Fassungslosigkeit in Dortmund


Veröffentlicht am 4. Februar 2015

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BVB verliert zuhause gegen den FC Augsburg und bleibt Letzter

Am 19. Spieltag sollte es endlich klappen, die große schwarz-gelbe Aufholjagd eingeläutet werden. Jetzt aber, mit Beginn des Fußballjahres 2015 sollte alles besser werden, endlich die Wende zum Guten gelingen. Natürlich ist der FC Augsburg inzwischen alles andere als ein Aufbaugegner, dennoch hegten wohl nur die allerwenigsten Dortmunder am frühen Mittwochabend Zweifel daran, dass es nicht nur mit dem ersten Dreier der Rückrunde gegen die Schwaben klappen, sondern anschließend tabellarisch auch schnurstracks zurück nach oben gehen würde. Umso größer die Ernüchterung, als Schiedsrichter Marco Fritz nach vier äußerst großzügig bemessenen Nachspielminuten eine erschreckend einfallslose Vorstellung der Hausherren beendete. Der Argentinier Raúl Bobadilla hatte nach energischer Vorarbeit von Halil Altintop fünf Minuten nach dem Seitenwechsel die elfte Saisonniederlage der Dortmunder Borussia besiegelt. Ungläubiges Staunen, Fassungslosigkeit und blankes Entsetzen zeichneten die Gesichter auf der Südtribüne nach einem für viele nahezu surreal anmutenden Fußballabend, an dem der BVB alles vermissen ließ, was Jürgen Klopp im Vorfeld vehement eingefordert hatte.

Natürlich hätten der eingewechselte Henrikh Mkhitaryan oder Ciro Immobile in der Nachspielzeit die drohende vierte Heimniederlage noch in ein Unentschieden verwandeln können. Beide jedoch vergaben aus aussichtsreicher Position und einmal mehr in dieser Spielzeit drängte sich der Verdacht auf, das weitgehend ideenlose Anrennen der Gastgeber hätte sich noch ein Stündchen in die Länge ziehen können – oder zwei, oder drei. Der FCA spielte nach dem berechtigten Feldverweis gegen Christoph Janker ab Minute 64 sogar in Unterzahl, dennoch blieben BVB-Großchancen, ja selbst einigermaßen durchdachte Angriffszüge lange Zeit Mangelware. Als es Sokratis, Mats Hummels und Neven Subotić längst nicht mehr hinten hielt, sich die drei gelernten Innenverteidiger im Dribbling, als Spielgestalter oder Flankengeber aus dem Halbfeld versuchten, war eigentlich mehr oder minder klar, dass es an diesem Abend nichts mehr werden würde mit dem so dringend benötigten Erfolgserlebnis. Es liegt in der Natur des Fußballs, dass dem Zufallsmoment oft eine große, nicht selten entscheidende Bedeutung zukommt. Spätestens als Immobile kurz vor Ultimo im Fünfmeterraum frei zum Kopfball ansetzte, hätte es eigentlich der Ausgleich für den BVB sein müssen. Geändert hätte dieser jedoch wenig bis nichts. Man wunderte sich kaum noch, als der Italiener die Kugel direkt in die Arme von Alexander Manninger platzierte, es passte ja auch ins Bild. Schon in den 90 Minuten zuvor war der routinierte Österreicher kaum in Bedrängnis geraten – weil Marco Reus offensiv erneut nicht zur Geltung kam, weil ein İlkay Gündoğan allein kaum für Spielkultur sorgen kann und weil Pierre-Emerick Aubameyang seine PS bis auf den Sturmlauf, der zur Roten Karte führte, nie auf den Rasen brachte. Oder weil in den entscheidenden Situationen einfach die Konzentration fehlte, das letzte Quäntchen Entschlossenheit, so wie beim Freistoß von Nuri Şahin, der vor der Südtribüne ins Fangnetz flog. „Das Entscheidende machen wir im Moment falsch. Wir machen aus unseren Möglichkeiten nach wie vor nichts“, resümierte ein enttäuschter Jürgen Klopp. Vor dem Derby gegen Schalke Ende Februar warten auf den BVB nun die Auswärtspartien in Freiburg und Stuttgart, dazwischen die Partie gegen Mainz. Es wird Zeit, dass sich was dreht.

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Ganz anders die Stimmungslage im Bundesliga-Norden. Während Werder Bremen in Hoffenheim bereits den dritten Sieg in Serie verbuchte und sich nun schon sieben Zähler vom Tabellenschlusslicht entfernte, erzielte der Hamburger SV beim 3:0-Auswärtssieg in Paderborn einen Treffer mehr, als in seinen vorangegangenen neun Partien in der Fremde zusammen. Bereits nach acht Sekunden entschied Peter Gagelmann auf Elfmeter für den Dino – es war der schnellste Strafstoßpfiff der Ligageschichte, Rafael van der Vaart verwandelte und beendete die 398 Minuten währende Hamburger Sturmflaute. Nach dem Seitenwechsel drückte der Aufsteiger zunächst auf den Ausgleich, hatte Pech, als Elias Kachunga erst mit einem Heber am Querbalken scheiterte und wenig später keinen Strafstoß zugesprochen bekam. Marcell Jansen und Zoltán Stieber machten es besser und schossen den HSV an Paderborn vorbei auf Platz 13. Bei den Ostwestfalen zeigt der Trend dagegen eindeutig nach unten. Der letzte Sieg, ein 3:1 gegen Hertha BSC, datiert vom 2. November – vier Punkte aus den vergangenen acht Spielen gepaart mit einem Torverhältnis von 5:21 sprechen Bände.

Bereits am Dienstagabend war das Spitzenduo im Einsatz und bewegte sich dabei im Gleichschritt. Der FC Bayern kam im Heimspiel gegen Schalke nicht über ein 1:1 hinaus, konnte angesichts der frühen Roten Karte gegen Jérôme Boateng und dem anschließenden Elfmeter-Fehlschuss von Eric-Maxim Choupo-Moting mit dem einen Punkt aber durchaus zufrieden sein. Beide Treffer fielen nach einer Ecke – erst war ausgerechnet Arjen Robben per Kopf erfolgreich, wenig später tat es ihm Weltmeister Benedikt Höwedes gleich. Trotz Überzahl investierten die Schalker rein gar nichts in die Offensive und sicherten stattdessen den einen Zähler mit Mann und Maus, was freilich nicht verboten ist, zumal Königsblau in München selten etwas zu bestellen hatte.

Wenig zu bestellen hatte auch der VfL Wolfsburg in Frankfurt, wo die Eintracht nach einem Tor von Stefan Aigner lange Zeit wie der sichere Sieger aussah. Einen schönen Spielzug, mustergültig vorgetragen über den eingewechselten Marcel Schäfer, schloss Kevin De Bruyne im Strafraum kurz vor Schluss zum 1:1 ab, die Wölfe damit weiter acht Punkte hinter den Bayern. Und so darf sich neben dem FC Augsburg auch Borussia Mönchengladbach als Gewinner des Spieltags fühlen. Die Fohlen besiegten den SC Freiburg knapp mit 1:0, hätten zur Pause weit höher in Führung liegen müssen und waren in Durchgang zwei schließlich mit Fortuna im Bunde. Siegtorschütze erneut Patrick Herrmann, die Borussia damit weiterhin Dritter und bereits am Freitagabend auf Schalke gefordert.

Der 19. Bundesliga-Spieltag in der Übersicht:

FC Bayern München – FC Schalke 04 1:1 (0:0)
Tore: 1:0 Arjen Robben (67.), 1:1 Benedikt Höwedes (72.)

Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 1:1 (0:0)
Tore: 1:0 Stefan Aigner (58.), 1:1 Kevin De Bruyne (88.)

Hannover 96 – 1. FSV Mainz 05 1:1 (1:0)
Tore: 1:0 Jimmy Briand (26.), 1:1 Elkin Soto (77.)

Borussia Mönchengladbach – SC Freiburg 1:0 (1:0)
Tor: Patrick Herrmann (23.)

Borussia Dortmund – FC Augsburg 0:1 (0:0)
Tor: Raúl Bobadilla (50.)

SC Paderborn – Hamburger SV 0:3 (0:1)
Tore: 0:1 Rafael van der Vaart (2., Foulelfmeter), 0:2 Marcell Jansen (72.), 0:3 Zoltán Stieber (90.)

1. FC Köln – VfB Stuttgart 0:0

Hertha BSC – Bayer 04 Leverkusen 0:1 (0:0)
Tor: Stefan Kießling (49.)

1899 Hoffenheim – SV Werder Bremen 1:2 (1:1)
Tore: 0:1 Franco Di Santo (8.), 1:1 Ermin Bičakčić (34.), 1:2 Philipp Bargfrede (52.)

Redaktion Magath & Fußball