Mit Podolski ins neue Jahr


Veröffentlicht am 7. Januar 2015

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Juve nur unentschieden, die Roma pirscht sich ran

Ähnlich wie Premier League und Primera División gönnte sich die Serie A zum Jahreswechsel nur eine kurze Pause. Gerade einmal etwas mehr als zwei Wochen mussten die Tifosi über die Feiertage auf ihr liebstes Sportspektakel, den Calcio, verzichten. Wenngleich die Zuschauerzahlen in der einstigen bedeutungsstärksten Liga Europas seit einiger Zeit rückläufig, so ist die Serie A doch noch immer das Flaggschiff italienischen Sportinteresses. Immerhin 40.000 Menschen kamen zur Eröffnung des Fußballjahres 2015 am Epifania, dem Dreikönigstag, ins Juventus Stadium, dem moderneren Nachfolger des altehrwürdigen Stadio delle Alpi, und sorgten bei der Partie zwischen der Alten Dame und Inter Mailand für die Rekordkulisse des 17. Spieltags. Im Topspiel erkämpften sich die Gäste auch dank des starken Debüts von Lukas Podolski einen Zähler und sorgten damit für noch mehr Spannung an der Tabellenspitze. Derweil verirrten sich nicht einmal 4.800 Menschen ins Stadio Carlo Castellani. Die Ferngebliebenen in Empoli dürfen sich im Nachhinein aber durchaus als Sieger fühlen, verpassten sie doch nicht mehr als ein biederes 0:0 zweier punktgleicher Kontrahenten im unteren Tabellenmittelfeld.

Den Anfang machten bereits am Montagabend Lazio Rom und Sampdoria Genua im Verfolgerduell, beide Mannschaften trennte bis dato nur ein einziges Tor. Durch einen klaren 3:0-Sieg vor 27.000 Zuschauern im heimischen Olympiastadion konnten sich die formstarken Hauptstädter allerdings etwas absetzen und festigten Tabellenplatz drei mit nunmehr 30 Zählern. Den vierten Lazio-Dreier aus den vergangenen sechs Pflichtspielen – in der Liga holte die Mannschaft von Trainer Stefano Pioli zuletzt elf von 15 möglichen Punkten – musste Weltmeister Miroslav Klose einmal mehr von der Ersatzbank aus verfolgen. Am Angriffstrio Filip Djordjevic (sieben Saisontore), Stefano Mauri (sechs) und Felipe Anderson (vier) scheint für den deutschen Rekordschützen derzeit kein Vorbeikommen, Djordjevic und Anderson trafen auch gegen Genua. Ebenso deutlich entledigte sich der SSC Neapel seiner Auswärtsaufgabe bei Aufsteiger Cesena. Beim 4:1-Erfolg des Teams von Rafael Benítez stockte Gonzalo Higuaín sein Trefferkonto mit einem Doppelpack auf nunmehr neun Tore auf, außerdem trafen José Callejón und Marek Hamšík für den Pokalsieger, der den Römern tabellarisch damit weiter eng an den Fersen klebt.

Weil gleichzeitig aber auch der AS Rom bei Udinese Calcio 1:0 gewann, klafft zwischen den Rängen zwei und drei unvermindert eine beträchtliche Neun-Punkte-Lücke. Um das Siegtor der Roma im Friaul aber rankten sich heftige Diskussionen – Abwehrmann Davide Astori hatte einen Freistoß an die Lattenunterkante geköpft und der Ball sprang zunächst wohl knapp hinter die Torlinie, anschließend jedoch zurück ins Feld. Referee Marco Guida entschied auf Tor, die europaweite Debatte um die Einführung der Torlinientechnologie damit nun auch in Italien auf dem Höhepunkt angelangt. Roma-Coach Rudi Garcia outete sich hinterher jedenfalls als Befürworter: „Mit der Torlinientechnologie gäbe es keine Diskussionen. Es war ein Tor, aber eine Bestätigung wäre besser für die Schiedsrichter.“

Der Vizemeister verkürzte den Rückstand auf Tabellenführer Juve (40 Punkte) auf einen Zähler, die Bianconeri kamen im Heimspiel gegen Inter nicht über ein 1:1 hinaus. Zwar hatte der Führende der Torjägerliste Carlos Tévez den Titelverteidiger schon nach fünf Minuten mit seinem Saisontor Nummer elf auf die Siegerstraße gebracht. Nach der Pause und der Einwechslung von Neuzugang Lukas Podolski aber kippte die Begegnung zugunsten des FC Internationale, der durch Mauro Icardi nach 64 Minuten zum nicht unverdienten Ausgleich kam. Inter-Trainer Roberto Mancini bescheinigte dem Deutschen nach Spielende eine ansprechende Leistung. Dieser habe „sich schon sehr gut eingefügt“ und könne „der Mannschaft sehr viel geben“. Am desolaten Tabellenstand des 18-fachen Meisters wird kurzfristig aber wohl auch Podolski nicht allzu viel ändern können – 22 Punkte, Platz elf und fünf Punkte Rückstand auf einen Europa League Platz zeichnen anno 2015 ein trauriges Bild des einstigen Riesen. Kaum besser präsentiert sich seit einiger Zeit der Stadtrivale, Milan unterlag zum Neujahrsauftakt im San Siro Sassuolo Calcio mit 1:2 und tritt mit 25 Punkten weiterhin auf der Stelle. Die Lombarden vom Glanz vergangener Tage damit längst so weit entfernt, wie die Serie A vom fußballerischen Anspruchsniveau der drei europäischen Top-Ligen.

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Ähnlich durchschnittlich die ambitionierte Fiorentina, bei der es für Mario Gómez einfach nicht rundlaufen will. Der Bundesliga-Torschützenkönig der Saison 2010/11 steht auch nach elf Einsätzen weiter bei einem Saisontreffer. Zwei große Chancen auf seinen zweiten vergab er beim vormaligen Tabellenschlusslicht FC Parma erst aus dem Spiel heraus und später sogar vom Elfmeterpunkt. Parma besiegte den in der Schlussphase doppelt dezimierten AC Florenz – Gonzalo Rodríguez und Stefan Savić wurden von Schiedsrichter Antonio Damato des Feldes verwiesen – schließlich sensationell mit 1:0 und sendete ein zugegebenermaßen schwer vernehmliches Lebenszeichen im Tabellenkeller. Die Rote Laterne damit nun beim punktgleichen Aufsteiger AC Cesena (neun Zähler), der Rückstand beider Clubs auf das rettende Ufer mit sieben Punkten aber weiter gewaltig.

Dort auf Platz 17 noch immer Atalanta Bergamo, das sich beim CFC Genua 1893 ein 2:2-Unentschieden erkämpfte, bis zur 50. Minute sogar 2:0 führte und sich inzwischen ein Vier-Punkte-Polster auf Cagliari Calcio erkämpft hat. Der Abstand zu Aufsteiger Empoli auf Rang 13 dagegen nur halb so groß. Endgültig aller Abstiegssorgen ledig scheint der US Palermo nach einem fulminanten 5:0-Kantersieg über Cagliari. Die Sizilianer haben zum jetzigen Zeitpunkt schon 25 Zähler gesammelt – und damit ebenso viele wie der AC Mailand. Angeführt von Shootingstar Paulo Dybala, der gegen Cagliari doppelt traf und sich in der Torjägerliste mit neuen Treffern den zweiten Rang mit Higuaín, Callejón und Icardi teilt, bewegt sich der Aufsteiger in sicheren Fahrwassern und hat sogar den Anschluss an die Europa League Plätze hergestellt.

Der 17. Spieltag der Serie A in der Übersicht

Lazio Rom – Sampdoria Genua 3:0 (2:0)
Tore: 1:0 Marco Parolo (38.), 2:0 Felipe Anderson (41.), 3:0 Filip Djordjevic (67.)

Udinese Calcio – AS Rom 0:1 (0:1)
Tor: Davide Astori (17.)

FC Parma – AC Florenz 1:0 (1:0)
Tor: Andrea Costa (11.)

US Palermo – Cagliari Calcio 5:0 (3:0)
Tore: 1:0 Michel Morganella (6.), 2:0 Ezequiel Muñoz (10.), 3:0 Paulo Dybala (33., Fouelelfmeter), 4:0 Paulo Dybala (72.), 5:0 Édgar Barreto (85.)

AC Mailand – US Sassuolo 1:2 (1:1)
Tore: 1:0 Andrea Poli (9.), 1:1 Nicola Sansone (28.), 1:2 Simone Zara (68.)

FC Genua 1893 – Atalanta Bergamo 2:2 (0:1)
Tore: 0:1 Davide Zappacosta (37.), 0:2 Maxi Moralez (49.), 1:2 Iago Falqué (51., Foulelfmeter), 2:2 Alessandro Matri (69.)

FC Empoli – Hellas Verona 0:0

Chievo Verona – FC Turin 0:0

AC Cesena – SSC Neapel 1:4 (0:2)
Tore: 0:1 José Callejón (29.), 0:2 Gonzalo Higuaín (41.), 0:3 Marek Hamšík (64.), 0:4 Gonzalo Higuaín (72.), 1:4 Franco Brienza (75.)

Juventus Turin – Inter Mailand 1:1 (1:0)
Tore: 1:0 Carlos Tévez (5.), 1:1 Mauro Icardi (64.)

Redaktion Magath & Fußball