Chelsea FC – Manchester City 1:1 (1:1)


Veröffentlicht am 31. Januar 2015

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Spitzenspiel der Premier League kann Erwartungen nicht erfüllen

Ein besonderer Blick im Vorfeld galt Frank Lampard, der auf der Bank von Manchester City an die Stamford Bridge zurückkehrte. Die Zuneigung der Blues-Fans war ihm gewiss, 13 Jahre guter und verlässlicher Dienst in den Farben des FC Chelsea nicht vergessen. Schon sein Aufwärmen war ein Spalier von Applaus. Ab Mitte der zweiten Halbzeit durfte die Chelsea-Legende im Man City Trikot dann am Spiel aktiv teilhaben. Bei Einwechslung eine jubelnde Verbeugung des Heimpublikums in Gleichklang mit den Gästefans. In England achtet man Verdienste mit Respekt und Dank. Very British! Fernsehstationen aus 175 Ländern hatten das Spiel auf dem Schirm. Es stand die vermeintlich saisonentscheidende Partie auf dem Programm. Solch Erwartungshaltung wird selten erfüllt, was sich an diesem Tag eindrucksvoll bestätigte. Vor dem Anpfiff hatte Spitzenreiter Chelsea ein Punktpolster von fünf Zählern auf seinen ärgsten Verfolger, Titelverteidiger und Meister Manchester City. Die Citizens in Zugzwang. Alle Betrachter waren sich einig, der nächste Meister ist in diesem Spiel auf dem Rasen. Es kann aber nur einen geben.

In der Bundesliga prallte die Macht des Geldes in Form der Fußballabteilung des VW Konzerns zum Rückrundenstart auf den FC Bayern, der ziemlich belämmert die Heimreise aus der Autostadt antreten musste. Im Mutterland des Fußballs prallte der Geldadel des Fußballs am 23. Spieltag sogar direkt aufeinander. Der Club des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch traf auf den Verein des Scheichs Mansour Bin Zayed Al Nahyan. Milliardenschwere Unternehmer und spendierfreudige Fußballfans gleichermaßen, wenn es um die Creme de la Creme der Edelkicker geht. Nichts ist zu teuer auf dem Weg zu Titeln und Pokalen. Chelsea gegen Manchester City stand also auf der Sportspeiskarte an diesem Spieltag ganz oben auf der Liste der Fußballfeinschmecker. Geschmekt hat am Ende wenig.

Die Trainer, wie schon beim 1:1 im Hinspiel, auch im Vorfeld mit unterschiedlichen wie bekannten Temperamenten. Beide Manager pflegen Distanz, gehen dabei aber ordentlich miteinander um. Warm wird der Charismatiker Mourinho mit dem abwägenden Ingenieur Pellegrini sicher nicht mehr. Die Blues mussten ohne ihr spanisches Traumgespann Fàbregas/Costa ins Rennen gehen, durchaus eine Schwächung. Man City trat wieder ohne seinen Kopf und Motor Yaya Touré an, der Afrika Cup bringt es mit sich. Auch der spektakuläre Wintereinkauf Wilfried Bony wegen Teilnahme am Afrika Cup nicht an Bord. Unter der Woche verweigerte sich José Mourinho der Pflichtpressekonferenz, einiges an Berichterstattung im Zusammenhang mit der Sperre von Diego Costa hatte ihm nicht in den Kram gepasst. Sir Alex Ferguson tat so etwas ebenfalls des Öfteren. Vor allem in deutschen Medien wurde darüber mit dem altbekannten Brustton innerer Empörung lamentiert. In England eher weltmännische Gelassenheit und schnell zur Tagesordnung. Mourinho wird die übliche Strafe zahlen und seine Linie beibehalten.

Dann wurde endlich Fußball gespielt. Die erste wirkliche Torchance in Hälfte eins verzeichnete Sergio Agüero, der ein sich langsam dahinplätscherndes Spiel damit kurzzeitig aufwühlte. Chelsea operierte aus einer sicheren Defensive. Das Team von José Mourinho spielte mit dem Bewusstsein der fünf Punkte Vorsprung und um die Auswärtsstärke der Pellegrini-Elf wissend. Manchester City immerhin bestes Auswärtsteam der Premier League. Zwei gleichstarke Kräfte ließen sich beim gegenseitigen Belauern zusehen. Volles Risiko? Fehlanzeige auf beiden Seiten. Dann aus heiterem Himmel die erste wirkliche Chelsea-Chance. Nach einer langen Kette von Anspielstationen ein schnelles Reagieren von Eden Hazard und ein bestens postierter Loïc Rémy, 1:0 für die Hausherren in der 41. Minute. Drei Minuten später schlägt Man City unbeeindruckt zurück. David Silva lenkt einen straffen Schuss von Agüero ins Chelsea Tor. Der Ball hätte allerdings nie zu Agüero kommen dürfen. Chelsea-Keeper Thibaut Courtois hatte zuvor unbedrängt an einer Flanke vorbeigegriffen. Gerechtes Remis in einem durchwachsenen Spiel zur Halbzeit. Manuel Pellegrini hatte das Mittelfeld stark gemacht, sein gegenüber auf defensive Kontrolle gesetzt. Die fehlenden Schlüsselspieler machten sich bei Chelsea bemerkbarer als bei Man City.

Unverändert kam man aus der Kabine, Qualität im Spiel nicht auf dem Programm. Es blieb bei einem sich gegenseitig Paralysieren, dabei flachte das spielerische Momentum weiter ab. Torschütze Loïc Rémy fand weiterhin keine rechte Bindung an das Spiel seines Teams. Man City hatte weiterhin leichte Vorteile in Sachen Ballbesitz, blieb etwas offensiver, wenn man das Wort Offensive in diesem Spiel überhaupt in Anspruch nehmen darf. Bei Chelsea zum Thema Offensive keinerlei Beiträge, so wirkten die Citizens optisch von Minute zu Minute stärker. Zwingende Siegchancen zeichneten sich aber nicht ab. Mourinhos Team spielte einen unaufgeregten und routinierten Defensivpart. Nach einer Stunde schienen allerdings die Kräfte bei Chelsea schneller zu schwinden, als die der Pellegrini-Mannschaft. Punktrichter beim Boxen hätten nun unisono einen Vorteil von Man City auf ihren Tafeln angezeigt.

Den ersten Wechsel gab es dann auf der Seite von Manchester City, Frank Lampard betrat in der 76. Minute den Rasen. José Mourinho wollte sich da nicht lumpen lassen, nahm in der 80. Minute Willian vom Platz und brachte eine andere Chelsea-Ikone, Didier Drogba, in die Partie. Pellegrini folgte mit Angreifer gegen Angreifer und brachte in der 83. Minute Edin Džeko für Agüero. In der 86. Minute legte Mourinho nach, brachte Verteidiger Cahill für Stürmer Rémy, die Rechnung war endgültig auf 1:1 ausgerichtet. Seit der 41. Minute hatte Chelsea keinen Torschuss mehr zu verzeichnen. Auch Manchester City nahm seinen Torschützen aus dem Spiel, David Silva wurde nach ordentlichem Spiel in der 89. Minute durch Stevan Jovetić ersetzt. In der Nachspielzeit warf José Mourinho noch den 18-jährigen Ruben Loftus-Cheek in die Partie, Oscar musste weichen. Nicht einer der Wechsel konnte irgendetwas bewegen oder einen entscheidenden Impuls setzen. Nach drei Nachspielminuten war endlich Schluss. Manchester City beendete die Partie mit einem Eckenverhältnis von 8:1, deutlich höherer Ballbesitzquote und mehr Torschüssen. Muster ohne Wert. Mehr Risiko hätte sich an diesem Tag sicher gelohnt. Für den Gastgeber ein hart erkämpftes Unentschieden. Chelsea bleibt damit aber weiterhin fünf Punkte vor Manchester City an der Spitze der Premier League.

Statistik
Chelsea FC – Manchester City
Stamford Bridge, London

Chelsea
Courtois – Ivanović, Zouma, Terry, Azpilicueta – Ramires, Matić – Willian (80. Drogba), Oscar (90.+2 Ruben Loftus-Cheek), Hazard – Rémy (86. Cahill)

Manchester City
Hart – Sagna, Kompany, Demichelis, Clichy – Fernandinho, Fernando (76. Lampard) – Jesús Navas, Silva (89. Jovetić), Milner – Agüero (83. Džeko)

Tore: 1:0 Rémy (41.), 1:1 Silva (44.)
Gelb: Silva, Fernando

Die Ergebnisse des 23. Spieltags in der Premier League:

FC Liverpool – West Ham United 2:0 (0:0)
Manchester United – Leicester City 3:1 (3:0)
Crystal Palace – FC Everton 0:1 (0:1)
Stoke City – Queens Park Rangers 3:1 (2:1)
FC Sunderland – Burnley FC 2:0 (2:0)
West Bromwich Albion – Tottenham Hotspur 0:3 (0:2)
Hull City – Newcastle United 0:3 (0:1)
Arsenal London – Aston Villa (Sonntag)
FC Southampton – Swansea City (Sonntag)

Redaktion Magath & Fußball