Werkself überrascht


Veröffentlicht am 26. Februar 2015

1 Flares 1 Flares ×

imago19093491m_c

Knapper Sieg über Atlético, auch der BVB darf hoffen

Runde zwei der Achtelfinal-Hinspiele brachte durchaus Überraschungen. Eine davon ganz klar der Leverkusener Auftritt gegen den Vorjahresfinalisten Atlético. In einer von beiden Seiten aggressiv geführten Begegnung, bisweilen am Rande der sportlichen Fairness ausgetragen, gab die in der Bundesliga im Fußballjahr 2015 noch nicht richtig in Tritt gekommene Werkself zu keiner Zeit klein bei, stellte den Favoriten vor größere Probleme, als es erwartet werden durfte und nahm am Ende keineswegs unverdient einen 1:0-Erfolg mit ins Rückspiel. Das Weiterkommen freilich ist das noch lange nicht, für ein Tor aber ist die offensivstarke Bayer-Mannschaft auch im Vicente Calderón immer gut. Und dann bräuchte es durch die Auswärtstorregel eben schon drei Treffer der Rojiblancos…

Zur Symbolfigur für die engagierte Vorstellung der Hausherren wurde schon während des ersten Durchgangs ausgerechnet der manchmal extrem unterkühlt wirkende Roger Schmidt. Der 47 Jahre alte Leverkusener Cheftrainer scheute zu keiner Zeit die Auseinandersetzung an der Seitenlinie mit der notorisch reklamierenden Bank der Spanier. Bis an die Grenzen der eigenen Coaching-Zone und darüber hinaus legte sich Schmidt nicht nur mit Diego Simeone, sondern mit dessen ganzen Trainerstab an. „Wenn der Co-Trainer da ständig den Herrmann macht und ständig irgendwelche Karten fordert, dann lasse ich mir das nicht gefallen. Angst hab ich vor dem nicht. Man weiß ja, wie das ist. Der wird vorgeschickt wie ein Türsteher“, bestätigte der auch nach Spielschluss emotional aufgeladene Übungsleiter damit indirekt die besondere Motivation der Werkskicker an diesem Champions League Abend. Gerade in den K.O.-Runden hatte Bayer 04 in den letzten Jahren Courage und unbedingten Siegeswillen allzu oft vermissen lassen. Gegen Atlético war dies grundlegend anders. „Man hat den Spielern heute angemerkt, dass sie die Champions League eben nicht nur als Kür sehen, sondern als Wettbewerb, in dem sie so lange wie mögliche dabei bleiben wollen“, analysierte Roger Schmidt ebenso zufrieden wie treffend und sprach dabei auch für sich selbst.

Zu verdanken war der 1:0-Sieg in erster Linie einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Nach knapp einer Stunde leiteten Wendell und der energisch nachsetzende Josip Drmić einen Konter über Karim Bellarabi ein. Fast schien es schon, als sei die Gelegenheit für einen Torabschluss verpufft, da rauschte Hakan Çalhanoğlu heran, nahm den Absatzkick des deutschen Nationalspielers mit einer effektiven Links-Rechts-Kombination auf und donnerte die Kugel zentral über Miguel Ángel Moyà hinweg ins Netz. Auch auf der anderen Seite drückte der eingewechselte Fernando Torres den Ball aus einem Meter über die Linie, der tschechische Unparteiische Pavel Královec aber versagte dem Treffer die Anerkennung. Bei der Hereingabe war das Spielgerät wohl schon im Toraus – eine strittige Entscheidung. Großen Anteil am allerersten Leverkusener K.O.-Runden-Sieg in der Königsklasse seit dem 4:2 über den FC Liverpool im April 2002 hatte zudem Bernd Leno. In seiner stärksten Szene entschärfte der Schlussmann unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff einen Seitfallzieher von Tiago in Weltklassemanier und hinterließ auch sonst einen äußerst souveränen Eindruck. Während der Portugiese Tiago eine Viertelstunde vor dem Ende die Gelb-Rote Karte sah und das Rückspiel in drei Wochen somit von der Tribüne aus verfolgen darf, war Leno so etwas wie der Mann des Abends. Damit es mit dem Viertelfinaleinzug klappt, müsse er „auch in Madrid ein paar solcher Bälle halten“, befand Sportdirektor Rudi Völler und traf den Nagel damit auf den Kopf.

Unlängst wurde Bernd Leno auch mit Arsène Wenger und dem FC Arsenal in Verbindung gebracht. Die Torwartposition bei den Gunners bleibt eine Baustelle, zu Jahresbeginn verlor Wojciech Szczęsny seinen Platz an den kolumbianischen Nationalkeeper David Ospina. Weder der Südamerikaner noch der Pole aber genügen allerhöchsten Ansprüchen, weshalb dem Vernehmen nach Ausschau gehalten wird nach einer talentierteren Lösung. Im Heimspiel gegen den AS Monaco stand erneut Ospina zwischen den Pfosten, war bei der sensationellen 1:3-Niederlage im Emirates aber ebenso chancenlos, wie es wohl auch Kollege Szczęsny angesichts der haarsträubenden Londoner Defensive gewesen wäre. Ein konsternierter Wenger sprach hinterher von einer „selbstmörderischen Abwehrleistung“ seiner Mannschaft, für die sich das vermeintlich leichteste Los buchstäblich als blaues Wunder entpuppte. Im Rückspiel im Fürstentum bräuchte es für Arsenal gegen defensivstarke Monegassen nun einen Sieg mit drei Toren Unteschied, um das fünfte Achtelfinal-Aus in Serie (!) noch abzuwenden. Die Franzosen aber haben im gesamten Wettbewerb in sieben Spielen erst zwei Treffer kassiert.

Sensationeller Schlusspunkt im Emirates: Der Belgier Yannick Ferreira-Carrasco schließt einen Alleingang zum 3:1-Endstand für Monaco ab.

Sensationeller Schlusspunkt im Emirates: Der Belgier Yannick Ferreira-Carrasco schließt einen Alleingang zum 3:1-Endstand für Monaco ab.

Bereits am Dienstagabend verschaffte sich Borussia Dortmund trotz der 1:2-Niederlage in Turin eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel, vergab eine noch bessere aber durch zwei Unaufmerksamkeiten im eigenen Strafraum. Zunächst ließ Roman Weidenfeller einen Schuss von Álvaro Morata direkt vor die Füße von Carlos Tévez prallen, der sich nach 13 Minuten artig bedankte und Juventus mit seinem vierten Champions League Treffer der laufenden Runde in Führung schoss. Beinahe postwendend hatte Marco Reus nach einem Ausrutscher von Giorgio Chiellini freie Bahn und ließ sich die Chance auf das wichtige Auswärtstor im Piemont nicht entgehen. In der Folge mussten auf Dortmunder Seite mit Łukasz Piszczek und noch mehr auf italienischer Seite mit Andrea Pirlo wichtige Stützen verletzungsbedingt vom Feld – die Partie lebte fortan hüben wie drüben vom Zufallsmoment. Als die BVB-Viererkette wenige Minuten vor der Pause völlig indisponiert Morata aus den Augen ließ, ging der über weite Strecken ideen- und harmlose Tabellenführer der Serie A aus dem Nichts erneut in Führung. Bei der Borussia durfte Ciro Immobile gegen seine Landsleute mal wieder von Beginn an spielen, mehr als ein paar letztlich ungefährliche Abschlüsse brachte aber auch der amtierende italienische Torschützenkönig nicht zustande. Dennoch war es gemessen an der nach wie vor schwierigen Situation der Dortmunder ein ordentlicher bis guter Auftritt – das Weiterkommen bleibt auch deshalb realistisch, weil Juve nach vorne zu keiner Zeit Angst und Schrecken verbreitete, gegen das schnelle Dortmunder Spiel hinten aber erkennbare Probleme hatte.

Carlos Tévez profitiert von der unglücklichen Abwehr Roman Weidenfellers, Marcel Schmelzer grätscht vergeblich.

Carlos Tévez profitiert von der unglücklichen Abwehr Roman Weidenfellers, Marcel Schmelzer grätscht vergeblich.

Dagegen ist die Runde der letzten Acht für Manchester City im Duell mit dem FC Barcelona wie schon vor einem Jahr nach dem Hinspiel in weite Ferne gerückt. Zwar bietet Hälfte zwei und die Rückkehr von Yaya Touré im Rückspiel durchaus Anlass zur Hoffnung, die beiden von Luis Suárez erzielten Auswärtstore aber bedeuten ein komfortables Polster für die Katalanen, das sogar noch weitaus luxuriöser hätte sein können, wenn Lionel Messi in der Nachspielzeit vom Elfmeterpunkt aus das 1:3 aus Sicht der Citizens erzielt hätte. Joe Hart jedoch blieb überraschend Sieger und der vom eigenen Fehlschuss offenbar irritierte Messi köpfte im Nachsetzen aus fünf Metern am freien Eck vorbei. Dank des argentinischen Blackouts und des Tores von Landsmann und Freund Sergio Agüero auf der anderen Seite bewahrte sich der englische Meister eine klitzekleine Chance im Camp Nou. Das erste Champions League Viertelfinale der Vereinsgeschichte aber wird aller Voraussicht nach weiter auf sich warten lassen, was in Anbetracht der Investitionen in Club und Mannschaft während der letzten Jahre nichts anderes als eine europäische Lachnummer ist. Gut möglich, dass City-Hauptanteilseigner Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan Manuel Pellegrini keine weitere Gelegenheit gestattet.

Luis Suárez erzielte gegen City im vierten CL-Einsatz für Barca seine Tore drei und vier.

Luis Suárez erzielte gegen City im vierten CL-Einsatz für Barca seine Tore drei und vier.

Die Rückschau auf die ersten vier Partien lesen Sie hier.

Die Hinspiele im Champions League Achtelfinale:

Paris Saint-Germain – FC Chelsea London 1:1 (0:1)
Tore: 0:1 Branislav Ivanović (36.), 1:1 Edinson Cavani (54.)

Shakhtar Donetsk – FC Bayern München 0:0

FC Basel – FC Porto 1:1 (1:0)
Tore: 1:0 Derlis González (11.), 1:1 Danilo (79., Handelfmeter)

FC Schalke 04 – Real Madrid 0:2 (0:1)
Tore: 0:1 Cristiano Ronaldo (26.), 0:2 Marcelo (79.)

Juventus Turin – Borussia Dortmund 2:1 (2:1)
Tore: 1:0 Carlos Tévez (13.), 1:1 Marco Reus (18.), 2:1 Álvaro Morata (43.)

Manchester City – FC Barcelona 1:2 (0:2)
Tore: 0:1 Luis Suárez (16.), 0:2 Luis Suárez (30.), 1:2 Sergio Agüero (69.)

FC Arsenal London – AS Monaco 1:3 (0:1)
Tore: 0:1 Geoffrey Kondogbia (38.), 0:2 Dimitar Berbatov (53.), 1:2 Alex Oxlade-Chamberlain (90.+1), 1:3 Yannick Ferreira Carrasco (90.+4)

Bayer 04 Leverkusen – Atlético Madrid 1:0 (0:0)
Tor: Hakan Çalhanoğlu (57.)

Die Rückspiele im Champions League Achtelfinale:

Real Madrid – FC Schalke 04 (Dienstag, 10. März 2015, 20.45 Uhr)
FC Porto – FC Basel

FC Chelsea London – Paris Saint-Germain (Mittwoch, 11. März, 20.45 Uhr)
FC Bayern München – Shakhtar Donetsk

Atlético Madrid – Bayer 04 Leverkusen (Dienstag, 17. März 2015, 20.45 Uhr)
AS Monaco – FC Arsenal London

Borussia Dortmund – Juventus Turin (Mittwoch, 18. März 2015, 20.45 Uhr)
FC Barcelona – Manchester City

Redaktion Magath & Fußball