Brust raus – Bauch rein – Schriftzug weg


Veröffentlicht am 22. Januar 2015

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West Ham United droht erneut Verlust des Sponsors

Im Universum Fußball leben offensichtlich nur noch Spieler im ewigen Robinson-Club, bekommen Zucker in Form von Geld in den Allerwertesten geblasen, können dem Unbehagen der Welt mit Fröhlichkeit trotzen, ungehemmt dem kreativen Erwerb von Führerscheinen frönen, der Xbox huldigen oder über Twitter die Härte ihres Daseins verkünden. Bei Vereinen ist die nüchterne Wirtschafts- und Lebensrealität schon lange angekommen, schlägt manch böse Überraschung ein wie der Pfeil des Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell in die Brust des Landvogt Gessler. Die Brust ist nicht nur bei habsburgischen Bösewichten in Schiller-Dramen ein gefährlicher Ort. West Ham United kann ein leidig Lied davon singen. Wieder fand ein Schweizer Pfeil sein Ziel. Der Reihe nach.

2008 verlor der Lieblingsclub der Queen durch die Pleite von Reiseveranstalter XL seinen Sponsor, das Ende kam mit vernehmlicher Ansage. Tausende Touristen hingen verzweifelt in ihren Urlaubsorten fest, die Flüge der unternehmenseigenen XL Airways waren ersatzlos gestrichen worden. Ahnungslose Urlauber schauten nicht in die ewige Sonne, sondern in die Finsternis roter Zahlen. In London konnte man die Signale nicht überhören. Das Unternehmen XL gehörte dem damaligen West Ham Clubbesitzer, dem isländischen Milliardär Bjorgolfur Gudmundsson, dessen Anwesenheit sich bei „The Hammers“ inzwischen so verflüchtigte wie der Traum eines unbeschwerten XL-Urlaubs seiner damaligen Kunden. Der Zeugwart von West Ham machte zu jener Zeit Sonderschichten und übernähte den wuchtigen XL Aufdruck mit Stoffflicken in den Trikotfarben oder mit der jeweiligen Rückennummer.

Inzwischen gehört West Ham zwar englischen Unternehmern und steht mit Platz sieben auch ordentlich in der Tabelle. Die Kombination Brust und der darauf werbende Schriftzug stehen bei West Ham allerdings immer noch auf tönernen Füßen. Wieder traf der Pfeil des Unglücks nämlich ins Schwarze, erwischte die Trikots von West Ham United. Auf selbigen liest man „alpari FX TRADING“. Doch damit dürfte wohl Schluss sein, denn der Sponsor und Devisenbroker Alpari UK – Partner von West Ham United seit 2011 – ist laut Medienberichten pleite und musste Insolvenz anmelden. Die fulminante Kehrtwende der Schweizerischen Nationalbank, die 2011 eingeführte Bindung des Franken an den Euro aufzugeben, schlug also unvermittelt und über die Zwischenstation „alpari“ bei einem Premier League Club ein, besser lässt sich Globalisierung nicht erfassen und beschreiben. Das Eis auf dem manch Verein und manche Liga rutschen, ist dünn. Erste Gedanken und Mitleid der West Ham Verantwortlichen galt den vor Jobverlust stehenden Mitarbeitern von „alpari“. Britischer Anstand und Fair play. Die Clubführung erklärte außerdem: „Der Verein bleibt in einer starken finanziellen Position und kann einen aktuellen Rekordumsatz und Konzerngewinn von 10,3 Millionen Britischer Pfund vor Steuern ausweisen. Der Verein hat Gespräche mit einem potenziellen neuen Trikotsponsor für das nächste Jahr aufgenommen.“ Hoffentlich fürchtet sich niemand vor der Hammers-Brust. Was der Zeugwart zum Finanzmarkt und eventuell anstehenden Näharbeiten sagt, ist selbst gut unterrichteten Quellen zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt.

Redaktion Magath & Fußball

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