Old Firm


Veröffentlicht am 1. Februar 2015

2 Flares 2 Flares ×

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Scottish League Cup: Celtic Glasgow – Glasgow Rangers 2:0 (2:0)

In 54 Ländern auf fünf Kontinenten wurde die Partie ausgestrahlt. Nicht etwa Barca gegen Real stand auf dem Programm. Celtic Glasgow und Glasgow Rangers spielten im neutralen wie ausverkauften Hampden Park (Glasgow) um den Einzug ins Finale des schottischen League Cups. Wie immer ging es – besonders im Vorfeld – in diesem „Old Firm“ um mehr als Fußball. Zu alt und zu groß die Rivalität. Erstmals seit dem Zwangsabstieg der Rangers 2012 kam es wieder zum „Old Firm“. Statistiker und Historiker tun, was sie gerne tun: sie streiten. Die einen behaupten, es sei Nummer 400 gewesen, andere pochen auf die 401. Über ein Jahrhundert verteilt können Zahlen schon mal durcheinander kommen. So oder so, Rangers und Celtic, im Sinne des Wortes zwei Religionen, zwei Welten, eine Stadt. Die letzten drei Jahre ruhte dieses 127 Jahre alte Derby. Die Rangers wurden nach finanzieller Pleite aufgelöst, dann neugegründet und mussten in der vierten Liga neu anfangen. Am Sonntag standen sie nun immerhin schon als Zweitligist im Ligapokal-Halbfinale. Ausgerechnet gegen Celtic!

Eine bessere Werbung als das „Old Firm“ gibt es nicht für den schottischen Fußball. Dennoch wünschen sich die meisten Celtic-Fans keine Rückkehr der Rangers. Man ist lieber allein auf dem ewigen schottischen Fußballthron und pflegt die lebenslange Feindschaft, die auf Gegenseitigkeit beruht und 2011 sogar das schottische Parlament bemühte. Dieses erließ tatsächlich ein Gesetz, welches das Singen von Liedern mit hasserfüllten Inhalten verbot. Beiden Fanlagern wurde per Gesetzestext untersagt, solches Liedgut wiederzugeben. Wie es mit Gesetzen manchmal so geht, neutrale Beobachter haben keine Veränderung in der gesanglichen Darstellung beider Lager feststellen können. Die gegenseitige Abneigung sitzt erschreckend tief. Die Rangers sind derzeit als Zweiter in der Championship mit realistischen sportlichen Chancen durchaus ein Kandidat, um sich per Playoff für die Premiership zu qualifizieren. Allerdings sind die wirtschaftlichen Klippen noch lange nicht umschifft, die finanziellen Sorgen drücken. An diesem Tag aber alle Nöte vergessen und Celtic im Visier, die Vorfreude im Anhang der Rangers groß. Vor der Partie galt Celtic bei den Buchmachern und Kennern der Szene jedenfalls als haushoher Favorit, deren Anhang den Sieg schon lange vor Anpfiff feierte.

Ein fußballspielender Rhetoriker in den Reihen von Celtic, John Guidetti, nahm auf der Bank Platz. Der Schwede hatte den Celtic-Fans unter der Woche noch einen Hattrick gegen die Rangers versprochen. Die Eröffnung dann so hektisch wie die Verbalduelle vor dem Spiel. Scott Brown und Ian Black knallen im Mittelfeld wie Büffel aufeinander, stehen aber schleunigst wieder auf den Beinen. Schnell erkennt man den Unterschied zwischen Erst- und Zweitligist, die Rangers werden es schwer haben, ihre kämpferische Einstellung gleichwertig, spielerisch hinkt man Celtic hinterher. In der neunten Minute schlägt es im Kasten der Rangers erstmals ein, Leigh Griffiths markiert am langen Pfosten den Auftakttreffer, nach präziser Flanke vom rechten Flügel durch Johansen. Nun bekommt Celtic das Spiel in den Griff, die Abwehr der Rangers zeigt einiges an Unsicherheit. Es dauert aber bis zur 31. Minute zum Ausbau der Celtic-Führung. Mittelfeldspieler Kris Commons donnert den Ball aus 20 Metern in den Winkel, Rangers Keeper Simonsen ohne Chance. Die Defensive der Rangers gerät immer mehr ins Schleudern, offensive Entlastung nicht in Sicht. Celtic hat das Spiel nach einer halben Stunde völlig unter Kontrolle. Das Spiel wird auf dem Platz hart und unnachgiebig aber jederzeit fair geführt. Zur Halbzeit eine völlig verdiente wie ungefährdete 2:0-Führung von Celtic. Bisher beide Teams ohne Wechsel.

Aus der Kabine kommt Celtic weiter in der Startaufstellung, die Rangers bringen mit Jon Daly einen Stürmer für den Mittelfeldmann Fraser Aird. Allerdings übernimmt Celtic sofort wieder die Initiative und setzt sich am Rangers-Strafraum fest. Wieder ein straffer und gefährlicher Ball von Commons aus gut 25 Metern, Simonsen mit guter Parade und hellwach auf dem Posten. Die Rangers-Defensive schlingert weiterhin bedrohlich, man bekommt Celtic-Angreifer Leigh Griffiths einfach nicht in den Griff, dieser geht etwas fahrlässig mit seinen Chancen um. Nach einer Stunde noch kein Torschuss der Rangers, offensiv findet das Team nicht statt. Man kämpft tapfer aber der Klassenunterschied wird immer deutlicher. Nichts erinnert mehr an Duelle aus früheren Zeiten, Topspiele in der Liga und einst sogar in Europa. In der 69. Minute der erste Wechsel in Reihen von Celtic, Guidetti ersetzt Stürmerkollegen und 1:0-Torschütze Griffith. In der 70. Minute ein seltener Rangers Angriff, ein Ball von Lee Wallace segelt weit über die Latte, Torchance ist hier kein Begriff. Unter den Rangers macht sich Ohnmacht breit, Celtic verwaltet das 2:0 ohne Anstrengung, der Drops in diesem Spiel ist schon lange gelutscht. In der 74. Minute kommt bei Celtic James Forrest für Stokes ins Spiel. Stürmer für Stürmer. Die Partie dümpelt dahin, der Spannungsbogen ist erloschen. Letzte Wechsel in der Schlussphase, Clark kommt bei den Rangers für Miller, Matthews ersetzt bei Celtic den Schweden Lustig. Drei Minuten Nachspielzeit braucht kein Mensch und auch nicht dieses Spiel, aber ohne kann der Fußball auf der Insel offenbar nicht existieren. Foster und Brown erhalten so Gelegenheit, sich noch jeweils Gelb abzuholen. Dann ist auch dieses Old Firm Geschichte.

2:0-Sieger Celtic damit im Finale des schottischen League Cup. Am 15. März 2015 trifft man auf Dundee United, die ihr Halbfinale mit einem 2:1-Sieg gegen den FC Aberdeen für sich entschieden haben.

Statistik

Celtic FC – Rangers FC
Halbfinale League Cup Schottland
Sonntag, 1. Februar 2015, 14.30 Uhr MEZ, Hampden Park, Glasgow
Zuschauer: 52.000

Celtic
Gordon – Lustig (84. Matthews), Denayer, van Dijk, Izaguirre – Biton, Commons, Brown, Johanson – Stokes (74. Forrest), Griffiths (69. Guidetti)

Rangers
Simonsen – Foster, McCulloch, McGregor, Wallace – Law, Black, Aird (46. Daly), Hutton – Smith, Miller (81. Clark)

Tore: 1:0 Griffith (9.), 2:0 Commons (30.)
Gelbe Karten: Celtic (Griffith, Lustig, Brown); Rangers (Hutton, Foster)

Redaktion Magath & Fußball