Einiges los über Ostern


Veröffentlicht am 7. April 2015

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Blaise Matuidi (Mitte) war einer der PSG-Torschützen beim wichtigen Auswärtssieg im Stade Vélodrome.

Blaise Matuidi (Mitte) war einer der PSG-Torschützen beim wichtigen Auswärtssieg im Stade Vélodrome.

Arsenal, Ronaldo, Bayern und Busattacken bestimmen Ostertage im europäischen Fußball

Medienhype um fünf Ronaldo-Tore. In Deutschland wird daraus „Ronaldo lässt Messi stehen“. Gespielt haben die beiden nicht gegeneinander, nicht einmal ihre Vereine. Dieser latente Quervergleich bringt Schreiber offenbar leichter durch den Arbeitstag und hält die Werbetrommel am Laufen. Man will uns sagen, der eine hat nun wieder mehr Tore. Ronaldo kommt auf 36 Treffer, Messi auf 32. Real Madrid gewann beim FC Granada unbehelligt vom Gegner mit 9:1. Solche Tage und Torquoten machen nicht nur verquere Schlagzeilen, sie munitionieren natürlich schon jetzt die nächste Weltfußballerwahl. Die respektheischende Torquote von Messi/Ronaldo hat ein verqueres Schlagzeilen-Drumherum eigentlich nicht nötig, aber die Manege will bedient werden. Sei’s drum. Der FC Barcelona machte es minimalistischer und ohne Schlagzeilen. An diesem Tag also kein Messi-Treffer aber auch drei Auswärtspunkte. Mit einem 1:0 bei Celta Vigo wurde der Vier-Punkte-Vorsprung auf Real gehalten, die Tabellenführung der Primera División weiter gesichert. In Frankeich ging es auch um die Tabellenführung. Das erste Wort hatten dort aber Chaoten. Vor Beginn des Spitzenspiels bei Olympique Marseille wurde der Mannschaftsbus von Spitzenreiter Paris Saint Germain auf der Fahrt ins Stadion mit Wurfgeschossen angegriffen. Die Leistung der Spieler von PSG davon unbeeindruckt. Man nahm die schwere Auswärtshürde mit einem 3:2-Sieg und sicherte sich weiter Platz eins in der France Ligue 1 Tabelle. 

Fataler Angriff auf einen Mannschaftsbus auch in der Türkei. Dieser mit blutigem Ausgang. Der Bus des Teams von Fenerbahçe Istanbul wurde im Nordosten der Türkei auf dem Heimweg von einer Auswärtspartie beschossen, dabei der Fahrer verletzt und in eine Klinik eingewiesen. Spielergebnisse und Tabellensituation sind bei solchen Zuständen nicht mehr von Belang. Auf dem Balkan geht es leider immer öfter nicht mehr um Tore und Punkte. Aus aufgeheizter Stimmung wird aufgehetzte Stimmung. In Belgrad wird im Oktober 2014 ein EM-Qualifikationsspiel zur politischen Chaosbühne für Nationalisten, Spielabbruch. Im März dieses Jahres wird ein EM-Qualifikationsspiel zwischen Montenegro und Russland ebenfalls Opfer von fanatischen Chaoten, ebenfalls Spielabbruch. Mit Fußball hat so etwas nichts mehr zu tun. UEFA und FIFA sollten genau hinsehen und radikale Strafen für Verbände und Clubs ins Auge fassen, bei denen Gewalttäter sich immer wieder austoben und eine Bühne für ihren Wahnsinn finden. Wegschauen gefährdet den Fußball in seiner Gesamtheit.

Jason Puncheon (links) und Crystal Palace drehten Manchester City eine lange Nase.

Jason Puncheon (links) und Crystal Palace drehten Manchester City eine lange Nase.

In England zieht Arsenal weiter seine Kreise. Die blamable Heimpleite gegen Monaco, in deren Folge man im Champions League Achtelfinale die Segel streichen musste, scheint verkraftet. Mit 4:1 schickte man den FC Liverpool sang- und klanglos aus dem Emirates Stadium. Das Team von Arsène Wenger ist vor allem offensiv gut drauf, hat den besten Lauf der Premier League, scheint für den Saisonendspurt gerüstet. Tabellenplatz zwei ist der Lohn für die Ligastabilität der letzten Wochen. Der Titel ist wohl nicht mehr drin, auf Tabellenplatz eins liegt der FC Chelsea mit sieben Punkten Vorsprung und einem leichten Nachholspiel in der Hinterhand. Eher kläglich wurde die Osteraufgabe gegen Stoke City an der heimischen Stamford Bridge mit 2:1 erledigt. Der kommende Meister zündet keinerlei Feuerwerk, nüchterner Pragmatismus wird den Titel bringen. Die Zielgerade scheint man eher stolpernd als schwungvoll im Visier zu haben. Die verbleibenden zwei Champions League Plätze gehen wohl nach Manchester. United und City haben gegenüber Liverpool und Tottenham die wesentlich besseren Karten und deutlich mehr Punkte. Die Spurs weiterhin unkonstant, nur 0:0 bei Aufsteiger Burnley. Tottenhams Angriff auf die lukrativen Plätze wohl endgültig gescheitert. Man klebt auf Platz sechs. United siegte daheim gegen Aston Villa mit 3:1, Manchester City schwächelt weiter, unterliegt auswärts bei Crystal Palace mit 1:2. Damit der Titelverteidiger nur noch auf Platz vier hinter Chelsea, Arsenal und United. Für Manager Manuel Pellegrini werden die Zeiten nicht gemütlicher. In Italiens Serie A konnte der AS Rom das Spitzenspiel gegen den SSC Neapel mit 1:0 für sich entscheiden und Tabellenplatz zwei verteidigen. Unangefochten auf Platz eins, mit 14 Punkten Vorsprung liegt Juventus. Die Alte Dame besiegte vor heimischer Kulisse den FC Empoli mit 2:0.

Die Bundesliga drehte ebenfalls ihre österlichen Kreise. Auch in Dortmund flog übrigens eine Flasche gegen den (unbesetzten) Mannschaftsbus des BVB und durchschlug eine Scheibe. Dort ein Bayern-Anhänger der Verursacher. Für viele Medien ist Borussia Dortmund nicht mehr auf Augenhöhe mit den Bayern – als würde man für diese Erkenntnis Reporter und Artikel benötigen. Nebenher muss sich der BVB stets an den grandiosen Jahren 2011 und 2012 messen lassen, dabei ist auch im Fußball ein früher eben ein früher. Die Bayern haben es nicht nur mit dem Geld leichter, jede Mär, die sie ins Land streuen wird willig verbreitet. Man beklagt die unendliche Misere von Verletzungen, mit leichtem Pathos spricht Pep Guardiola sogar von der schwersten Zeit seiner Trainerkarriere. Man könnte es darüber fast vergessen, gegen Dortmund standen sechs Weltmeister in der Startformation, zwei saßen auf der Bank. Armes Bayern, wie soll man so bitte Fußball spielen! Wirklich „schwere Zeiten“. Dabei läuft alles auf gelegtem Gleis. Der alte und neue Meister – längst uneinholbarer Tabellenführer – war Gast beim Tabellenzehnten und holte mit einem 1:0-Auswärtssieg drei Punkte. Den zweiten Startplatz für die Champions League hat Wolfsburg im Kasten, gegen den Abstiegsaspiranten Stuttgart ein 3:1 in der VW-Stadt. Borussia Mönchengladbach im Konzert der steinreichen Clubs tabellarisch eingeklemmt zwischen den Werksmillionen von VW und Bayer, hält sich noch auf Platz drei, untermauerte dies mit einem souveränen 4:1-Auswärtssieg über die TSG Hoffenheim. Dabei liefert sich die Favre-Elf ein Fernduell mit Leverkusen um den direkten CL-Startplatz oder eben die Qualifikationsrunde. Leverkusen hatte leichtes Spiel, das 4:0 war eine Fingerübung gegen desaströse Hamburger.

Siegtorschütze Robert Lewandowski (links) war vom BVB nie in den Griff zu kriegen.

Siegtorschütze Robert Lewandowski (links) war vom BVB nie in den Griff zu kriegen.

Beim HSV wurde das vollmundige Plus einzig ein Teilchenbeschleuniger für Funktionärskarrieren, sportlich war es von Anbeginn ein Minus. Erstligatauglich in Hamburg sind nur noch die Fans und durch sie erbrachte Zuschauerzahlen. In Augsburg zeigt man den Hamburgern wie es anders geht. Zwei kompetente Leute in der sportlichen Führung und auf Augenhöhe mit Schalke 04. Der FCA hat dem Revierclub wohl die CL-Teilnahme verdorben, das 0:0 war zu wenig für die Knappen. Beide könnten in der nächsten Saison die Bundesliga in der Europa League vertreten. Ein Fest für Augsburg, für hochfliegende Schalke-Ambitionen wohl eher Albtraum. Paderborn tut weiterhin alles für den Abstieg, wenig will gelingen, Grenzen für den respektablen Aufsteiger wohl erreicht. Bei der mittelmäßigen Hertha setzte es eine 0:2-Niederlage. Mit dem HSV und dem VfB Stuttgart wird man sich um den rettenden Relegationsplatz prügeln. Hannover 96 hat sich in Frankfurt bei der Eintracht wieder Leben eingehaucht, hat den Abstiegskampf offensichtlich angenommen. Ein 2:2 als Hoffnungsschimmer. Zur rechten Zeit lebendig auch der SC Freiburg, der 1:0-Heimsieg gegen Köln ein kostbarer Schub. Im Niemandsland der Tabelle ein trostloses Gähnspiel, Werder Bremen gegen Mainz 05 endet 0:0. Kommendes Wochenende geht es weiter, dazwischen gibt’s unter der Woche das DFB-Pokal Viertelfinale.

Redaktion Magath & Fußball

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