Socceroos triumphieren


Veröffentlicht am 3. Februar 2015

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Australien schlägt Südkorea im Finale des Asien-Cups 2015

Im Schatten des Bundesliga-Rückrundenstarts fand am Samstag im mit 76.385 Zuschauern gefüllten Stadium Australia in Sydney das große Endspiel um die Asienmeisterschaft 2015 statt. Nachdem Südkorea den Turniergastgeber Australien bereits in der Vorrunde knapp mit 1:0 bezwungen hatte, standen sich beide Mannschaften im Finale des neben der Copa América ältesten Kontinentalwettbewerbs der Welt – erstmals kam der Asien-Cup 1956 in Hongkong zur Austragung – erneut gegenüber. Ein Treffer in der Verlängerung, erzielt von James Troisi, der für den SV Zulte-Waregem in der belgischen Jupiler Pro League kickt, besiegelte den Triumph der Hausherren, erstmals nach ihrem Wechsel des Kontinentalverbands sind die Socceroos Asienmeister. Es ist der größte Erfolg in der Fußballgeschichte des Landes, das in der offiziellen FIFA-Weltrangliste Anfang des Jahres noch hinter Mosambik und Weißrussland auf Platz 100 geführt wurde.

Um die Chancen für eine Weltmeisterschaftsqualifikation zu erhöhen, kehrte Australien zum 1. Januar 2006 der ozeanischen Konföderation OFC den Rücken und schloss sich dem asiatischen Dachverband AFC an. Nach der Finalniederlage vor vier Jahren gegen Japan reichte es im dritten Anlauf für die Mannschaft von Ange Postecoglou nun vor eigenem Publikum zum Titel. Schon während der regulären 90 Minuten hatte der vierfache Ozeanienmeister nach dem Führungstor von Massimo Luongo unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff wie der sichere Sieger ausgesehen. Der bei Swindon Town in der englischen Football League One (3. Liga) unter Vertrag stehende defensive Mittelfeldmann wurde von der AFC später zum besten Spieler des Turniers gewählt, sein Finaltor aber reichte noch nicht, um die „Taeguk Warriors“ in die Knie zu zwingen. Denn Bayer Leverkusens Heung-Min Son, der gefeierte Superstar seines Heimatlandes, hatte etwas dagegen und traf für Südkorea in der Nachspielzeit zum späten 1:1-Ausgleich. Ausgerechnet der bei den Australiern für Son’s schwer verletzten Vereinskollegen Robbie Kruse in die Partie gekommene Troisi staubte in der 105. Spielminute zum 2:1-Siegtreffer ab und sorgte nicht nur für große Jubelstürme auf den Rängen, sondern auch für blankes Entsetzen auf der Trainerbank der Ostasiaten. Schließlich gelang den Südkoreanern auch mit Europameister und Vizeweltmeister Uli Stielike auf der Trainerbank nicht der langersehnte erste Titelgewinn seit den beiden Turniersiegen 1956 und 1960.

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Mit einer großen Enttäuschung endete der Asien-Cup 2015 auch für Titelverteidiger und Topfavorit Japan. In ihrer Vorrundengruppe hatten sich die Blue Samurai bei drei Siegen über Palästina, den Irak und Jordanien noch gänzlich schadlos gehalten, gegen die Vereinigten Arabischen Emirate kam anschließend im Viertelfinale aber überraschend das frühe Aus. Nach 120 Minuten stand es 1:1, also musste die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen. Ausgerechnet den beiden japanischen Superstars Keisuke Honda vom AC Mailand und Shinji Kagawa von Borussia Dortmund versagten vom Punkt aus die Nerven, Japan unterlag 4:5 und schied so früh aus dem Turnier wie seit 1996 nicht mehr. Dem mexikanischen Chefcoach Javier Aguirre kosteten diese Fehlschüsse inzwischen den Arbeitsplatz. Aufseiten der Emirate machte allen voran Torjäger Ali Mabkhout von sich reden. Der Angreifer von al-Jazira Club aus Abu Dhabi traf nicht nur gegen Japan in der regulären Spielzeit und später per Strafstoß, der 24-Jährige sicherte sich mit fünf Turniertreffern auch den Titel des erfolgreichsten Torschützen beim Asien-Cup 2015. Im Spiel um Platz drei war Mabkhout zudem Siegtorschütze beim 3:2-Sieg seiner Elf über den Irak.

Der künftige WM-Gastgeber Katar entpuppte sich dagegen einmal mehr als fußballerischer Rohrkrepierer. In einer Vorrundengruppe mit dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain wurden die Kataris mit null Punkten und 2:7 Toren Letzter. Zwar kam die Auswahl des Golfstaats beim Turnier 2011 auf eigenem Boden immerhin noch ins Viertelfinale, die Entwicklung der derzeit vom ehemaligen algerischen Nationalspieler Djamel Belmadi trainierten Mannschaft zur Fußball-Großmacht in Richtung 2022 nimmt jedoch höchstens in der Traumwelt der Scheichs Gestalt an. Bleibt wohl nur die Installation einer Einbürgerungsregel analog derer des Welt-Handballverbands IHF, die kürzlich eine mit zwölf ehemaligen Nationalspielern anderer Länder aufgepeppte „katarische Handball-Nationalmannschaft“ immerhin bis ins WM-Finale brachte. Für Sepp Blatter und die FIFA sicher eine Überlegung wert.

Der Asien-Cup 2015 in der Übersicht:

Vorrunde
Australien – Kuwait 4:1 (2:1)
Südkorea – Oman 1:0 (1:0)
Oman – Australien 0:4 (0:3)
Kuwait – Südkorea 0:1 (0:1)
Australien – Südkorea 0:1 (0:1)
Oman – Kuwait 1:0 (0:0)

Usbekistan – Nordkorea 1:0 (0:0)
Saudi-Arabien – China 0:1 (0:0)
Nordkorea – Saudi-Arabien 1:4 (1:1)
China – Usbekistan 2:1 (0:1)
Usbekistan – Saudi-Arabien 3:1 (1:0)
China – Nordkorea 2:1 (2:0)

Vereinige Arabische Emirate – Katar 4:1 (1:1)
Iran – Bahrain 2:0 (1:0)
Bahrain – Vereinigte Arabische Emirate 1:2 (1:1)
Katar – Iran 0:1 (0:0)
Iran – Vereinigte Arabische Emirate 1:0 (0:0)
Katar – Bahrain 1:2 (0:1)

Japan – Palästina 4:0 (3:0)
Jordanien – Irak 0:1 (0:0)
Palästina – Jordanien 1:5 (0:3)
Irak – Japan 0:1 (0:1)
Irak – Palästina 2:0 (0:0)
Japan – Jordanien 2:0 (1:0)

Viertelfinale
China – Australien 0:2 (0:0)
Südkorea – Usbekistan 2:0 n.V.
Iran – Irak 6:7 n.E.
Japan – Vereinigte Arabische Emirate 4:5 n.E.

Halbfinale
Australien – Vereinigte Arabische Emirate 2:0 (2:0)
Südkorea – Irak 2:0 (1:0)

Spiel um Platz 3 in Newcastle
Irak – Vereinigte Arabische Emirate 2:3 (2:1)

Finale in Sydney
Australien – Südkorea 2:1 n.V.

Redaktion Magath & Fußball