Pokal-Wahnsinn auf der Insel


Veröffentlicht am 15. Januar 2015

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Sieben Wiederholungsspiele komplettieren die dritte Hauptrunde im FA Cup

Nirgendwo sonst stehen derart viele Pokalspiele auf dem Plan wie im Mutterland des Fußballs. Neben dem FA Cup wird alljährlich auch noch der League Cup ausgespielt. Während sich das Starterfeld im League Cup auf die 92 Mannschaften aus den oberen vier Profiligen begrenzt, können am FA Cup zusätzlich zumindest in der Theorie alle Amateurclubs teilnehmen, die über eine angemessene und sichere Spielstätte verfügen und sich darüber hinaus durch eine nahezu endlose Schleife an Qualifikationsrunden spielen. Die 44 Mannschaften aus der Premier League und der Football League Championship steigen traditionell erst zu Jahresbeginn in der dritten FA Cup Runde ein. Gemeinsam mit den 20 verbliebenen Teams, die aus den ersten beiden Hauptrunden siegreich hervorgegangen sind, bilden sie dann einen Pool von 64 Mannschaften, der in vier weiteren K.O.-Runden bis zum großen Finale im Wembley Stadion den Sieger im wohl ältesten Pokalwettbewerb des Weltfußballs – zur ersten Austragung kam es bereits in der Spielzeit 1871/72 – ermittelt. Damit allerdings ist der Terminhatz noch nicht Genüge getan, denn um den kaum enden wollenden Pokalrunden zusätzliche Dramaturgie zu verleihen, gibt es im Falle unentschiedenen Spielstandes nach 90 Minuten nicht etwa Verlängerung und Elfmeterschießen, sondern vielmehr ein Wiederholungsspiel. Erst, wenn auch im Rückspiel – das Heimrecht kehrt sich um – in der regulären Spielzeit kein Sieger gefunden wurde, schließen sich „Extra Time“ und „Penalties“ an.

In den vergangenen beiden Tagen standen also sieben dieser Wiederholungsspiele auf dem Plan, zuvor hatte es zu Jahresbeginn im ersten Anlauf der dritten Runde vergleichsweise wenige Überraschungen gegeben. Leicester City besiegte im Premier League Duell Newcastle United (1:0), Drittliga-Aufsteiger FC Rochdale setzte sich gegen Zweitligist Nottingham Forest durch (1:0), Premier League Absteiger Norwich City unterlag 0:2 bei Drittligist Preston North End. Für die einzige richtig dicke Sensation sorgte der Tabellensechste der League One (dritte Liga), Sheffield United, mit einem deutlichen 3:0-Erfolg bei den Queens Park Rangers, Harry Redknapp damit der einzige Premier League Coach, der gegen einen unterklassigen Club die Segel streichen musste. Die Top-Clubs entledigten sich ihrer Aufgaben ohne Glanz – Arsenal hatte mit dem Ligarivalen Hull City (2:0) noch das schwierigste Los bekommen. Chelsea (3:0 gegen Watford) und Manchester United (2:0 bei Yeovil Town) siegten problemlos, während der FC Liverpool den AFC Wimbledon dank zweier Tore von Kapitän Steven Gerrard knapp mit 2:1 bezwang. Überraschend große Schwierigkeiten bereitete Championship-Club Sheffield Wednesday dem Meister im heimischen Etihad Stadium. Bis zur 66. Minute führten die Eulen bei Manchester City sogar mit 1:0, der Österreicher Atdhe Nuhiu hatte Sheffield mit einem sehenswert herausgespielten Treffer in Führung gebracht. Ein Doppelpack von James Milner, sein zweites Tor fiel erst in der Nachspielzeit, wendete das Blatt letztlich doch noch zugunsten der Citizens, die ein Wiederholungsspiel in South Yorkshire somit gerade noch umschifften.

Dagegen mussten sowohl Southampton als auch Tottenham nachsitzen. Die Saints waren zuhause nicht über ein 1:1-Unentschieden gegen Zweitligist Ipswich Town hinausgekommen, zogen dank des Tores von Shane Long im Rückspiel aber in die vierte Runde ein. Auch die Spurs trennten sich vom FC Burnley zunächst 1:1, schafften an der White Hart Lane aber trotz 0:2-Rückstand noch ein 4:2 und sorgten dafür, dass sich der Premier League Neuling nun voll und ganz auf den Abstiegskampf konzentrieren kann. Drei weitere Sieger der Wiederholungsrunde waren Bristol City (2:0 gegen Doncaster, zuvor 1:1), der FC Chesterfield (2:0 nach Verlängerung gegen Scunthorpe, zuvor 2:2) und Bradford City (4:0 gegen Millwall, zuvor 3:3).

Zwei Begegnungen gingen schließlich über die Maximaldistanz, im Wiederholungsspiel also bis ins Elfmeterschießen. Der FC Fulham war beim Championship-Rivalen in Wolverhampton (Hinspiel 0:0) fast schon ausgeschieden, erst in der zweiminütigen Nachspielzeit der zweiten Verlängerungshälfte gelang Ross McCormack per Elfmeter der 3:3-Ausgleich. Im anschließenden Strafstoßschießen behielt der Ex-Club von Felix Magath mit 5:3 die Oberhand. Noch dramatischer ging es bei einem weiteren Premier League Duell zwischen West Ham United und Everton im Upton Park zu. Für die Gäste aus Liverpool rettete Kevin Mirallas mit einem herrlichen Freistoßtor trotz Unterzahl ein schon verloren geglaubtes Spiel in die Verlängerung und dort brachte Romelu Lukaku den FC Everton sogar in Führung. Sam Allardyce aber hatte Glück, als er in der 111. Minute in Carlton Cole den richtigen Joker aus dem Ärmel zog – zwei Minuten später stand es nach einem Kopfball des Angreifers 2:2. Die Entscheidung musste also vom Elfmeterpunkt aus fallen. Bis auf Steven Naismith und Stewart Downing hatten alle 18 Schützen verwandelt, dann waren die beiden Torhüter an der Reihe. Der Spanier Joel Robles traf für die Toffees jedoch nur den Querbalken, ideale Vorlage also für seinen Landsmann Adrián im Kasten von West Ham. Schon vor dem Anlauf warf dieser seine Handschuhe demonstrativ auf den Boden, traf Augenblicke später humorlos zum 9:8 für West Ham. Aus und vorbei, Adrián der umjubelte Held eines kuriosen Pokalabends. Nach 180 Minuten regulärer Spielzeit, 30 Minuten Verlängerung und 20 Strafstößen stehen die Hammers nun also in FA Cup Runde vier. Irgendwie ein bisschen verrückt, diese Engländer!

Redaktion Magath & Fußball