Fehlerkette zur Unzeit


Veröffentlicht am 16. April 2015

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Die Schlüsselszene zu Spielbeginn: Manuel Neuer holt Jackson Martínez von den Beinen.

Die Schlüsselszene zu Spielbeginn: Manuel Neuer holt Jackson Martínez von den Beinen.

FC Bayern von Porto überrascht, Paris so gut wie ausgeschieden

Aus deutscher Sicht war es schlichtweg ein Abend zum Vergessen, den in dieser Form wohl niemand auf der Rechnung hatte. Der Rekordmeister war trotz angespannter Personallage als haushoher Favorit nach Porto gereist, wurde in der Anfangsphase von angriffslustigen Drachen und der eigenen sonderbaren weil ungewohnten Schläfrigkeit aber dermaßen überrascht, dass er sich davon während der gesamten Partie nie mehr richtig erholte. Ein Sammelsurium an individuellen Schnitzern im Bayern-Deckungsverbund gepaart mit der Kaltschnäuzigkeit des Gegners führte zu einer unerwarteten 1:3-Niederlage im portugiesischen Norden und beförderte die Münchner an den Rand des Ausscheidens.

Die Begegnung im mit 50.092 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllten Estádio do Dragão war keine drei Minuten alt, als allen Bayern-Fans erstmals der Schrecken in die Glieder fuhr. In gewohnter Manier ließen die Gäste den Ball durch die eigenen Reihen zirkulieren – Dante passt links raus auf Juan Bernat, dieser schiebt das Leder zurück zum Brasilianer, Dante passt quer zu Xabi Alonso und plötzlich unterläuft dem spanischen Altmeister ein folgenschwerer Stockfehler. Der Kolumbianer Jackson Martínez ist hellwach, attackiert früh und steuert allein auf Manuel Neuer zu, wird vom Welttorhüter von den Beinen geholt. Neuer hat Glück, dass er weiterspielen darf, sieht nur Gelb statt Rot, wird jedoch wenige Augenblicke später von Ricardo Quaresma per Strafstoß bezwungen. Wer jetzt aber dachte, der bajuwarische Tiefschlaf wäre vorüber, sah sich nur kurze Zeit später eines Besseren belehrt. In einer nahezu identischen Spielsituation vertändelte diesmal Dante das Spielgerät, Quaresma – der einzige Portugiese in der Startelf von Julen Lopetegui – ließ Neuer frei vor dem Kasten keinerlei Abwehrmöglichkeit und stellte auf 2:0. Zwar brauchten die Bayern einen Moment, um sich von dieser Eisdusche zu erholen, immerhin aber gelang nach knapp einer halben Stunde das so wichtige Auswärtstor, ein Faustpfand für das Rückspiel in der kommenden Woche. Jérôme Boateng flankte von rechts durch den Strafraum und fand am zweiten Pfosten in Thiago Alcântara seinen Abnehmer, nur noch 1:2. Doch anders als manch Bayern-Gegner zuvor zeigte sich Porto vom ersten Wirkungstreffer unbeeindruckt, eine verunglückte Flanke von Alex Sandro landete auf der Latte und der von Real Madrid ausgeliehene Casemiro köpfte kurz vor dem Halbzeitpfiff nur knapp über den Querbalken.

In Durchgang zwei zunächst wieder Neuer im Blickpunkt, der einen von Boateng abgefälschten Ball in Weltklassemanier parierte. Als wären die beiden Gastgeschenke in Hälfte eins des Guten nicht schon zu viel gewesen, erlaubte sich ausgerechnet Boateng kurz darauf einen weiteren Aussetzer. Der Nationalspieler unterschätzte einen Flankenball von Alex Sandro und eröffnete Martínez die Gelegenheit zum 3:1, der Sturmtank nahm dankend an und umkurvte Neuer diesmal problemlos. Die Bayern in der Folge nicht mehr in der Lage, Torgefahr zu entfachen, die Spieler des FC Porto immer einen Schritt schneller. Freilich machte sich spätestens jetzt das Fehlen zahlreicher Stammkräfte bemerkbar. Allen voran Arjen Robben – aber auch Franck Ribéry, David Alaba und Bastian Schweinsteiger – sind auf höchstem Niveau nicht gleichwertig zu ersetzen, das ist Fakt. Der Champions League Mitfavorit steht im Rückspiel in der heimischen Allianz-Arena also vor einer großen Herausforderung, muss gegen eine Mannschaft, die mit einer in allen Teilen überzeugenden Darbietung nicht nur die Fußballwelt, sondern wohl auch sich selbst überraschte, mindestens zweimal treffen. Das ist natürlich nicht unmöglich – oder um es mit Thomas Müller zu halten: „Wir sind immer noch der FC Bayern. Es wäre kein Fußballwunder, wenn wir ein Heimspiel 2:0 gewinnen sollten. Aber: Es steckt viel Arbeit drin.“ Trotz der unrühmlichen Nacht im Drachenstadion ist für den letzten in der Königsklasse verbliebenen Bundesliga-Vertreter noch nicht aller Tage Abend. Vorteil Porto.

Neymar brachte den FC Barcelona im Parc des Princes auf die Siegerstraße.

Neymar brachte den FC Barcelona im Parc des Princes auf die Siegerstraße.

Für Paris Saint-Germain dagegen ist der Traum vom ersten Champions League Titel nach der 1:3-Heimniederlage gegen den FC Barcelona ausgeträumt. Ein Sieg mit drei Toren Unterschied im Camp Nou müsste her, dürfte aber trotz des dann wieder spielberechtigten Zlatan Ibrahimović nicht wirklich zur Debatte stehen. Einen ersten Warnschuss setzte Lionel Messi nach 14 Minuten noch an den Pfosten, kurze Zeit später allerdings bestrafte Neymar bedient vom Argentinier die löchrige Abwehr der Franzosen, die vom Anpfiff weg nie wirklich Zugriff auf die ballsicheren Katalanen bekommen hatte. Das änderte sich bis zur Pause nicht wesentlich, Marc-André ter Stegen im Barca-Tor wurde erst in Minute 49 von Javier Pastore erstmals auf die Probe gestellt, parierte den Aufsetzer aber problemlos. Anschließend machte der Tabellenführer der Primera División in Person von Luis Suárez Ernst. Gleich zweimal narrte der Uruguayer die PSG-Defensive, David Luiz bekam jeweils einen Beinschuss, zwischen dem fünften und sechsten Suárez-Treffer des laufenden Wettbewerbs lagen nur zwölf Minuten. Barca zog auf 3:0 davon und hatte zudem in ter Stegen einen aufmerksamen Torhüter, der in der Zwischenzeit gegen Edinson Cavani mit einer Glanzparade rettete, in der Schlussphase aber vom eigenen Mitspieler bezwungen wurde. Jérémy Mathieu lenkte den Schuss des Niederländers Gregory van der Weil in die eigenen Maschen. Einziger Wermutstropfen bei den Spaniern die Verletzung von Andrés Iniesta, der nach einem Foul von Pastore ausgewechselt werden musste und sich den Rücken hielt. Für PSG indes besteht nach der 1:3-Niederlage im Parc des Princes keine Hoffnung mehr, das Team von Luis Enrique in dieser Verfassung einfach eine Nummer zu groß. Klarer Vorteil Barcelona.

Redaktion Magath & Fußball