„Red Issue“ Ära beendet


Veröffentlicht am 24. Januar 2015

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Berühmt-berüchtigtes Fanzine von Manchester United stellt Erscheinen ein

Das gedruckte Papier hat es schwer. Der Kampf gegen Smartphone und iPhone ist ungleich. Nun hat es wieder eine Institution erwischt, das Manchester United Fanzine „Red Issue“ – Fans schreiben für Fans – hat am 21. Spieltag ausgedient, Nr. 295 war die letzte Ausgabe. Trauriger Tag für United-Fans in vielerlei Hinsicht. Bezeichnenderweise war an diesem Spieltag nämlich auch auf dem Platz für die Red Devils nichts zu holen, der Gast FC Southampton nahm mit einem 1:0-Sieg die Punkte aus dem Old Trafford. Was an diesem 11. Januar 2015 endete, hatte im Februar 1989 seinen Lauf genommen.

Zwei Jahre nach dem Abgang von Sir Alex Ferguson sagt erneut eine Club-Institution für immer Adieu. Es wird einsam um Bobby Charlton. „Red Issue“ gehörte zu United wie der Sir auf der Bank. Seit 1989 war das Blatt Begleiter von Club und Fans, spiegelte mit einer Mischung aus britischem Humor und der Derbheit englischer Fußballanhänger die erfolgreichsten Jahre des Clubs, löste bei gegnerischen Fans bösen Zorn aus und scherte sich nie um die „political correctness“. In einer Kampagne über mehrere Monate stellte sich das Blatt auch gegen die Übernahme des Vereins durch die Glazer-Familie. Die Auflage schnellte in dieser Zeit in die Höhe. Nie schüchtern, manch Kontroverse lostretend und sich dabei mit ätzender Satire zu einer unverwechselbaren Marke im Old Trafford mausernd, bleibt „Red Issue“ im Gedächtnis. Das Magazin galt stets als Stimmungsbarometer unter den United-Fans, Alex Ferguson wusste um jede Ausgabe.

Es gab auch stürmische Zeiten in diesen 26 Jahren. Eine Ausgabe wurde sogar von der Polizei beschlagnahmt, sie zeigte den wegen rassistischer Äußerungen gegenüber United-Kapitän Patrice Evra für acht Spiele gesperrten Liverpool-Angreifer Luis Suárez im Ku Klux Klan-Outfit mit der Wortblase „Suárez ist unschuldig“. Man schoss auch einige Male über das Ziel hinaus. Trauriger wie beschämender Höhepunkt ein Titelbild, welches den mit einem Herzstillstand auf dem Rasen liegenden Bolton-Spieler Fabrice Muamba mit der Unterzeile „Junkies toben sich aus“ zeigte. Auch für englischen Humor nicht mehr witzig. In der kurzen Amtszeit von David Moyes hielt ihm „Red Issue“ übrigens die Treue und unterstützte wie viele andere Fans den Schotten. Es waren Boulevardmedien, die den Takt für Moyes Abgesang vorgaben und nicht das Fanlager der Red Devils.

Viele Ausgaben war „Red Issue“ den Fans und zahlenden Zuschauern ein guter und informativer Begleiter, man schaute vor Anpfiff so neugierig auf die Texte im Blatt wie auf die United-Aufstellung. Vielleicht ging es „Red Issue“ aber auch wie dem Lieblingsopfer des Blattes, Luis Suárez. Mancher Biss könnte zu tief gesessen haben. Auf den Kaviaretagen der VIP-Ebene erfreute sich das Blatt keiner großen Leserschaft. Ein Fan der Red Devils brachte mit seiner Lesermeinung im Manchester Evening den Verlust auf den Punkt: „Schlechte Nachrichten. Ich komme immer etwas früher zu den Heimspielen. Ein wichtiger Teil meiner Spielvorbereitung ist es, auf der Tribüne zu sitzen und dabei „Red Issue“ und die anderen Fanzines zu lesen. Das Blatt wird uns allen fehlen.“

Redaktion Magath & Fußball