Im Gleichschritt


Veröffentlicht am 12. Dezember 2014

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Gladbach und Wolfsburg mit deutlichen Siegen weiter

Ja, die Bundesliga kann auch Europa League! Gemeinsam zogen die beiden deutschen Vertreter am Donnerstagabend in die nächste Runde ein. Sowohl der Borussia als auch den Wölfen hätte dafür jeweils ein Unentschieden genügt – beide gaben sich damit aber nicht zufrieden und gewannen ihre Abschlusspartien der Vorrunde deutlich. Während die Fohlen im heimischen Borussia-Park dem FC Zürich beim glatten 3:0 die Grenzen aufzeigten, hatte der VfL auswärts mit dem OSC Lille schon einen deutlich härteren Brocken vor der Brust, siegte durchaus glücklich mit dem gleichen Ergebnis. Mit Spannung blicken beide Clubs nun auf die Auslosung der Zwischenrunde, die direkt nach der Champions League Ziehung am kommenden Montag ab 13 Uhr im schweizerischen Nyon vorgenommen wird. Die Chancen auf namhafte Gegner ist groß, mischen sich doch nun ebenfalls die acht Gruppendritten der Champions League unter die im Wettbewerb verbliebenen Mannschaften.

Auf Hrgota ist in Europa Verlass

Für Lucien Favre war das Duell mit dem FC Zürich eines gegen den alten Club: In seiner vierjährigen Amtszeit gewann er mit dem FCZ zwei Meisterschaften sowie einmal den Pokal. Nach dem 1:1 am zweiten Spieltag im Letzigrund waren die Gladbacher aber ohnehin gewarnt, insbesondere auf den Kameruner Franck Etoundi und den Tunesier Yassine Chikhaoui – beide kommen zusammen auf fünf der zehn Züricher Treffer – musste man aufpassen. Dennoch wurde es für die Borussia ein relativ entspannter Abend, denn die Gladbacher dachten gar nicht daran, den einen benötigten Zähler mit einem Defensivbollwerk abzusichern, sondern spielten munter auf Gruppensieg. Mitte des ersten Durchgangs hatte Patrick Herrmann Glück, als ihm ein abgefälschter Pass von Branimir Hrgota in den Fuß sprang. Der Rest war Formsache: Herrmann umkurvte David da Costa im Tor der Gäste und schob zur Führung ein, sein vierter Treffer im sechsten Einsatz. Kurz darauf traf Ibrahima Traoré nur den Pfosten, Zürich war mit dem 0:1-Pausenrückstand also noch gut bedient. Die Entscheidung dann nach gut einer Stunde: Hrgota, Gladbachs „Mr. Europa“, schnürte binnen fünf Minuten einen Doppelpack – rechnet man die beiden Playoff-Partien gegen Sarajevo hinzu, waren es bereits seine Tore Nummer sieben und acht in der laufenden Europa League Saison. Erst vollendete der schwedische Nationalstürmer humorlos nach schönem Doppelpass mit Raffael, wenig später alleine vor dem Züricher Kasten gefühlvoll per Lupfer. Der Gladbacher Gruppensieg damit perfekt, da änderte auch der 2:0-Sieg Villareals bei Apollon Limassol nichts. Einziger Wermutstropfen eine mögliche Verletzung von Christoph Kramer, der Weltmeister verließ in der Schlussphase humpelnd den Rasen.

Endstand in Gruppe A

1. Borussia Mönchengladbach | 12 Punkte | 14:4 Tore
2. FC Villareal | 11 Punkte | 15:7 Tore
3. FC Zürich | 7 Punkte | 10:14 Tore
4. Apollon Limassol | 3 Punkte | 4:18 Tore

Lille stark, Wolfsburg effizient

Mit einer ähnlich guten Ausgangssituation im Rücken trat der VfL Wolfsburg die Reise nach Frankreich an. Nur mit einem Sieg hätte der OSC Lille die Grün-Weißen aufgrund des dann gewonnenen direkten Vergleichs – das Hinspiel endete 1:1 – noch von Tabellenplatz zwei verdrängen können. Die Franzosen, in der Ligue 1 derzeit nur auf Platz 15 und seit Ende September ohne Pflichtspielsieg, begannen druckvoll, schon nach sieben Minuten setzte der Senegalese Idrissa Gueye einen Kopfball gegen den Pfosten. Auch in der Folge gab der OSC klar den Ton an und blieb brandgefährlich, die Führung wäre spätestens nach einer halben Stunde verdient gewesen, Naldo produzierte um ein Haar ein Eigentor. Als sich die Hausherren im mit 30.000 Zuschauern gut gefüllten Grand Stade Metropole schon auf ein torloses Remis zum Pausentee eingestellt hatten, kombinierten sich die Wölfe noch einmal in Tornähe. Vieirinha schließlich war der Nutznießer eines erstklassigen Spielzuges, vorgetragen über Kevin De Bruyne und Ivan Perišić. Mit dem Halbzeitpfiff stellte der kleine Portugiese den Spielverlauf auf den Kopf und brachte den VfL völlig überraschend auf die Siegerstraße.

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Zwar begann Durchgang zwei für die Wolfsburger alles andere als gut, Josuha Guilavogui sah binnen weniger Minuten die Ampelkarte, dennoch war der Tabellenzweite der Bundesliga nun wesentlich präsenter und erarbeitete sich gute Chancen. Ricardo Rodríguez schließlich sorgte mit einem direkt verwandelten Freistoß für die Vorentscheidung. Dass Belgiens Sturmtalent Divock Origi, wohl beim FC Liverpool hoch im Kurs, mit seinem Foulelfmeter wenig später an Diego Benaglio scheiterte, passte ins Bild des Abends, der Willen der Doggen nun endgültig gebrochen. Besser machte es eine Minute vor Schluss auf der anderen Seite erneut Rodríguez, der dem nigerianischen Nationaltorhüter Vincent Enyeama vom Punkt keine Chance ließ und zum 3:0-Endstand aus Sicht der Wölfe traf. Wolfsburg damit Gruppenzweiter hinter dem FC Everton, der zum Vorrundenabschluss im Goodison Park gegen den bereits ausgeschiedenen FK Krasnodar (0:1) seine erste Niederlage hinnehmen musste.

Endstand in Gruppe H

1. FC Everton | 11 Punkte | 10:3 Tore
2. VfL Wolfsburg | 10 Punkte | 14:10 Tore
3. FK Krasnodar | 6 Punkte | 7:12 Tore
4. OSC Lille | 4 Punkte | 3:9 Tore

Salzburger Torrekord und Stromausfall in Istanbul

In den anderen Gruppen war derweil Spektakel reichlich geboten. RB Salzburg gewann sein Heimspiel gegen den rumänischen Vizemeister Astra Giurgiu überdeutlich mit 5:1 und stellte einen neuen Europa League Torrekord für die Gruppenphase auf. In sechs Partien traf die Mannschaft von Trainer Adi Hütter stolze 21 Mal, allein acht Tore gehen auf das Konto von Alan. Der Brasilianer damit Toptorjäger vor dem Griechen Stefanos Athanasiadis (sechs Tore) in Diensten von PAOK Saloniki, die ihr Endspiel gegen den französischen Pokalsieger EA Guingamp dank zweier sehenswerter Tore von Claudio Beauvue mit 1:2 verloren. Titelverteidiger Sevilla sicherte sich derweil dank eines 1:0-Heimsiegs über HNK Rijeka Platz zwei in Gruppe G hinter Feyenoord Rotterdam.

Der Brasilianer Alan (Mitte) von RB Salzburg ist mit acht Treffern der Toptorjäger der bisherigen Europa League Saison. Das erste seiner beiden Tore gegen Astra Giurgiu erzielt er in dieser Szene mit der Brust.

Der Brasilianer Alan (Mitte) von RB Salzburg ist mit acht Treffern der Toptorjäger der bisherigen Europa League Saison. Das erste seiner beiden Tore gegen Astra Giurgiu erzielt er in dieser Szene mit der Brust.

Gruppensieger auch der AC Florenz trotz einer 1:2-Heimniederlage zum Abschluss gegen Dynamo Minsk. Den einzigen Treffer der Fiorentina erzielte Marko Marin, Mario Gomez wurde zur Halbzeit ausgewechselt. Ein wahres Torfestival feierte dagegen der FC Turin auswärts in Kopenhagen: Begünstigt durch zwei frühe Platzverweise für die Hausherren gewann der siebenfache italienische Meister bei den Dänen mit 5:1 und qualifizierte sich als Gruppenzweiter hinter dem FC Brügge für die Zwischenrunde. Ganz anders Inter Mailand: Dem einstigen Weltclub gelangen in einer Gruppe mit Qarabağ Ağdam, dem AS Saint-Étienne und Dnipro Dnipropetrowsk in sechs Partien lediglich sechs Törchen, es reichte trotzdem zum Gruppensieg. Fast hätte die Mannschaft des neuen alten Trainers Roberto Mancini zum Abschluss bei Qarabağ Ağdam in Aserbaidschan sogar verloren, der vermeintliche 1:0-Siegtreffer der Hausherren in der vierten Minute der Nachspielzeit wurde wegen einer Abseitsstellung jedoch aberkannt. Besonders bitter: Er hätte für Ağdam das Weiterkommen bedeutet. So folgt Dnipropetrowsk den Mailändern aufgrund eines 1:0-Sieges über enttäuschende Franzosen in die nächste Runde.

Ein Kuriosum auch beim Duell um den Gruppensieg in Staffel C: Im Atatürk Olimpiyat Stadı zu Istanbul fielen gleich zweimal die Lichter aus, das Stadion zwischenzeitlich nur von Feuerzeugen und Handys erleuchtet. Dank eines Tores von Cenk Tosun, der in Wetzlar geboren und bei Eintracht Frankfurt ausgebildet wurde, besiegte Beşiktaş Istanbul unter der Leitung des Kroaten Slaven Bilić Tottenham mit 1:0. Unterdessen wahrte Dynamo Moskau seine weiße Weste in Gruppe E: Die Russen gewannen dank eines Last-Minute-Tores von Aleksey Ionov beim PSV Eindhoven mit 1:0 und ziehen mit der perfekten Ausbeute von sechs Siegen aus sechs Spielen als bestes Team der Gruppenphase ins Sechzehntelfinale ein.

Diese 32 Mannschaften haben sich für die Zwischenrunde qualifiziert:

Zwölf Gruppenerste aus der Europa League

Borussia Mönchengladbach, FC Brügge, Beşiktaş Istanbul, RB Salzburg, Dynamo Moskau, Inter Mailand, Feyenoord Rotterdam, FC Everton, SSC Neapel, Dynamo Kiew, AC Florenz, Legia Warschau

Zwölf Gruppenzweite aus der Europa League

FC Villareal, FC Turin, Tottenham Hotspur, Celtic Glasgow, PSV Eindhoven, Dnipro Dnipropetrowsk, FC Sevilla, VfL Wolfsburg, Young Boys Bern, Aalborg BK, EA Guingamp, Trabzonspor

Acht Gruppendritte aus der Champions League

Olympiakos Piräus, FC Liverpool, Zenit St. Petersburg, RSC Anderlecht, AS Rom, Ajax Amsterdam, Sporting Lissabon, Athletic Bilbao

Redaktion Magath & Fußball