Sonntag der Klassiker


Veröffentlicht am 23. März 2015

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Bayern unterliegt Gladbach, Barca bezwingt Real, Manchester United triumphiert an der Anfield Road

Anders als in der Primera División hatte das Bundesliga-Spitzenspiel am Sonntagabend keinerlei Bedeutung für das Meisterschaftsrennen, wohl aber seinen unverminderten nostalgischen Wert. Einst in den Siebziger Jahren der große Klassiker des deutschen Fußballs – zwischen 1969 und 1977 wurde Borussia Mönchengladbach fünfmal Deutscher Meister, der FC Bayern viermal – sind die Voraussetzungen beider Clubs heute gänzlich unterschiedlicher Natur. Während die Münchner gemeinsam mit Real Madrid und dem FC Barcelona das europäische Top-Trio bilden, im Geld schwimmen und sich einen echten Luxuskader leisten können, beschreiten die Fohlen einen anderen Weg. Einen, der unter Max Eberl insbesondere von kluger wie kreativer Personalpolitik gekennzeichnet ist und der dank Lucien Favre trotz des traditionellen personellen Aderlasses Jahr für Jahr aufs Neue Erfolg verspricht. In der kommenden Saison könnte nun die Champions League Hymne erstmals auch am Niederrhein erklingen, die Ausgangssituation vor dem Saisonfinale ist besser denn je. Erst recht nach dem überraschenden aber keinesfalls unverdienten 2:0-Sieg in der Allianz Arena, der unter gütiger Mithilfe von Welttorhüter Manuel Neuer zustande kam.

Schon häufiger kam es vor, dass der unbestritten beste Keeper der Liga allenfalls durchschnittlich aufgelegte Bayern mit seinen spektakulären Paraden vor einem Punktverlust oder gar einer Niederlage bewahrte, im Heimspiel gegen die Borussia allerdings passte sich Neuer dem mäßigen Niveau seiner Vorderleute an. Einer Partie, die aufgrund der bayerischen Ideenarmut und des Gladbacher Sicherheitsdenkens eigentlich torlos hätte zu Ende gehen müssen, gab der Nationaltorhüter nach einer halben Stunde die entscheidende Wendung, als er einen vergleichsweise harmlosen Schuss des Brasilianers Raffael hinter die Torlinie prallen ließ. Auch beim zweiten Raffael-Tor 13 Minuten vor Schluss sah Neuer nicht wesentlich besser aus – es war schlichtweg nicht der Abend des von vielen als heimlicher Weltfußballer ausgemachten Schlussmanns. Weitaus bitterer als die zweite Saisonniederlage ist für den Rekordmeister angesichts von weiterhin zehn Zählern Vorsprung auf Wolfsburg ohne Frage das erneute verletzungsbedingte Ausscheiden von Toptorjäger Arjen Robben. Der Niederländer musste gegen Gladbach schon nach 24 Minuten vom Platz und wird mit einem Riss in der Bauchmuskulatur nicht nur mehrere Bundesliga-Wochen, sondern wohl auch für das Champions League Viertelfinale ausfallen. Wie wichtig Robben – mit 17 Toren und acht Vorlagen bester Liga-Scorer der Münchner – für das Angriffsspiel der Bayern ist, zeigten nicht zuletzt 65 äußerst dürftige Minuten gegen eine Borussia, die konzentriert verteidigte und ihre Gefährlichkeit bei schnellen Gegenstößen hin und wieder aufblitzen ließ. Der Lohn für die disziplinierte Darbietung der Gäste: Ein nicht unbedingt von vornherein einkalkulierter Dreier beim Titelverteidiger in spe, der Rang drei trotz des 1:0-Auswärtssiegs der Leverkusener auf Schalke festigte und sich im weiteren Saisonverlauf möglicherweise als ganz besonders wertvoller herauskristallisieren könnte.

MSN schlägt BBC, Barca dank Suárez Richtung Titel

Etwas später am Abend ging der unangefochtene Höhepunkt des 28. Spieltags in Spanien über die Bühne, im mit 98.760 natürlich bis auf den letzten Platz gefüllten Camp Nou trafen sich der FC Barcelona und Real Madrid zum 262. Clasico. Rivalität und Wettstreit der beiden Riesen längst mit globaler Strahlkraft, die Fußballwelt versammelte sich anlässlich dieses ewig jungen Dramas vor den Bildschirmen und sah eine Begegnung, die trotz elf gelber Karten erfreulicherweise zu den sportlich faireren der jüngeren Vergangenheit gezählt werden durfte, wie durch ein Wunder sogar ohne Feldverweis auskam. Konnten sich die Madrilenen bis zum Pausenpfiff noch leichte Chancenvorteile erspielen, riss Barca nach der Pause das Heft des Handelns endgültig an sich und landete einen verdienten Heimsieg. Den Führungstreffer von Jérémy Mathieu (19.) glich Cristiano Ronaldo noch aus (31.), als Luis Suárez aber nach knapp einer Stunde einen langen Ball von Dani Alves perfekt verarbeitete und im Fallen an Iker Casillas vorbei ins Tor schob, hatten die Königlichen dem Drängen der Hausherren nichts mehr entgegenzusetzen.

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Vom hochgelobten Real-Offensivtrio Bale, Benzema und Ronaldo, kurz BBC, insgesamt wenig bis nichts zu sehen. Ganz anders dagegen der katalanische Gegenpol um Messi, Suárez, Neymar, kurz MSN, bei dem lediglich die latente wie leidige Fallsucht der beiden letztgenannten einen negativen Beigeschmack aufwies. Auch darin, das wurde einmal mehr offensichtlich, unterscheidet sich Klasse von Qualität: Während es schon einiges braucht, um einen Lionel Messi aus den Angeln zu heben, nutzen allen voran Suárez und Neymar jede kleinste Möglichkeit, um durch einen spektakulären Sturz oder filmreife Rasenrollen beim Schiedsrichtergespann Eindruck zu schinden. Glücklicherweise erwächst daraus nicht immer ein Vorteil. Einer, der es nie mit dem ganz großen Schauspiel hielt, dafür aber unbestritten als einer der Besten seiner Zunft in die Fußballgeschichte eingehen wird, feierte wohl seinen Clasico-Abschied: Xavi Hernández, über viele Jahre Herz und Seele des Barca-Mittelfelds, wurde nach 80 Minuten eingewechselt und ist mit 42 Einsätzen nun gemeinsam mit Francisco Gento und Manolo Sanchís Clasico-Rekordspieler. Ärgerlich für die Blaugrana an einem rundum gelungenen Abend einzig, dass es trotz einer Vielzahl an guten Kontergelegenheiten beim 2:1 blieb und der direkte Vergleich nach der 1:3-Hinspielniederlage im Bernabéu verloren ging. Bei etwaiger Punktgleichheit am Saisonende könnte dieser den Madrilenen doch noch zum Titel gereichen.

Soweit allerdings möchte in der spanischen Hauptstadt für den Moment noch niemand denken, die Rückrunde des Ancelotti-Ensembles steht weiterhin unter keinem guten Stern. Der ärgste Widersacher um die Meisterschaft nunmehr vier Punkte enteilt, von hinten drängen der FC Valencia und der Stadtrivale Atlético mit vier und fünf Punkten Rückstand. Wenngleich auch der FC Barcelona immer mal wieder für einen Aussetzer gut ist, scheint die Hoffnung auf den 33. Meistertitel langsam aber sicher am Horizont zu verblassen. Bleibt noch die Königsklasse und die ersehnte erste Titelverteidigung in der Geschichte des Wettbewerbs, wieder geht es dort nun gegen Atlético. Sollte es für Carlo Ancelotti wie in der Copa del Rey gegen Diego Simeone ein böses Erwachen geben, könnten seine Tage unter der spanischen Sonne im Sommer gezählt sein.

Artistischer Mata bringt United auf Kurs

Zwischen dem FC Liverpool und Manchester United ging es zwar längst nicht mehr um die Meisterschaft, diese nach dem 3:2-Sieg bei Hull City wohl endgültig an José Mourinho und den FC Chelsea vergeben, wohl aber um drei ganz wichtige Punkte im Kampf um die große Fußballbühne in der kommenden Spielzeit. Ausgerechnet beim einstigen, größten Ferguson-Rivalen gelang den Red Devils an der Anfield Road dank eines Doppelpacks von Juan Mata ein echter Big Point. Entsprang der Führungstreffer für die Mannschaft von Louis van Gaal noch einer spanischen Koproduktion, eingeleitet von Ander Herrera und kaltschnäuzig vollendet von Mata (14.), so lieferte der Seitfallzieher des Flügelflitzers nach gut einer Stunde nicht nur allerbeste Haltungsnoten und das Premier League Tor des Spieltags, sondern vor allem die Vorentscheidung zugunsten der Gäste. Mehr als das Anschlusstor von Daniel Sturridge (69.) brachten die Reds nicht mehr zu Wege und konnten sich stattdessen bei ihrem herausragend aufgelegten Torhüter Simon Mignolet bedanken, dass die Heimniederlage nicht noch deutlicher ausfiel. Neben vieler guter Chancen aus dem Spiel heraus entschärfte der Belgier in der Nachspielzeit sogar einen von Wayne Rooney getretenen Strafstoß.

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Tragische Figur des Liverpooler Nachmittags Kapitän Steven Gerrard. Dieser ließ sich nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung zur Pause zu einer Unbeherrschtheit hinreißen, stieg, als der Ball längst meterweit entfernt, Gegenspieler Herrera wohl absichtlich aufs Bein und wurde von Schiedsrichter-Urgestein Martin Atkinson folgerichtig mit der glatt roten Karte bedacht. Ein trauriger Abgang der Club-Legende in seiner wohl letzten Premier League Begegnung mit Manchester United. Durch die Niederlage gegen den direkten Konkurrenten vergrößerte sich der Rückstand der Reds auf den Champions League Qualifikationsplatz auf fünf Punkte, United dagegen bleibt auf Tuchfühlung zum FC Arsenal und zu Manchester City, die ihre Partien gegen Newcastle United (2:1) und West Bromwich Albion (3:0) gleichsam siegreich gestalteten.

Redaktion Magath & Fußball

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