Nur Real gewinnt


Veröffentlicht am 19. Februar 2015

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Schalke ohne Chance, Bayern torlos in Lwiw

Das Vorgeplänkel der Gruppenphase ist vorüber, traditionell geht es in der Champions League beginnend im Februar ans Eingemachte. „Auf den Punkt voll da sein“, lautet die Devise, die K.O.-Runden verzeihen nicht länger einen schlechten Tag. Eine einzige Unachtsamkeit kann den Absturz vom sich in schwindelerregender Höhe drehenden Millionenrad der Königsklasse bedeuten. Es entscheidet in der Regel die Tagesform. Diese war beim FC Schalke 04 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid zwar deutlich besser, als vor knapp einem Jahr – Königsblau musste sich den im äußerst gewöhnungsbedürftigen Pink antretenden Königlichen statt 1:6 diesmal „nur“ 0:2 geschlagen geben. Dennoch, und darüber kann auch das einigermaßen verträgliche Endresultat nicht hinwegtäuschen, war der Bundesligist im undankbaren Duell mit dem Titelverteidiger weitestgehend chancenlos. Für das Rückspiel im Bernabéu wird üblicherweise nun ein Fußballwunder beschworen. Doch wer sollte ernsthaft daran glauben?

25 Minuten lang hatte das Defensivsystem Roberto Di Matteos gut funktioniert. Real fiel zunächst wenig ein und Klaas-Jan Huntelaar hatte Iker Casillas im Tor der Madrilenen mit einem Distanzschuss sogar zu einer Parade gezwungen. Dann aber ließ Dennis Aogo dem Ex-Leverkusener Daniel Carvajal zu viel Raum zum Flanken, der bis dato wirkungslose Cristiano Ronaldo stahl sich im Rücken von Joel Matip davon und köpfte über den jungen Schlussmann Timon Wellenreuther hinweg ins Netz. Wellenreuther allein hatten es die Schalker anschließend zu verdanken, dass die Partie beim Gang in die Kabine noch nicht entschieden war: Der Champions League-Debütant rettete erst gegen Karim Benzema und entschärfte kurz darauf eine Ronaldo-Freistoß in großer Manier. Trotz Rückstand im eigenen Haus waren die Knappen nach dem Seitenwechsel lange Zeit nicht bereit, ein größeres Risiko einzugehen und verbarrikadierten sich in der eigenen Spielhälfte. Dennoch wäre Youngster Felix Platte – ein weiterer Debütant, der für den verletzten Huntelaar nach einer halben Stunde eingewechselt worden war – beinahe der überraschende Ausgleich geglückt. Eine Ablage von Atsuto Uchida donnerte Platte eine Woche nach seinem 19. Geburtstag an den Querbalken und sorgte somit für einen Schreckensmoment bei Carlo Ancelotti. Dieser währte jedoch nicht lange, denn nur fünf Minuten später erzielte Marcelo auf der anderen Seite ein echtes Traumtor. Angespielt von Ronaldo dribbelte der Brasilianer parallel zur Strafraumkante und jagte das Leder mit Vollspann in den rechten Torwinkel – und eben nicht an die Latte. Die Messe damit natürlich gelesen, die Chancen auf ein Weiterkommen minimal bis nicht existent. Schalke im Rückspiel zudem ohne Kevin-Prince Boateng, der gelbgesperrt fehlen wird.

Deutlich besser dagegen die Aussichten für den FC Bayern München, der in der Ukraine ein torloses Unentschieden erreichte. Wenngleich damit der Viertelfinaleinzug weiter in eigener Hand, hätte sich Pep Guardiola in Lwiw – aufgrund der politischen Unruhen in der Ostukraine trägt Shakhtar seine Heimspiele bis auf weiteres im Westen des Landes aus – sicher das eine oder andere Auswärtstor gewünscht. Ein 0:0 gegen eine derart offensivstarke Mannschaft wie Donetsk nicht unbedingt das erhoffte Ergebnis – angesichts der Gelb-Roten Karte für Xabi Alonso, in deren Folge die Münchener die letzte halbe Stunde in Unterzahl bestreiten mussten, aber auch kein Beinbruch. Der Spanier sorgte mit zwei taktischen Fouls für ein Novum in der Geschichte des Wettbewerbs: Alonso ist der erste Spieler, der in seinem 100. Einsatz in der Königsklasse vorzeitig des Feldes verwiesen wurde. Robert Lewandowski trifft derweil bereits zum zweiten Mal in einem Champions League Achtelfinale auf Shakhtar Donetsk. Während der Pole vor zwei Jahren im Angriffsspiel von Borussia Dortmund Dreh- und Angelpunkt war, beim 2:2-Hinspielergebnis einmal traf und auch beim 3:0-Rückspielerfolg eine starke Leistung bot, kam er diesmal erst nach 75 Minuten in die Partie, konnte das wohl vorentscheidende Auswärtstor aber auch nicht mehr herbeiführen. Bayern vor dem Rückspiel in drei Wochen gewarnt, zumal Shakhtar Ende Februar auch in der Liga wieder den Spielbetrieb aufnimmt. Dennoch zweifelt niemand wirklich am Weiterkommen des Mitfavoriten.

Gute Chancen auf den ganz großen Wurf rechnet sich in diesem Jahr erneut auch José Mourinho aus: Es wäre nach den Erfolgen 2004 mit dem FC Porto und 2010 mit Inter Mailand bereits der dritte Champions League Sieg des Portugiesen, der in Paris zwar wieder einmal keine spielerisch mitreißende Vorstellung seiner Mannschaft sah, mit dem 1:1 aber ein exzellentes Ergebnis mit auf den Heimweg nach London nahm. Eine sehenswerte Hackenvorlage von Abwehrkollege Gary Cahill hatte Branislav Ivanović in Minute 36 ins Tor geköpft und damit die Tür zum Viertelfinale für den FC Chelsea ganz weit aufgestoßen. Es war gleichzeitig die einzige nennenswerte Offensivaktion der Blues im gesamten Spielverlauf. PSG in der Folge bisweilen drückend überlegen, mehr als der Ausgleichstreffer durch Edinson Cavani neun Minuten nach der Pause aber sprang nicht heraus. Superstar Zlatan Ibrahimović erwischte aufseiten der Franzosen nicht seinen besten Tag, in seiner auffälligsten Szene verlegte er einen Freistoß ein paar Zentimeter weiter nach links. David Luiz hatte zuvor die Markierung des Schiedsrichters einfach beiseite gewischt, der Freistoß aber strich über den Kasten. Bester Mann bei den Londonern ohne Frage Torwart Thibaut Courtois. Einzig der Belgier verhinderte mit seinen Paraden eine Niederlage und rettete Chelsea das schmeichelhafte Unentschieden über die Zeit. Wie im letztjährigen Viertelfinale – damals unterlag Chelsea in Paris 1:3, gewann an der Stamford Bridge aber 2:0 – könnte ein Auswärtstor diese Paarung entscheiden.

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Einen späten aber verdienten Treffer verzeichnete der FC Porto in Basel durch einen vom Brasilianer Danilo verwandelten Handelfmeter. Die Schweizer waren schon nach elf Minuten mit ihrem einzigen Torschuss der gesamten Begegnung in Führung gegangen und hielten dem Anrennen der Gäste lange Stand. Porto mit dem 1:1-Unentschieden zufrieden und im heimischen Estádio do Dragão nun haushoher Favorit.

Das Champions League Achtelfinale:

Paris Saint-Germain – FC Chelsea London 1:1 (0:1)
Tore: 0:1 Branislav Ivanović (36.), 1:1 Edinson Cavani (54.)

Shakhtar Donetsk – FC Bayern München 0:0

FC Basel – FC Porto 1:1 (1:0)
Tore: 1:0 Derlis González (11.), 1:1 Danilo (79., Handelfmeter)

FC Schalke 04 – Real Madrid 0:2 (0:1)
Tore: 0:1 Cristiano Ronaldo (26.), 0:2 Marcelo (79.)

Juventus Turin – Borussia Dortmund (Dienstag, 24. Februar 2015, 20.45 Uhr)

Manchester City – FC Barcelona (Dienstag, 24. Februar 2015, 20.45 Uhr)

FC Arsenal London – AS Monaco (Mittwoch, 25. Februar, 20.45 Uhr)

Bayer 04 Leverkusen – Atlético Madrid (Mittwoch, 25. Februar, 20.45 Uhr)

Redaktion Magath & Fußball

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