Hitz-Wahnsinn in Augsburg


Veröffentlicht am 23. Februar 2015

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Drittes Torwart-Feldtor der Bundesliga-Geschichte

Jens Lehmann war im Revierderby 1997 der erste. Beim Stand von 1:2 aus Sicht der Schalker traf der spätere Dortmunder nach einem verlängerten Eckball per Kopf zum Ausgleich ins Netz und den BVB mitten ins Mark. Im März 2002 tat es ihm Frank Rost gleich, damals noch im Trikot von Werder Bremen erzielte er in den Schlussminuten gegen Hansa Rostock das zwischenzeitliche 3:3, Bremen gewann das Spiel später sogar noch mit 4:3. Der dritte im Bunde der Torhüter, denen im gegnerischen Strafraum aus dem Spiel heraus ein Treffer gelang, ist seit Samstag nun Marwin Hitz. In der Augsburger SGL-Arena lief bereits die vierte Minute der Nachspielzeit, als sich der Schweizer bei einer Ecke der Gastgeber in den Leverkusener Strafraum bewegte. Zunächst schon sah es so aus, als wäre diese verpufft – der eingewechselte Shawn Parker aber brachte die Kugel noch einmal in die Gefahrenzone. Jan-Ingwer Callsen-Bracker kam nicht richtig dran und plötzlich stand da eben Marwin Hitz, der seinen Torwartkollegen Bernd Leno aus der Drehung zum 2:2 überwand.

In einer turbulenten Partie in Augsburg war das aber noch nicht der Schlusspunkt, denn um ein Haar hätte der FCA mit der allerletzten Aktion des Spiels das Geschehen sogar noch komplett auf den Kopf gestellt, Halil Altintop traf in der sechsten Nachspielminute jedoch nur den Pfosten. Letztlich musste ein zähneknirschendes Bayer 04 also mit dem einen Punkt noch einigermaßen zufrieden sein, dabei war die Werkself lange Zeit die klar tonangebende und auch bessere Mannschaft. Die Augsburger aber zeichneten sich im Saisonverlauf schon mehrfach durch ihre Nehmerqualitäten aus, sind buchstäblich nicht kleinzukriegen und haben nach Rückstand inzwischen schon stattliche 13 Punkte erkämpft. Das Team von Markus Weinzierl auch nach zwei Dritteln der Saison auf Kurs in Richtung Europa, weiterhin punktgleich mit dem Tabellenvierten Schalke und zwei Zähler vor Leverkusen.

Weil auch Königsblau und Gladbach am 22. Spieltag nicht gewinnen konnten, scheinen die ersten beiden Plätze nun endgültig fest vergeben. Die Bayern hatten in Paderborn leichtes Spiel, gewannen gegen den nach der Pause völlig überforderten Aufsteiger eine Woche nach dem 8:0-Erfolg über den HSV in ähnlicher Höhe diesmal mit 6:0. Arjen Robben weiterhin glänzend aufgelegt und auf bestem Weg in Richtung Torjägerkanone, auch bei den Ostwestfalen schnürte der Niederländer einen Doppelpack. Sein Landsmann Bas Dost wollte ihm am Sonntagabend deshalb in nichts nachstehen – auch er setzte seine beeindruckende Torserie beim umkämpften 2:1-Sieg der Wölfe über verbesserte Berliner fort und traf doppelt. Dost damit nun bei elf Toren in elf Spielen, weiterhin jedoch fünf Treffer hinter Robben. Dazwischen noch Frankfurts Alex Meier mit 14 Buden, der beim Rhein-Main-Derby in Mainz jedoch leer ausging. Zwar markierten die Frankfurter in Person von Stefan Aigner zunächst die Führung, die Nullfünfer aber sorgten für einen perfekten Einstand ihres neuen Trainers Martin Schmidt und stellten halbzeitübergreifend binnen zwölf Minuten auf 3:1. Sehenswert der Treffer zum 2:1 von Johannes Geis, der Kevin Trapp im Eintracht-Kasten mit einem tollen Freistoß aus ganz spitzem Winkel überraschte. Mainz mit diesem Befreiungsschlag im Abstiegskampf der große Spieltagsgewinner in der unteren Tabellenhälfte.

Martin Schmidt beerbte Kasper Hjulmand als Mainzer Trainer.

Martin Schmidt beerbte Kasper Hjulmand als Mainzer Trainer.

Bereits am Freitagabend hatte der BVB beim Tabellenschlusslicht in Stuttgart mit 3:2 gewonnen. Das Endresultat dabei durchaus irreführend, der VfB im eigenen Stadion erschreckend schwach und ohne Esprit, kam nur dank der eklatanten Dortmunder Standardschwäche zu zwei eigenen Toren. Während es für die Schwaben immer enger wird – die nächsten beiden Spiele in Hannover und daheim gegen Hertha sicher richtungsweisend – scheint die Borussia mit drei Siegen im Rücken gewappnet für eine besondere Woche: Dem Champions League Kracher am Dienstagabend bei Juventus Turin folgt am Samstag das Revierderby im eigenen Haus. Obwohl der BVB vorne wie hinten mitunter noch viel zu leichtfertig agiert, stehen die Vorzeichen günstig für einen endgültigen Stimmungsumschwung – ein gutes Ergebnis in Turin garniert mit einem Sieg über Schalke könnte die Initialzündung liefern für ein spektakuläres Saisonfinale.

Bemerkenswert am Sonntag indes die Vorstellung des Hamburger Sport-Verein nur acht Tage nach der historischen Pleite in München. Aus Sicht der Rothosen nicht auszudenken zwar, wenn Patrick Herrmann nach vier Minuten anstelle des Pfostens das Tor getroffen hätte, anschließend jedoch zeigten die Hamburger viel Courage und kauften den vom Europa League Abend in Sevilla müde wirkenden Borussen mit zunehmender Spieldauer den Schneid ab. Joe Zinnbauer hatte aus freien Stücken auf die Dienste von Rafael van der Vaart und Heiko Westermann verzichtet, seine Elf mit sieben Wechseln praktisch einmal auf links gedreht – und sah dennoch eine kämpferische und im Rahmen der spielerischen Möglichkeiten zumindest nach der Pause ansprechende Darbietung des Dinos, bei dem das Innenverteidiger-Duo Johan Djourou und Slobodan Rajković herausragte. Offensiv hingegen bleibt das hanseatische Spiel weitgehend wirkungslos, erneut musste Ivica Olić mit Oberschenkelproblemen frühzeitig vom Feld und wird in Frankfurt am kommenden Wochenende aller Voraussicht nach fehlen. Weil zudem Pierre-Michel Lasogga weiterhin ausfällt, gibt der stets vorbildlich rackernde Lette Artjoms Rudnevs bis auf weiteres den Alleinunterhalter im HSV-Angriff. Dennoch gingen die Norddeutschen gegen Gladbach nach 75 Minuten in Führung, Zoltán Stieber bestätigte nicht nur durch sein zweites Saisontor die ansteigende Form der letzten Woche. Längst hatten die Hamburger da die Kontrolle über Ball und Gegner gewonnen, die Borussia lange Zeit ohne Ideen. Eine strittige Eckball-Entscheidung in der Nachspielzeit ebnete den Fohlen dann aber doch noch den Weg zum schmeichelhaften Remis in der Fremde. Die HSV-Hintermannschaft ließ Branimir Hrgota einen einzigen Moment aus den Augen und brachte sich damit um einen durchaus verdienten Dreier.

Enttäuschung bei Slobodan Rajković trotz starker Leistung gegen Gladbach.

Enttäuschung bei Slobodan Rajković trotz starker Leistung gegen Gladbach.

Der 22. Bundesliga-Spieltag in der Übersicht:

VfB Stuttgart – Borussia Dortmund 2:3 (1:2)
Tore: 0:1 Pierre-Emerick Aubameyang (25.), 1:1 Florian Klein (32., Foulelfmeter), 1:2 İlkay Gündoğan (39.), 1:3 Marco Reus (89.), 2:3 Georg Niedermeier (90.+1)

FC Schalke 04 – Werder Bremen 1:1 (0:0)
Tore: 1:0 Max Meyer (61.), 1:1 Sebastian Prödl (90.+2)

SC Paderborn – FC Bayern München 0:6 (0:2)
Tore: 0:1 Robert Lewandowski (24.), 0:2 Robert Lewandowski (37.), 0:3 Arjen Robben (63., Foulelfmeter), 0:4 Franck Ribéry (72.), 0:5 Mitchell Weiser (78.), 0:6 Arjen Robben (86.)

SC Freiburg – 1899 Hoffenheim 1:1 (1:1)
Tore: 1:0 Immanuel Höhn (25.), 1:1 Kevin Volland (39.)

FC Augsburg – Bayer 04 Leverkusen 2:2 (0:1)
Tore: 0:1 Josip Drmić (8.), 1:1 Caiuby (59.), 1:2 Stefan Reinartz (84.), 2:2 Marwin Hitz (90.+4)

1. FSV Mainz 05 – Eintracht Frankfurt 3:1 (1:1)
Tore: 0:1 Stefan Aigner (35.), 1:1 Christian Clemens (38.), 2:1 Johannes Geis (47.), 3:1 Yunus Malli (50.)

1. FC Köln – Hannover 96 1:1 (1:1)
Tore: 0:1 Joselu (5.), 1:1 Anthony Ujah (17.)

Hamburger SV – Borussia Mönchengladbach 1:1 (0:0)
Tore: 1:0 Zoltán Stieber (73.), 1:1 Branimir Hrgota (90.+2)

VfL Wolfsburg – Hertha BSC 2:1 (1:1)
Tore: 1:0 Bas Dost (10.), 1:1 Julian Schieber (30.), 2:1 Bas Dost (74.)

Die Bundesliga-Tabelle nach dem 22. Spieltag:

1. FC Bayern München – 55 Punkte, 59:9 Tore
2. VfL Wolfsburg – 47 Punkte, 48:24 Tore
3. Borussia Mönchengladbach – 37 Punkte, 29:18 Tore
4. FC Schalke 04 – 35 Punkte, 32:24 Tore
5. FC Augsburg – 35 Punkte, 32:29 Tore
6. Bayer 04 Leverkusen – 33 Punkte, 36:29 Tore
7. 1899 Hoffenheim – 30 Punkte, 34:35 Tore
8. Werder Bremen – 30 Punkte, 36:44 Tore
9. Eintracht Frankfurt – 28 Punkte, 40:44 Tore
10. Hannover 96 – 26 Punkte, 25:33 Tore
11. 1. FSV Mainz 05 – 25 Punkte, 30:31 Tore
12. Borussia Dortmund – 25 Punkte, 28:31 Tore
13. 1. FC Köln – 25 Punkte, 20:25 Tore
14. Hamburger SV – 24 Punkte, 15:31 Tore
15. SC Paderborn – 23 Punkte, 23:41 Tore
16. SC Freiburg – 22 Punkte, 24:31 Tore
17. Hertha BSC – 21 Punkte, 27:42 Tore
18. VfB Stuttgart – 18 Punkte, 23:40 Tore

Redaktion Magath & Fußball