Donetsk, Juve, Real und Atlético


Veröffentlicht am 15. Dezember 2014

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Machbare bis unlösbare Aufgaben für die deutschen Clubs

Im Quartett war die Bundesliga bei der Auslosung des Champions League Achtelfinals im schweizerischen Nyon vertreten, keine andere Liga stellte derart viele Mannschaften. Aus Premier League und Primera División sind weiterhin jeweils drei Clubs im Rennen, immerhin zwei noch aus der französischen Ligue 1, die damit sogar die italienische Serie A übertrumpft. Komplettiert wird das 16-köpfige Teilnehmerfeld von je einem Team aus der portugiesischen Liga Zon Sagres, der schweizerischen Raiffeisen Super League und der ukrainischen Premier-Liga. Die Höhe der zu überspringenden Hürden für den FC Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und den FC Schalke 04 reicht derweil von kniehoch bis unüberwindbar.

Nirgendwo sonst ist die Favoritenlage so klar verteilt, wie bei der Neuauflage des letztjährigen Achtelfinal-Aufeinandertreffens zwischen dem FC Schalke 04 und Real Madrid. Bei realistischer Betrachtungsweise kann es für Königsblau insbesondere im eröffnenden Heimspiel nur darum gehen, nicht derart deutlich unter die Räder zu kommen, wie es beim 1:6 in der Veltins Arena vor knapp zehn Monaten der Fall war. Wenngleich sich die Knappen beim 1:3 im Rückspiel noch einigermaßen achtbar aus der Affäre zogen, stand am Ende dieses ungleichen Duells in der Summe ein desaströses 2:9. Nimmt man die derzeitige Verfassung der Königlichen als Grundlage für eine Prognose, dann spricht nicht sonderlich viel für ein besseres Resultat aus Schalker Sicht. Angesichts der inzwischen fast reibungslos funktionierenden Offensivmaschinerie Ancelottis und eines Cristiano Ronaldos in historischer Trefferlaune, mag man fast Mitleid haben mit S04, das aller Voraussicht nach vom Titelverteidiger erneut in seine Einzelteile zerlegt wird. Mit Glücksgöttin Fortuna hat man es sich augenscheinlich verscherzt, nur Horst Heldt befeuert die Hoffnung mit Phrasen wie „Im Fußball ist alles möglich“ oder „Wir müssen die Außenseiterrolle annehmen“. Nun, irgendwas muss er ja sagen. Die Botschaft hört man wohl, allein der Glaube fehlt.

Dagegen darf sich der FC Bayern München auf eine gänzlich neue Erfahrung freuen: Erstmals in seiner Champions League Geschichte bekommt es der deutsche Rekordmeister mit Shakhtar Donetsk zu tun. Es gibt sicher angenehmere Reisen im Februar als jene nach Lwiw, wohin die Ostukrainer aufgrund der unvermindert angespannten politischen Situation ihre Heimspiele verlagert haben. Dennoch wäre alles andere als ein sicheres Weiterkommen der Bayern eine faustdicke Überraschung. Daran wird auch Luiz Adriano – mit neun Treffern bester Torjäger der laufenden CL-Saison – nichts ändern können, die Münchner als Team einfach mindestens eine Klasse besser. Vorsicht bleibt dennoch geboten, spielstark ist die mit einigen Brasilianern bestückte Shakhtar-Offensive allemal. Zwar haben vier nationale Meisterschaften am Stück nicht die ganz große Aussagekraft, dennoch meint Matthias Sammer zu Recht: „Wer sich in der Gruppenphase unter anderem gegen Bilbao durchgesetzt hat, muss Klasse haben.“ Doch wenngleich Pep Guardiola seinen rumänischen Trainerkollegen Mircea Lucescu als „einen der besten Trainer in Europa“ preist, wird es am Viertelfinaleinzug der Münchner keinen Zweifel geben.

Als völlig offen muss man die Neuauflage des Champions League Endspiels von 1997 zwischen Borussia Dortmund und Juventus Turin bezeichnen. Dass diese Paarung ausgerechnet der zweifache Dortmunder Torschütze von damals, Karl-Heinz Riedle, aus dem Lostopf zog, macht die Geschichte rund. Während den BVB derzeit wahrlich andere Sorgen plagen, könnte ein kleiner Vorteil für Schwarz-Gelb in der Tatsache bestehen, dass das Rückspiel vor heimischem Publikum ausgetragen wird. Allerdings hat Italien ja durchaus nicht nur schlechte Erinnerungen an Dortmund vorzuweisen. Die „Alte Dame“ hat wie der Fußball am Apennin einiges an Strahlkraft vergangener Tage eingebüßt, ist erstklassig besetzt aber noch immer ein harter und schwer verdaulicher Brocken. Insbesondere das Mittelfeld mit Andrea Pirlo, Paul Pogba oder Arturo Vidal hat Weltformat. Dem muss die Borussia mit Geschwindigkeit begegnen. Diese in der Klopp-Elf durchaus reichlich vorhanden, ein gänzlich genesener Marco Reus, der sprintstarke Pierre-Emerick Aubameyang und auch ein in dieser Spielzeit bislang weitgehend glückloser Henrikh Mkhitaryan könnten den berühmt-berüchtigten Defensivverbund des Agnelli-Clubs knacken. Wenn sich die Hoffnung von Michael Zorc bestätigt und sich der BVB „bis Mitte Februar leistungsmäßig nach oben entwickeln“ kann, scheint ein drittes Viertelfinale in Serie mit Dortmunder Beteiligung nicht ausgeschlossen.

Für Bayer Leverkusen wäre ein solches das erste seit 2002, als es die Werkself überraschend bis ins Finale schaffte. Seither erreichte man zwar dreimal das Achtelfinale, verließ jedoch in allen sechs Partien das Feld als teilweise klarer Verlierer. Damit soll nun Schluss sein – mit Atlético Madrid aber wartet niemand sonst als der Vorjahresfinalist und amtierende spanische Meister. Bedenkt man jedoch, dass für Bayer daneben Real, Chelsea, Barcelona und Porto die möglichen Gegner gewesen wären, darf man sogar fast noch von Losglück sprechen. An guten Tagen sind die Leverkusener mit Sicherheit in der Lage, dem Bollwerk Diego Simeones beizukommen, auch weil dieses im vergangenen Jahr noch wesentlich gefestigter schien. An schlechten Bayer-Tagen allerdings – und diese stehen meistens dann auf der Tagesordnung, wenn es um viel geht – kann das Treffen der derzeitigen Tabellendritten aus Bundesliga und Primera División jederzeit zur einseitigen Angelegenheit verkommen. Rudi Völler bringt es auf den Punkt: „Atlético ist eine große Herausforderung. Wir wissen aber, was wir können. Chancenlos sind wir nicht.“

Das Champions League Achtelfinale:

Paris Saint Germain (FRA) – FC Chelsea London (ENG)
Manchester City (ENG) – FC Barcelona (ESP)
Bayer 04 Leverkusen (GER) – Atlético Madrid (ESP)
Juventus Turin (ITA) – Borussia Dortmund (GER)

FC Schalke 04 (GER) – Real Madrid (ESP)
Shakhtar Donetsk (UKR) – FC Bayern München (GER)
FC Arsenal London (ENG) – AS Monaco (FRA)
FC Basel (SUI) – FC Porto (POR)

Die Hinspiele:

Di./Mi., 17./18. Februar 2015
Di./Mi., 24./25. Februar 2015

Die Rückspiele:

Di./Mi., 10./11. März 2015
Di./Mi., 17./18. März 2015

Redaktion Magath & Fußball