Toreflut


Veröffentlicht am 16. Februar 2015

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Historische HSV-Pleite bei den Bayern

Die Bundesliga-Konferenz am Samstagnachmittag war wirklich nichts für schwache Nerven. Es fielen stolze 26 Tore verteilt auf fünf Partien – alle dreieinhalb Minuten zappelte der Ball entweder in Leverkusen, München, Bremen, Sinsheim oder Mönchengladbach im Netz. Maximaler Unterhaltungsfaktor für den neutralen Zuschauer! Überhaupt war der 21. Spieltag mit insgesamt 38 Treffern der torreichste der laufenden Saison – im Durchschnitt sahen die Fans in jedem der neun Stadien etwas mehr als vier Treffer. Von der ewigen Bundesliga-Bestmarke waren die 18 Clubs aber auch diesmal noch ein gutes Stück entfernt: Am 32. Spieltag der Saison 1983/84 waren in ebenfalls neun Partien sogar 53 Tore gefallen. Damals wie heute maßgeblich an der Toreflut beteiligt waren die Münchener Bayern.

Während sich der Rekordmeister vor 31 Jahren beim 5:2 über den 1. FC Kaiserslautern aber mit fünf eigenen Treffern begnügte, schenkte die Guardiola-Truppe dem HSV am zurückliegenden Wochenende gleich acht Stück ein. Das in jeder Hinsicht erschütternde 0:8 aus Sicht der Gäste war gleichzeitig die höchste Niederlage in der ruhmreichen Bundesliga-Geschichte des Hamburger Sport-Verein. Jaroslav Drobný im Kasten der Norddeutschen konnte einem leidtun, die gemessen an den eigenen Ansprüchen verhalten in die Rückrunde gestarteten Bayern kannten keinerlei Gnade. Als hätte es noch eines Beweises bedurft, dass der Nord-Süd-Klassiker längst kein Vergleich mehr auf Augenhöhe, sondern zumeist eine durch und durch einseitige Angelegenheit ist, bestürmten die Roten das Gästetor und brachten sich rechtzeitig vor dem Champions League Achtelfinale am Dienstagabend in Lemberg gegen Shakthar Donetsk in Stimmung. Ein fragwürdiger Handelfmeter, sicher verwandelt von Thomas Müller, eröffnete den Torreigen in der Allianz Arena. Anschließend trugen sich noch einmal Müller, ebenso Mario Götze und der formstarke Arjen Robben per Doppelpack sowie Robert Lewandowski und Franck Ribéry in die Torschützenliste ein. Im Hinspiel noch hatte HSV-Coach Joe Zinnbauer bei seiner Premiere als Profitrainer dem Branchenriesen ein torloses Unentschieden abgetrotzt, nun kam er erstmals so richtig unter die Räder. Besonders bitter aus Hamburger Sicht: Bis zum 20. Spieltag hatten die Rothosen lediglich 22 Gegentreffer hinnehmen müssen, stellten ligaweit die viertbeste Defensive. In 90 Minuten bei den Bayern kassierte der Dino nun ebenso viele Gegentore wie in den vorangegangenen neun Partien (!) zusammen und verhagelte sich die eigene Trefferbilanz nach Strich und Faden. Zusammen mit dem VfB Stuttgart hat der HSV nun das schlechteste Torverhältnis (-16) der Liga – ein nicht zu unterschätzendes Detail im Abstiegskampf.

Erst zum zweiten Mal in der laufenden Saison schaffte der BVB zwei Bundesliga-Siege in Serie.

Erst zum zweiten Mal in der laufenden Saison schaffte der BVB zwei Bundesliga-Siege in Serie.

Im Tabellenkeller hatte Borussia Dortmund bereits am Freitagabend mit einem 4:2-Erfolg über Mainz vorgelegt, dabei erstmals in dieser Saison ein Spiel nach Rückstand noch in einen Sieg verwandelt. Im Blickpunkt beim zweiten BVB-Dreier in Folge einmal mehr Marco Reus, der unter der Woche seinen Vertrag zur großen Erleichterung aller Borussen vorzeitig bis 2019 verlängerte, dabei wohl sogar auf die berühmt-berüchtigte Ausstiegsklausel verzichtete. Mit seinem fünften Saisontreffer zum zwischenzeitlichen 2:1, insbesondere aber mit seinem genialen Außenrist-Pass auf Pierre-Emerick Aubameyang, der diesen zum vorentscheidenden 3:2 ins Tor bugsierte, unterstrich der Nationalspieler seine Wichtigkeit für den BVB, der nach Punkten zu den Rheinhessen aufschloss. Mehr und mehr verdichten sich indes die Anzeichen, dass Schwarz-Gelb die Talsohle der sportlichen Krise durchschritten hat, wie bereits vor Wochenfrist beim 3:0 in Freiburg war zumindest die zweite Halbzeit gegen Mainz abgesehen von einigen defensiven Unzulänglichkeiten doch sehr ansehnlich. Man spürt das steigende Selbstvertrauen aufseiten der Klopp-Elf, Spaß und Spielfreude kehren allmählich zurück. Voreilige Lobpreisungen und vollmundige Ansagen an die Konkurrenz verbieten sich allerdings weiterhin, noch ist in Dortmund nichts erreicht. Ein weiterer Sieg am Freitag in Stuttgart dürfte etwaige Abstiegsängste bei den Fans jedoch endgültig vertreiben.

Davon die Schwaben ihrerseits weit entfernt. 18 Punkte nach 21 Spielen, der letzte Tabellenplatz und schon drei Zähler Rückstand auf die Hertha und den SC Freiburg, obendrein die Last-Minute-Niederlage in Hoffenheim: Der VfB wandelt auch mit seinem erklärten Retter Huub Stevens bedrohlich nahe am Abgrund. Sebastian Rudy sorgte in der dritten Minute der Nachspielzeit für den nächsten Nackenschlag, die Stuttgarter punkteten somit im Fußballjahr 2015 lediglich beim 0:0 in der Domstadt. 1899 dagegen mit den wichtigen ersten Punkten der Rückserie, Leverkusen auf Rang sechs nun wieder in Sichtweite, nur noch drei Zähler entfernt.

Die Werkself gibt derweil weiterhin Rätsel auf. Beim Torfestival gegen den VfL Wolfsburg lag der Champions League Achtelfinalist bei Halbzeit scheinbar aussichtslos mit 0:3 zurück, ehe Heung-Min Son eine sagenhafte Aufholjagd einleitete. Nach den beiden Anschlusstoren des Südkoreaners hatte Bas Dost zwar zwischenzeitlich erneut für die Wölfe getroffen, wieder Son und anschließend Karim Bellarabi aber stellten doch noch den unglaublichen 4:4-Ausgleich her. Mit der allerletzten Aktion jedoch gaben die Leverkusener den Punkt noch aus der Hand: Bernd Leno verschätzte sich nicht zum ersten Mal an einem ebenso merkwürdigen wie höchstunterhaltsamen Fußballnachmittag in der BayArena, Dost war zur Stelle und die in Blau spielenden Volkswagen-Kicker gewannen dank eines holländischen Viererpacks doch noch mit 5:4. Bayer tritt also weiter auf der Stelle und auch der in der ersten Saisonhälfte noch allseits bejubelte Roger Schmidt muss sich langsam aber sicher unangenehmeren Fragen stellen.

Komplettiert wurde das Scheibenschießen am Samstagnachmittag vom 3:2-Sieg Werder Bremens über den FC Augsburg und dem Derbysieg der Gladbacher über den 1. FC Köln. Die Bremer setzten ihren bemerkenswerten Lauf auch gegen die Überraschungs-Schwaben fort, gewannen ihr fünftes Ligaspiel in Folge und sind in der Tabelle ebenso wie Hoffenheim auf drei Punkte dran an den Leverkusenern. Gladbach verdarb den Kölnern durch einen tollen Kopfball des Schweizers Granit Xhaka in der Nachspielzeit das Karnevalswochenende, siegte mit 1:0. Das 82. Rheinische Derby in der Bundesliga wurde jedoch überschattet vom unrühmlichen Gebaren einiger FC-Fans, die nach Spielschluss in seltsamen weißen Kleidern aus ihrem Block in den Innenraum drangen.

Von Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen gab's Blumen zum Jubiläum, die Eintracht beschenkte Thomas Schaaf mit einem Heimsieg.

Von Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen gab’s Blumen zum Jubiläum, die Eintracht beschenkte Thomas Schaaf mit einem Heimsieg.

Im Topspiel am Samstagabend feierte Eintracht-Coach Thomas Schaaf ein bemerkenswertes Jubiläum: Im Heimspiel gegen Schalke saß der einstige Bremer Meistertrainer zum 500. Mal in der Bundesliga auf der Trainerbank. In dieser Rangliste liegen nun nur noch der kürzlich verstorbene Udo Lattek (522 Spiele), Erich Ribbeck (569), Jupp Heynckes (642) und Rekordmann Otto Rehhagel (832) vor Schaaf, der passend zur persönlichen Feierstunde einen 1:0-Sieg seiner Adler über Königsblau bejubeln durfte. Der Brasilianer Lucas Piazón traf per Kopf nach etwas mehr als einer Stunde und stellte den fünften Frankfurter Heimsieg der laufenden Runde sicher. Die Schalker verpatzten – ohne den gesperrten Klaas-Jan Huntelaar viel zu harmlos im Angriff – die Generalprobe für den Champions League Knaller gegen Real Madrid am Mittwoch. Dort wird Huntelaar zwar wieder mitwirken dürfen, allein darauf aber sollte sich S04 nicht verlassen.

Der Sonntag schließlich stand ganz im Zeichen zweier überraschender Auswärtssiege. Zunächst erwischte der Sportclub aus Freiburg die erschreckend schwache „Alte Dame“ im halbleeren Olympiastadion auf dem falschen Fuß und gewann nicht unverdient mit 2:0. Anschließend bog der SC Paderborn einen 0:1-Rückstand in Hannover noch in einen 2:1-Sieg. Winter-Neuzugang Srđan Lakić traf erstmals für den Aufsteiger, Alban Meha schockte 96 zehn Minuten vor Schluss mit einem tollen Freistoß. Sowohl für Freiburg als auch für Paderborn echte Big Points im Abstiegskampf verbunden mit einem klaren Zeichen an die Traditionsclubs aus Stuttgart, Berlin und Hamburg, die in dieser Woche mit Dortmund, Wolfsburg und Gladbach allesamt schwere Gegner vor der Brust haben. Paderborn dagegen steht vor dem vorläufig größten Highlight seiner ersten Spielzeit im Oberhaus: Am Samstagnachmittag um 15.30 Uhr gibt sich der FC Bayern in der Benteler-Arena die Ehre.

Kunstschütze Alban Meha (Mitte) beendete Paderborns Serie von zehn sieglosen Spielen in Hannover.

Kunstschütze Alban Meha (Mitte) beendete Paderborns Serie von zehn sieglosen Spielen in Hannover.

Der 21. Bundesliga-Spieltag in der Übersicht:

Borussia Dortmund – 1. FSV Mainz 05 4:2 (0:1)
Tore: 0:1 Elkin Soto (1.), 1:1 Neven Subotić (50.), 2:1 Marco Reus (55.), 2:2 Yunus Malli (57.), 3:2 Pierre-Emerick-Aubameyang (71.), 4:2 Nuri Şahin (78.)

FC Bayern München – Hamburger SV 8:0 (3:0)
Tore: 1:0 Thomas Müller (21., Handelfmeter), 2:0 Mario Götze (23.), 3:0 Arjen Robben (36.), 4:0 Arjen Robben (47.), 5:0 Thomas Müller (55.), 6:0 Robert Lewandowski (56.), 7:0 Franck Ribéry (69.), 8:0 Mario Götze (88.)

Werder Bremen – FC Augsburg 3:2 (3:1)
Tore: 1:0 Assani Lukimya (16.), 1:1 Ragnar Klavan (21.), 2:1 Franco Di Santo (23., Foulelfmeter), 3:1 Theodor Gebre Selassie (45.), 3:2 Tobias Werner (79.)

1899 Hoffenheim – VfB Stuttgart 2:1 (1:1)
Tore: 1:0 Roberto Firmino (30.), 1:1 Gotoku Sakai (39.), 2:1 Sebastian Rudy (90.+3)

Borussia Mönchengladbach – 1. FC Köln 1:0 (0:0)
Tor: Granit Xhaka (90.+1)

Bayer 04 Leverkusen – VfL Wolfsburg 4:5 (0:3)
Tore: 0:1 Bas Dost (6.), 0:2 Naldo (17.), 0:3 Bas Dost (29.), 1:3 Heung-Min Son (57.), 2:3 Heung-Min Son (62.), 2:4 Bas Dost (63.), 3:4 Heung-Min Son (67.), 4:4 Karim Bellarabi (72.), 4:5 Bas Dost (90.+3)

Eintracht Frankfurt – FC Schalke 04 1:0 (0:0)
Tor: Lucas Piazón (65.)

Hertha BSC – SC Freiburg 0:2 (0:1)
Tore: 0:1 Felix Klaus (14.), 0:2 Maximilian Philipp (52.)

Hannover 96 – SC Paderborn 1:2 (0:0)
Tore: 1:0 Marcelo (66.), 1:1 Srđan Lakić (72.), 1:2 Alban Meha (79.)

Die Bundesliga-Tabelle nach dem 21. Spieltag:

1. FC Bayern München – 52 Punkte, 53:9 Tore
2. VfL Wolfsburg – 44 Punkte, 46:23 Tore
3. Borussia Mönchengladbach – 36 Punkte, 28:17 Tore
4. FC Schalke 04 – 34 Punkte, 31:23 Tore
5. FC Augsburg – 34 Punkte, 30:27 Tore
6. Bayer 04 Leverkusen – 32 Punkte, 34:27 Tore
7. 1899 Hoffenheim – 29 Punkte, 33:34 Tore
8. Werder Bremen – 29 Punkte, 35:43 Tore
9. Eintracht Frankfurt – 28 Punkte, 39:41 Tore
10. Hannover 96 – 25 Punkte, 24:32 Tore
11. 1. FC Köln – 24 Punkte, 19:24 Tore
12. SC Paderborn – 23 Punkte, 23:35 Tore
13. Hamburger SV – 23 Punkte, 14:30 Tore
14. 1. FSV Mainz 05 – 22 Punkte, 27:30 Tore
15. Borussia Dortmund – 22 Punkte, 25:29 Tore
16. SC Freiburg – 21 Punkte, 23:30 Tore
17. Hertha BSC – 21 Punkte, 26:40 Tore
18. VfB Stuttgart – 18 Punkte, 21:37 Tore

Redaktion Magath & Fußball

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