League Sieg in die Vereinsgeschichte ein. Auswärts dagegen war der amtierende Meister der bulgarischen Liga A Grupa ohne jede Chance, null Punkte und 1:10 Tore belegen dies.

Endstand in Gruppe B

1. Real Madrid | 18 Punkte | 16:2 Tore
2. FC Basel | 7 Punkte | 7:8 Tore
3. FC Liverpool | 5 Punkte | 5:9 Tore
4. Ludogorez Rasgrad | 4 Punkte | 5:14 Tore

Gruppe C: Monaco mit vier Toren zum Gruppensieg, Leverkusen muss sich ärgern

Mit drei Siegen im Rücken hätte die Ausgangslage für Bayer 04 schon nach dem vierten Gruppenspieltag nicht besser sein können. Gegen Monaco hätte bereits ein Unentschieden zum Gruppensieg genügt – man verlor in der heimischen BayArena mit 0:1, da half auch die Live-Übertragung im ZDF herzlich wenig. Noch einmal hatte die Werkself nun also in Lissabon die Chance, mit einem Dreier Platz eins zu sichern – heraus kam ein mageres 0:0. Also nutzte der AS Monaco die Gunst der Stunde, gewann zum Abschluss gegen Zenit St. Petersburg souverän mit 2:0 und fing die Leverkusener an der Tabellenspitze doch noch ab. Anders als in den zurückliegenden Jahren auf dem Transfermarkt, zeigte sich der Fürstenclub durch und durch minimalistisch: Vier eigene Treffer reichten zu elf Punkten und dem Weiterkommen als Gruppenerster, mit nur einem einzigen Gegentor stellt Monaco darüber hinaus den sichersten Defensivverbund. Überhaupt fielen in Gruppe C die mit Abstand wenigsten Treffer: In zwölf Partien kamen Leverkusen (sieben Tore), Monaco, St. Petersburg (je vier) und Benfica (zwei) zusammen auf lediglich 17. Allein Real Madrid erzielte bekanntlich 16.

In der Europa League überwintert Zenit – die seit März von Ex-Chelsea-Coach André Villas-Boas trainierten Russen hätten mit einem Sieg bei Monaco sogar noch ins Achtelfinale vorstoßen können. Platz vier für Benfica eine einzige Enttäuschung. Dass die bei der Gruppenziehung noch in Lostopf eins gesetzten Portugiesen ausgerechnet gegen Monaco ihren einzigen Sieg landeten, zeigt die Ausgeglichenheit dieser Gruppe.

Endstand in Gruppe C

1. AS Monaco | 11 Punkte | 4:1 Tore
2. Bayer 04 Leverkusen | 10 Punkte | 7:4 Tore
3. Zenit St. Petersburg | 7 Punkte | 4:6 Tore
4. Benfica Lissabon | 5 Punkte | 2:6 Tore

Gruppe D: Dortmund und Arsenal sicher durch, Anderlecht vielversprechend

Anders als Leverkusen wusste der BVB seinen Spitzenplatz am sechsten Spieltag gegen den RSC Anderlecht zu verteidigen. Das 1:1-Unentschieden gegen spielstarke Belgier allerdings unnötig, hatte Dortmund die Begegnung nach dem Führungstreffer von Ciro Immobile doch eigentlich sicher im Griff. Die Borussia – allen voran Henrikh Mkhitaryan, der zwar einmal mehr eine erstklassige Leistung bot, vor dem Tor aber selbst allerbeste Gelegenheiten ausließ – verpasste es jedoch, den zweiten Treffer nachzulegen, weshalb das serbische Sturmtalent Aleksandar Mitrović eine Unachtsamkeit per Kopf bestrafte. Der eine Zähler aber reichte zum Gruppensieg, Arsenal hätte zeitgleich in Istanbul schon mit sechs Toren Unterschied gewinnen müssen. Ein Traumstart der Gunners deutete zunächst sogar in diese Richtung. Lukas Podolski und Aaron Ramsey per Doppelpack, sein Treffer zum 0:3 einer der Marke „Tor des Monats“, schossen bereits nach einer halben Stunde eine deutliche Führung heraus. Im zweiten Durchgang allerdings nutzte Arsène Wenger die relative Belanglosigkeit der Partie, um einigen Nachwuchsspielern ihren ersten Champions League Einsatz zu ermöglichen. Ein herrliches Freistoßtor von Wesley Sneijder war dennoch das einzige, was Galatasaray zustande brachte. In der Nachspielzeit stellte erneut Podolski den 1:4-Endstand sicher.

Ciro Immobile (links) erzielte gegen Anderlecht seinen vierten Champions League Treffer für den BVB. İlkay Gündoğan herzt Vorbereiter Nuri Şahin, der nach langer Verletzungspause ein gutes Comeback gab.

Ciro Immobile (links) erzielte gegen Anderlecht seinen vierten Champions League Treffer für den BVB. İlkay Gündoğan herzt Vorbereiter Nuri Şahin, der nach langer Verletzungspause ein gutes Comeback gab.

Letztlich geriet das gemeinsame Weiterkommen von BVB und Arsenal nie wirklich in Gefahr, dennoch bewies der RSC Anderlecht mit einer jungen Mannschaft, dass er den beiden Favoriten fußballerisch durchaus das Wasser reichen kann. Vielen Spielern aus den Reihen des belgischen Meisters steht eine große Zukunft bevor, die Namen Mitrović, Chancel Mbemba, Leander Dendoncker, Youri Tielemans, Dennis Praet oder Ibrahima Conte, der auf der rechten Außenbahn in Dortmund einen tollen Eindruck hinterließ, sollte man im Gedächtnis behalten. Anderlecht in jedem Fall ein interessanter Europa League Teilnehmer. Über den Champions League Auftritt von Galatasaray hingegen sollte man lieber schweigen. Dieser kostete zuletzt Ende November wohl auch Cesare Prandelli den Trainerjob.

Endstand in Gruppe D

1. Borussia Dortmund | 13 Punkte | 14:4 Tore
2. FC Arsenal London | 13 Punkte | 15:8 Tore
3. RSC Anderlecht | 6 Punkte | 8:10 Tore
4. Galatasaray Istanbul | 1 Punkt | 4:19 Tore

Redaktion Magath & Fußball

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