Topspiel-Misere endet im Etihad


Veröffentlicht am 20. Januar 2015

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Arsenal schlägt nach gefühlter Ewigkeit mal wieder einen Großen

Ein einziger Sieg nur stand aus den vorangegangenen zwölf Partien gegen Mannschaften aus der „Top Four“ Kategorie zu Buche. In der letzten Saison verlor der FC Arsenal seine Partien an der Stamford Bridge (0:6), an der Anfield Road (1:5) und im Etihad Stadium (3:6) nicht irgendwie unglücklich, sondern wurde deklassiert, dabei regelrecht aus dem Stadion geschossen. Auch die laufende Spielzeit zeichnete bis Sonntagabend kein wesentlich freundlicheres Bild: Beim FC Chelsea unterlagen die Gunners erneut, auch beim derzeitigen Tabellendritten in Southampton gab es nichts zu holen, beide Partien endeten ohne eigenen Treffer 0:2. Nicht jeder hätte also beim Duell zwischen Titelverteidiger und FA Cup Sieger in Manchester auf die Gäste aus der Hauptstadt gesetzt. Angeführt von Santi Cazorla jedoch zeigte der FC Arsenal bei den Citizens ein gänzlich anderes Gesicht und gewann verdient mit 2:0. Ein Auswärtssieg, der weit mehr wiegt, als es die Tabelle verraten mag und auch die hartnäckigsten Kritiker von Arsène Wenger zum Überdenken manch eingefahrener Urteile bewegen sollte.

Der Spanier auf der zentralen Mittelfeldposition gilt seit jeher als hochveranlagter Stratege. Anders als der bisweilen allzu phlegmatisch wirkende Mesut Özil, demonstriert Cazorla Willen und Einsatzbereitschaft auch an Tagen, an denen die Offensivmaschinerie der Londoner nicht richtig ins Rollen kommt. Und beim Tabellenzweiten war nun wirklich nicht davon auszugehen, dass man den Gegner wie in der Vorwoche einfach so überrennen würde. Dennoch setzte Wenger nach dem ungefährdeten wie glanzlosen 3:0 über Stoke auf beinahe identisches Personal, einzig Aaron Ramsey und der 19-jährige Rechtsverteidiger Héctor Bellerín rutschten für Tomás Rosicky und den verletzten Franzosen Mathieu Debuchy neu in die erste Elf. Dennoch war es ein grundlegend anderes Arsenal als häufig in der Vergangenheit, wenn es gegen einen spielstarken und offensivwuchtigen Kontrahenten ging. „Jeder einzelne Spieler war bereit, ordentlich zu verteidigen. Das ist ungewöhnlich für uns, aber wir haben dazugelernt – besonders nach der vergangenen Saison“, erkannte auch Per Mertesacker, der mit seinem Nebenmann Laurent Koscielny in der Abwehrzentrale einen erstaunlich geruhsamen Abend zubrachte.

Dass die zweitbeste Offensive der Premier League nie wirklich zum Tragen kam, lag am gesamten Mannschaftsverbund der Gäste, die von Wenger erkennbar anders eingestellt und ihr Augenmerk diesmal – eigentlich unüblich für Arsenal – ohne Abstriche voll und ganz auf die Defensive legten. Insbesondere die Mittelfeldachse der Gunners bestehend aus Ramsey, Francis Coquelin und Cazorla verdiente sich mit großer Ballsicherheit, gutem Aufbauspiel und intelligenter Zweikampfführung Bestnoten. Freilich kam dann auch das Glück dazu, dass Schiedsrichter Mike Dean Mitte der ersten Halbzeit bei einem verdächtig theatralischen Fall Nacho Monreals, der im City-Strafraum an Vincent Kompany abprallte, auf Elfmeter entschied. Cazorla ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen und setzte auch seinen vierten Strafstoß der laufenden Saison sicher ins Netz, Joe Hart ohne jede Abwehrchance. Diese Führung spielte Arsenal natürlich in die Karten, man wartete vergeblich auf die Antwort des Meisters. Während des gesamten ersten Durchgangs vermochte es City nicht ein einziges Mal, David Ospina, der wie schon gegen Stoke den Vorzug vor Wojciech Szczesny erhalten hatte, ernsthaft auf die Probe zu stellen. Arsenals Ballanteil lag in Hälfte eins zwar zuweilen nahe der 20-Prozent-Marke, dennoch wirkten die Gunners im Vorwärtsgang jederzeit zielstrebiger.

In der zweiten Halbzeit änderte sich dieses Bild nicht, wenngleich Manuel Pellegrini mit Stevan Jovetić für James Milner einen weiteren Angreifer brachte. Aufseiten des Meisters fehlte Struktur, Yaya Touré weilt beim Afrika Cup und wird schmerzlich vermisst – eine möglicherweise entscheidende Personalie im Hinblick auf den Titelkampf mit Chelsea. Arsenal jedenfalls erteilte City auch nach der Pause eine Lehrstunde in Sachen Effizienz und Spielwitz bei schnellen Gegenstößen, wenngleich es allen voran Cazorla, Alexis Sánchez und Alex Oxlade-Chamberlain manchmal noch weit hinter der Mittellinie mit ihren Ballstafetten und Dribblings ein wenig übertrieben und den einen oder anderen gefährlichen Ballverlust einstreuten. Wieder einmal hatte man in dieser Phase das Gefühl, Arsenal könnte sich durch eine Unkonzentriertheit im Vorwärtsgang noch um den verdienten Lohn bringen. Doch auch die Einwechslung von Frank Lampard änderte nichts an der Vorherrschaft der Gunners im Mittelfeld. Santi Cazorla war einfach überall: dribbelte, düpierte, rannte, grätschte und passte mit großer Übersicht, bot einfach eine tolle Leistung. Arsenal-Legende Thierry Henry fand hinterher die passenden Worte: „Santi Cazorla war der Chef im Mittelfeld. Im Etihad so aufzutreten, wie er es getan hat, ist außergewöhnlich.“ Per Freistoß leitete der unumstrittene Mann des Spiels nach 67 Minuten die endgültige Entscheidung ein, Olivier Giroud köpfte eskortiert von Teamkollege Koscielny aber ohne jede City-Gegenwehr problemlos ein.

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Arsenal wirkte auch in der Schlussphase dem dritten Tor näher als die Hausherren dem Anschluss und hätte seine Angriffe durchaus konsequenter zu Ende spielen können. City dagegen blieb ohne erkennbaren Plan erschreckend blass und muss sich vor dem Kräftemessen mit Chelsea in zwei Wochen dringend etwas einfallen lassen, um die Titelverteidigung nicht schon Ende Januar aus den Augen zu verlieren. Eine Viertelstunde vor Schluss erst betrat der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig Edin Džeko das Feld – der Bosnier kam für Jesús Navas, der sich mit sage und schreibe 18 Flankenbällen ins Nichts den Unmut der Manchester-Fans zugezogen hatte, als Sündenbock herhalten musste und mit seiner Leistung irgendwie exemplarisch für die Darbietung der Citizens stand. Die Partie hätte gefühlt noch einige Stunden fortdauern können, ohne dass der keinesfalls vor Selbstvertrauen strotzende Kolumbianer Ospina im Arsenal-Kasten in Verlegenheit geraten wäre.

Ausgerechnet im Etihad Stadium fand die Topspiel-Misere der Gunners am 22. Spieltag also ein Ende. Ein bedeutender Sieg, der, so Arsène Wenger, „das Selbstvertrauen erhöht“ und „gut tun wird für den weiteren Saisonverlauf“. Nicht zuletzt der Franzose – seit 1996 bei Arsenal auf der Trainerbank und mit großem Abstand dienstältester Premier League Coach – war zuletzt häufig kritisiert wurden. Auch für Wenger also dürfte dieser 2:0-Erfolg weit mehr wert sein, als jene drei Punkte, die den FC Arsenal in der Tabelle weiterhin auf Rang fünf halten, einen Zähler hinter Manchester United und deren zwei vor Tottenham. Wenngleich man hinsichtlich der „Top Four“ Ambitionen der Londoner nicht allzu viel in dieses eine Spiel hineindeuten sollte, bleiben unterm Strich zwei Erkenntnisse: Ein verdienter Auswärtssieg beim Meister ist eine Ansage. Und Wenger kann Defensive.

Der 22. Spieltag der Premier League in der Übersicht

Aston Villa – FC Liverpool 0:2 (0:1)
Tore: 0:1 Fabio Borini (24.), 0:2 Rickie Lambert (79.)

Tottenham Hotspur – AFC Sunderland 2:1 (1:1)
Tore: 1:0 Jan Vertonghen (3.), 1:1 Sebastian Larsson (31.), 2:1 Christian Eriksen (88.)

Swansea City – FC Chelsea 0:5 (0:4)
Tore: 0:1 Oscar (1.), 0:2 Diego Costa (20.), 0:3 Diego Costa (34.), 0:4 Oscar (36.), 0:5 André Schürrle (79.)

Queens Park Rangers – Manchester United 0:2 (0:0)
Tore: 0:1 Marouane Fellaini (58.), 0:2 James Wilson (90.+4)

Leicester City – Stoke City 0:1 (0:0)
Tor: Bojan Krkić (63.)

FC Burnley – Crystal Palace 2:3 (2:1)
Tore: 1:0 Ben Mee (12.), 2:0 Danny Ings (16.), 2:1 Dwight Gayle (28.), 2:2 Jason Puncheon (48.), 2:3 Dwight Gayle (87.)

Newcastle United – FC Southampton 1:2 (1:1)
Tore: 0:1 Eljero Elia (14.), 1:1 Yoan Gouffran (29.), 1:2 Eljero Elia (62.)

West Ham United – Hull City 3:0 (0:0)
Tore: 1:0 Andy Carroll (49.), 2:0 Morgan Amalfitano (69.), 3:0 Stewart Downing (72.)

Manchester City – FC Arsenal 0:2 (0:1)
Tore: 0:1 Santi Cazorla (24., Foulelfmeter), 0:2 Olivier Giroud (67.)

FC Everton – West Bromwich Albion 0:0

Redaktion Magath & Fußball