„Schach kann junge Menschen begeistern“


Veröffentlicht am 21. Januar 2015

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Beim futOUR Camp der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung 2014 bringt Michael Thomsen den Jugendlichen die Grundzüge des Schachspiels bei.

Beim futOUR Camp der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung 2014 bringt Michael Thomsen (links) den Jugendlichen die Grundzüge des Schachspiels bei.

Der Barclaycard-Verantwortliche für Soziales Engagement Michael Thomsen im Interview

Michael Thomsen verantwortet seit Mitte 2012 den Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung bei Barclaycard in Deutschland. Dabei entwickelt er neue Projekte und Partnerschaften mit sozialen Einrichtungen und realisiert vielfältige gemeinnützige Aktivitäten. Der 44-jährige Hamburger ist Diplom-Sozialpädagoge und war viele Jahre in der Kinder- und Jugendarbeit sowie in kulturellen und sportlichen Einrichtungen in der Hansestadt tätig. Michael Thomsen ist leidenschaftlicher Fan vom FC St. Pauli und war auch Fanbeauftragter des Vereins. Ebenso leitete er als Geschäftsführer den vom TV-Jounalist Reinhold Beckmann ins Leben gerufenen Verein NestWerk e.V.

Im Interview mit Magath & Fußball spricht Michael Thomsen über die Schulschachinitiative Yes2Chess, das breit angelegte CSR-Portfolio von Barclaycard und seinen persönlichen Bezug zum Fußball.

Michael Thomsen, spielen Sie selbst gerne Schach? Wenn ja, wie kam es dazu?

Michael Thomsen: Ich habe als Kind das erste Mal Schach gespielt. Mein älterer Bruder war ein ganz guter Schachspieler und weihte mich ein wenig in die Geheimnisse des Spiels ein. Danach war ich dann bis zum Jugendalter begeistert dabei und spielte regelmäßig. Aber weit ab von jeglichen Ambitionen. Derzeit spiele ich mit viel Spaß vor allem im Rahmen des Schülerschachturniers Yes2Chess mit Kindern und Jugendlichen und verliere regelmäßig. Und das nicht absichtlich!

Barclaycard engagiert sich vielfältig für soziale und gemeinnützige Zwecke. Warum auch für Schach?

Thomsen: Bei vielen Gesprächen und Schulbesuchen haben wir gesehen, wie Schach positiv auf Kinder und Jugendliche wirkt. Konzentrationsfähigkeit, Strategieentwicklung und ein fairer Umgang miteinander sind Kompetenzen, die wir alle benötigen und durch das königliche Spiel vermittelt werden. Als uns dann auch die positiven Wirkungen im Mathematik- und/oder Geographie-Unterricht vorgestellt wurden, war für uns klar, dass wir hier unterstützen wollen.

Barclaycards Engagement für den guten Zweck geht allerdings weit über die Förderung von Jugendschach hinaus. Können Sie für unsere Leser einige Eckpunkte Ihres gesellschaftlichen Engagements skizzieren?

Thomsen: Ziel unseres Engagements ist es, Kinder und Jugendliche Kompetenzen zu vermitteln, die sie benötigen, um ein unabhängiges und sicheres Leben zu führen. Dabei konzentrieren wir uns darauf, finanzielle, unternehmerische und Beschäftigungskompetenzen an Schülerinnen und Schüler in sogenannten Regionen mit erhöhten Entwicklungsbedarfen zu vermitteln. Neben der finanziellen Hilfe werden alle Mitarbeiter von Barclaycard 16 Stunden im Jahr freigestellt, um sich gesellschaftlich zu engagieren. Dieser persönliche Einsatz vor Ort findet sich auch in unserem Engagement für Schülerfirmen oder bei unserem Finanzunterrichtsprogramm „MoneySkills“ wieder. Allein im letzten Jahr haben wir über 1.900 Arbeitsstunden in gesellschaftliche Zwecke investiert. Man sieht also, unsere Kolleginnen und Kollegen nehmen unser gesellschaftliches Wirken sehr ernst.

Wie sehen Ihre bisherigen Erfahrungen mit Yes2Chess aus? Sind Sie mit dem Zuspruch zufrieden?

Thomsen: Zuallererst muss man unsere Kooperationspartner wie z.B. die Deutsche Schach Jugend, den Hamburger Schach Verband und die Schulen nennen, die mit unglaublich viel Enthusiasmus Yes2Chess unterstützen. In der ersten Saison haben über 20.000 Kinder und Jugendliche in Europa und den USA teilgenommen. Ein für uns überraschendes Ergebnis. Es ist großartig zu sehen, dass Schach trotz eines, sagen wir mal konservativem Images, junge Menschen weiterhin begeistern kann. Es wäre großartig, wenn wir diesen Schwung mitnehmen und bei der zweiten Auflage noch mehr Kids begeistern können.

Gibt es Reaktionen von Lehrern und Eltern auf diese Initiative, die Sie persönlich ansprechen?

Thomsen: Wir haben in erster Linie ja mit den Lehrern zu tun. Und uns freut es wirklich sehr, dass viele Lehreinnen und Lehrer Schach als Unterstützung in ihrem Unterricht einsetzen. Also unsere Angebote wahrnehmen. Dies sind alles engagierte Lehrkräfte, die wirklich einen tollen Job machen. Und wir freuen uns immer sehr, wenn diese das Programm unterstützen, uns aber auch im Dialog immer noch weitere Ideen weitertragen und wir so gemeinsam immer zielgerichteter vorgehen können.

Was erwarten Sie vom laufenden Wettbewerb?

Thomsen: Eine Menge spannender und fairer Spiele. Für mich ist es immer wieder unglaublich, die Spielstärke der Kinder zu erleben. Unfassbar. Ein großes Augenmerk legen wir in diesem Jahr auf unsere Möglichkeit, sich mittels eines Schachprojekts zum Deutschland-Finale in Hamburg zu qualifizieren. Das kann Schach an ungewöhnlichen Orten oder eine Projektwoche Schach sein. Die besten vier Projekte qualifizieren sich dann fürs nationale Finale.

Michael Thomsen verzweifelt beim Schachspiel gegen die Kinder der Schule Genslerstraße in Hamburg Barmbek.

Michael Thomsen verzweifelt beim Schachspiel gegen die Kinder der Schule Genslerstraße in Hamburg Barmbek.

Wie wichtig ist es für eine Veranstaltungsreihe wie Yes2Chess, dass eine Persönlichkeit des Sports wie Felix Magath als Schirmherr auftritt?

Thomsen: Wir sind sehr, sehr dankbar, dass wir mit Herrn Magath einen Unterstützer auf unserer Seite wissen, der aktiv dabei unterstützt, Schach in die Schulen zu bringen. Felix Magath spielt selbst seit vielen Jahren leidenschaftlich gern Schach und ist daher ein sehr authentischer Botschafter. Es ist natürlich ein Glücksfall, eine solche Persönlichkeit an unserer Seite zu wissen, die uns hilft, einen größtmöglichen Kreis von Menschen anzusprechen.

Wirtschaft und Politik lernen vom Sport und umgekehrt. Aus Ihrer persönlichen Sicht: Was können junge Menschen vom Schach mit ins Leben nehmen?

Thomsen: Ich glaube, dass Schach bei vielen Dingen hilft. Für mich war der Aha-Moment, zu erkennen, dass jeder Zug, den ich mache, meinen Gegenüber zu einer Reaktion veranlasste und sein Zug wiederrum bei mir eine Reaktion hervorrief. Alles was wir tun betrifft also unser Umfeld und dieses wird darauf regieren. Wie verhalte ich mich also richtig? Das war für mich eine wichtige Erkenntnis und kann gerade in der heutigen Zeit – auch für unser gesellschaftliches Miteinander – nicht oft genug bedacht werden.

Soziale Verantwortung wird bei Barclaycard großgeschrieben. Warum ist Corporate Social Responsibility für Ihr Unternehmen in der modernen Wirtschaftswelt wichtig?

Thomsen: Unternehmen sind heutzutage nicht mehr reine profitorientierte Organisationen. Sie sind viel mehr gesellschaftlicher Akteur und sind gut beraten, ihre gesellschaftliche Funktion auch verantwortungsvoll zu leben. Wer heutzutage nur auf die Quartalszahlen schaut, um Anlegerinteressen zu bedienen, verliert den Blick für gesellschaftliche Entwicklungen und verliert Bodenhaftung. So kann kein Geschäft auf Dauer funktionieren. Alle gesellschaftlichen Kräfte wie Politik, die Wirtschaft und die Verbände brauchen mehr Verständnis füreinander. Das ist die Grundlage unseres Handelns.

Auch im Fußball ist eine solche Entwicklung offensichtlich. Welche Beziehung haben Sie persönlich zum Fußball?

Thomsen: Fußball ist ein großer Teil meines Lebens. Ich war Fanbetreuer des FC St. Pauli und im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland Fanbeauftragter der Stadt Hamburg. Meine Leidenschaft gilt seit vielen Jahren dem FC St. Pauli von 1910 e.V. – ich bin hier Mitglied und Dauerkartenbesitzer und erfahre gerade wieder, wie viel Leidensfähigkeit als Fan vonnöten ist. Ich zittere gerade mit den anderen St. Paulianern und hoffe auf unseren Klassenverbleib in der 2. Liga.

Das Interview führte die Redaktion Magath & Fußball.