Zu gut für die Liga


Veröffentlicht am 20. Dezember 2014

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FC Bayern geht ungeschlagen in die Winterpause

14 Siege, drei Unentschieden, keine Niederlage. So lautet die stolze Halbjahresbilanz der Bayern zur Weihnachtszeit. Der ärgste Verfolger des Rekordmeisters kommt aus Niedersachsen, die Wolfsburger hegen vor dem Heimspiel gegen Köln zum Hinrundenabschluss zwar durchaus die begründete Hoffnung, den Rückstand auf elf Zähler zu verringern. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wen oder was im bajuwarischen Süden juckt das schon? Einen ernsthaften Kampf um die Meisterschale gibt es nicht. Nicht nur Volkswagen, die gesamte Bundesliga fährt längst meilenweit hinterher.

Was haben Ivica Olic, Benedikt Höwedes, Marco Reus und seit gestern Abend auch Elkin Soto gemeinsam? Diese Vier sind die einzigen, die Manuel Neuer im Bayern-Tor bislang überwinden konnten. Gemeinsam mit seinen Vorderleuten steuert der Welttorhüter in der Bundesliga auf einen Allzeit-Rekord zu: Nicht mehr als vier Gegentore musste Bayern in den 17 Begegnungen der ersten Saisonhälfte hinnehmen. Jérôme Boateng, Dante und Co. verliehen dem strapazierten Begriff des Abwehrbollwerks eine völlig neue Dimension. Die historische Bestmarke von 18 Gegentreffern in 34 Saisonspielen – aufgestellt von den Münchnern selbst in der Triple-Spielzeit 2012/13 – wackelt bedenklich. Die zweitbeste Abwehrreihe der Liga kommt aus Gladbach. Schlussmann Yann Sommer musste bereits vor der letzten Partie der Fohlen in Augsburg 14 Mal hinter sich greifen.

Noch beeindruckender indes die Abteilung Attacke auf dem Platz. 41 eigene Tore sind natürlich ebenso unerreicht, Frankfurt (33) und Wolfsburg (31) auch in dieser Statistik schon deutlich zurück. Vier Bayern-Profis erzielten sieben oder mehr Tore, Arjen Robben (zehn Tore) führt die interne Trefferliste an. Dabei kann Pep Guardiola längst nicht aus dem Vollen schöpfen. Allzu leicht nämlich vergisst man, dass bei diesen Bayern Spieler wie Thiago, Javi Martínez, David Alaba, Holger Badstuber, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger oder auch Franck Ribéry große Teile der Hinrunde verletzungsbedingt verpassten. Umso deutlicher die Überlegenheit dieses Kaders, der auch am Freitagabend in Mainz nicht einmal ansatzweise komplett war. Zwar meldeten sich mit Ribéry und Schweinsteiger in den zurückliegenden Wochen zwei Rekonvaleszenten erfolgreich zurück, dafür fehlten im Auswärtsspiel bei den Nullfünfern mit Mehdi Benatia, Xabi Alonso, Sebastian Rode und Robert Lewandowski vier weitere Stammkräfte. Dennoch siegten die Bayern dank eines Last-Minute-Treffers von Robben knapp mit 2:1 – in der Bundesliga nach dem torlosen Remis Ende Oktober in Gladbach nun schon der achte Dreier in Serie.

Kurzum, man kann nur zu dem Schluss kommen: Diese Bayern sind längst zu gut für die Liga! Konnte man sich in der Vergangenheit wenigstens noch hin und wieder über den nüchternen, erfolgsorientierten und allzu langweiligen Spielstil der Roten beklagen, so zieht die Guardiola-Truppe spätestens im zweiten Dienstjahr des Spaniers auch diesen Kritiken den Zahn. Denn das Bayern-Spiel ist anders als früher auch für den neutralen Beobachter wesentlich ansehnlicher geworden. Auch dies der Verdienst der Fußball-Philosophie Guardiolas. Man muss an dieser Stelle nicht einstimmen in die Heiligsprechung des Katalanen, seine Zahlen sprechen für sich. Schließlich ist keine andere Mannschaft aus Europas Topligen Anfang 2015 noch ungeschlagen. Nicht Real Madrid oder der FC Barcelona. Nicht Arsenal, Manchester City oder der FC Liverpool. Nicht Marseille, Paris, Juve oder Rom. Und übrigens auch nicht José Mourinho und der FC Chelsea. Nur Pep Guardiola und der FC Bayern.

Redaktion Magath & Fußball