Eine Endspiel-Neuauflage und jede Menge Personalsorgen


Veröffentlicht am 14. April 2015

1 Flares 1 Flares ×
Im Estadio Vicente Calderón erwartet Real einmal mehr ein heißer Tanz.

Im Estadio Vicente Calderón erwartet Real einmal mehr ein heißer Tanz.

Champions League Viertelfinale läutet heiße Saisonphase ein

Acht Mannschaften sind übrig geblieben – dreimal Spanien, zweimal Frankreich, je einmal Deutschland, Italien und Portugal. Mit Beginn des Viertelfinals in der UEFA Champions League biegt die Saison 2014/2015 endgültig auf die Zielgerade ein, der Traum vom großen Finale am 6. Juni im Berliner Olympiastadion ist bei Clubs und Anhängerschaft gleichermaßen allgegenwärtig. Das millionenschwere Spektakel Königsklasse nähert sich unaufhaltsam seinem Höhepunkt. Für die Spieler ist der Henkelpott gleichbedeutend mit dem ultimativen Ritterschlag, ein Champions League Titel in der Vita strahlt weit über das Karriereende hinaus. Die Vereine indes wähnen sich angesichts schwindelerregender Summen im siebten Himmel. Unglaubliche 10,5 Millionen Euro bringt in diesem Jahr allein der Finalsieg, ab 2016 sind es dann sogar 15 Millionen Euro. Rosige Aussichten für den Fußball-Geldadel des Kontinents, der seine nationalen Vormachtstellungen dank horrender Ausschüttungen auf europäischem Parkett Jahr für Jahr aufs Neue zementiert. Es ähneln sich deshalb auch die jährlichen Prognosen für den internationalen Wettbewerb, hier schließt sich der Kreis. Real Madrid, der FC Bayern München und der FC Barcelona – die üblichen Verdächtigen also – sind, wen mag es verwundern, jeweils mindestens im vierten Jahr nacheinander im Viertelfinale dabei. Wenngleich in der Favoritenrolle, erwarten alle drei Branchenriesen mehr oder minder schwierige Aufgaben.

Der Titelverteidiger kämpft dabei im Duell mit dem Stadtrivalen Atlético auch gegen ein kleines Trauma an. Seit dem letztjährigen Champions League Finale in Lissabon, das die Königlichen nach äußerst glücklichem Erreichen der Verlängerung noch etwas zu deutlich mit 4:1 gewannen, standen sich die beiden Rivalen aus der spanischen Hauptstadt in der laufenden Spielzeit bislang sechsmal gegenüber. Keine dieser Begegnungen konnte Real für sich entscheiden. Stattdessen mussten Carlo Ancelotti, Cristiano Ronaldo und Co. den Rojiblancos zunächst im spanischen Super-Cup (0:1 und 1:1) beim Feiern zusehen, in der Copa del Rey (0:2 und 2:2) bereits zu Jahresbeginn das Aus im Viertelfinale verkraften und nach der 1:2-Hinrundenpleite in der Primera División beim letzten Aufeinandertreffen im Estadio Calderón (0:4) gedemütigt bis auf die Knochen vom Rasen schleichen. Der Ausgang des heißesten Viertelfinals scheint dennoch völlig offen, denn wenngleich Atlético den Abstand in den letzten Jahren kontinuierlich verringerte, bleibt Real gemessen an der individuellen Qualität seiner Einzelkönner das Nonplusultra in Europa. Beide Kontrahenten zitterten sich jeweils gegen einen Bundesliga-Vertreter in die Runde der letzten Acht. Real gewann zunächst 2:0 auf Schalke, verlor das folgende Heimspiel jedoch sensationell mit 3:4 und schlitterte haarscharf vorbei am Supergau. Atlético setzte sich ebenso knapp erst im Elfmeterschießen gegen starke Leverkusener durch und sinnt nun auf Revanche für das im Mai 2014 verlorene Endspiel.

Marco Verratti (links), Torschütze beim 3:2-Sieg über Barca in der Vorrunde, wird PSG im Hinspiel fehlen.

Marco Verratti (links), Torschütze beim 3:2-Sieg über Barca in der Vorrunde, wird PSG im Hinspiel fehlen.

Der dritte spanische Riese im Bunde steht derweil vor einer nicht minder großen Herausforderung. Wie schon in der Gruppenphase trifft der FC Barcelona auf Paris Saint Germain, ein unangenehmer Gegner für den aktuellen Tabellenführer der Primera División. Im Parc des Princes in Paris unterlag die Mannschaft von Luis Enrique Ende September mit 2:3, gewann dafür das Rückspiel im heimischen Camp Nou mit 3:1 und stünde bei gleichem Ausgang nunmehr im Halbfinale. Besonders bitter für PSG: Chefcoach Laurent Blanc muss zumindest im Hinspiel an der Seine eine halbe Stammelf ersetzen. Während David Luiz und Thiago Motta verletzungsbedingt ausfallen, sitzen Serge Aurier, Marco Verratti und auch Superstar Zlatan Ibrahimović ihre Sperren ab, die sie sich allesamt beim ebenso hitzigen wie hochdramatischen Achtelfinal-Rückspiel an der Stamford Bridge eingehandelt hatten. Verratti und Ibrahimović können zwar in Barcelona wieder mitwirken, der ivorische Rechtsverteidiger jedoch frühestens in einem möglichen Halbfinal-Rückspiel. Aurier hatte im Anschluss an die zugegebenermaßen sehr fragwürdige Rote Karte für Ibrahimović vom heimischen Sofa aus ein Facebook-Video veröffentlicht, in dem er den niederländischen Schiedsrichter Björn Kuipers aufs übelste beleidigte. Im Verbund könnten die Ausfälle dem Scheich-Club nun teuer zu stehen kommen – erwischt Barca einen guten Tag, könnte diese Paarung bereits bei Halbzeit entschieden sein. Dass gegen die geballte Offensivpower von Lionel Messi, Luis Suárez, Neymar & Co. dann und wann kein Kraut gewachsen ist, weiß man. Ebenso hinlänglich bekannt ist jedoch die Konzentrationsschwäche der katalanischen Hintermannschaft, die sich am vergangenen Wochenende im Ligaalltag zuletzt der FC Sevilla zunutze machte und einen 0:2-Rückstand noch in einen Punktgewinn verwandelte. Die Blaugrana tut also gut daran, den personell angeschlagenen Kontrahenten nicht zu unterschätzen.

Robert Lewandowski und Thiago könnten gegen Porto den Unterschied ausmachen.

Robert Lewandowski und Thiago könnten gegen Porto den Unterschied ausmachen.

Verletzungssorgen sind derweil auch in München bei Pep Guardiola ein Thema. Die Bayern gehen die Aufgabe in Porto ohne vier Stammkräfte an: Es fehlen neben Arjen Robben und Franck Ribéry auch David Alaba und Bastian Schweinsteiger. Da passt es ganz gut, dass Torjäger Robert Lewandowski rechtzeitig zum großen Saisonfinale einen formidablen Formanstieg verzeichnete und sich Mittelfeldorganisator Thiago Alcântara nach langer Leidenszeit am Samstag gegen Eintracht Frankfurt erstmals in der Startelf zurückmeldete. An der Favoritenrolle der Münchner ändern allerdings auch die namhaften Ausfälle nichts. Wer die Champions League gewinnen will, muss in zwei Spielen ohne Wenn und Aber in der Lage sein, einen FC Porto zu bezwingen, der sich in Europa in dieser Saison allerdings von seiner besten Seite zeigt. Zwar waren die ganz großen Namen bislang noch nicht im Estádio Dragao vorstellig, von den acht Spielen gegen BATE Borisov, Shakhtar Donetsk, Athletic Bilbao und den FC Basel wurde jedoch noch keines verloren (fünf Siege, drei Unentschieden). Das Torverhältnis von 21:5 Treffern spricht überdies eine deutliche Sprache: Die Portugiesen wird auch der FC Bayern nicht im Vorbeigehen bezwingen, dafür ist die Mannschaft von Julen Lopetegui einfach zu gut besetzt. Brandgefährlich die Offensive der Drachen, der Algerier Yacine Brahimi und der Kolumbianer Jackson Martínez stechen hier mit je fünf Toren heraus. Insbesondere wenn Letzterer rechtzeitig fit werden sollte, könnte er die Bayern-Abwehr vor Probleme stellen – Martínez traf in 125 Pflichtspielen für Porto stolze 86-mal.

Dem Chilenen Arturo Vidal ist im Zweikampf jedes Mittel recht.

Dem Chilenen Arturo Vidal (Juventus Turin) ist im Zweikampf jedes Mittel recht.

Komplettiert wird das Viertelfinale von zwei Clubs, die man zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unbedingt auf der Rechnung haben musste. Juventus Turin hält die italienische Fahne hoch, präsentierte sich gegen Borussia Dortmund in puncto taktischer Raffinesse und spielerischer Reife nicht nur deutlich überlegen, sondern überhaupt in Gesamtheit viel besser, als man es der Alten Dame im Vorfeld des Achtelfinals zugetraut hätte. Noch größer jedoch die Überraschung, die der AS Monaco gegen Arsenal London bewerkstelligte. Das Defensivbollwerk aus dem Fürstentum ließ bislang lediglich vier Treffer zu, drei davon gingen auf das Konto der Gunners, deren späterer Aufholjagd man sich erfolgreich zur Wehr setzte. Monaco bleibt die große Unbekannte – auf dem Papier zwar das leichteste Los, das aber dachte vor nicht allzu langer Zeit auch Arsène Wenger noch. Der Ausgang dieser Paarung wohl am schwersten vorherzusehen, zumal beide Mannschaften in der Regel eine ähnliche Marschrichtung einschlagen. Wärmer wäre Juve-Coach Massimiliano Allegri wohl ums Herz, wenn er auf die Dienste von Taktgeber Andrea Pirlo zurückgreifen könnte. Während der Einsatz des Regisseurs noch auf der Kippe steht, wird Paul Pogba gelbgesperrt definitiv fehlen. Es deutet sich ein enger Vergleich an – Verlängerung und Elfmeterschießen in Monaco nicht ausgeschlossen.

Das Champions League Viertelfinale 2015

Hinspiele

Atlético Madrid – Real Madrid (Di., 14. April 2015, 20.45 Uhr)
Juventus Turin – AS Monaco

Paris St. Germain – FC Barcelona (Mi., 15. April 2015, 20.45 Uhr)
FC Porto – FC Bayern München

Rückspiele

FC Barcelona – Paris St. Germain (Di., 21. April 2015, 20.45 Uhr)
FC Bayern München – FC Porto

Real Madrid – Atlético Madrid (Mi., 22. April 2015, 20.45 Uhr)
AS Monaco – Juventus Turin

Redaktion Magath & Fußball

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookShare on LinkedInEmail this to someone