Kein Titel zum Abschied


Veröffentlicht am 20. April 2015

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Arsenal und Aston Villa im FA Cup Finale

Das größte Geschenk zu seinem 35. Geburtstag hätte sich Steven Gerrard am 30. Mai wohl am liebsten selbst gemacht – an ebendiesem Samstag in sechs Wochen steigt im Wembley Stadion das Endspiel um den FA Cup. Das 90.000 Zuschauer fassende Rund im Londoner Stadtbezirk Brent wäre für die Liverpooler Clublegende die perfekte Bühne gewesen, um sich nach 26 äußerst verdienstvollen Jahren mit einer Trophäe in den Händen gebührend von seiner großen Fußballliebe zu verabschieden. Für den FC Liverpool hätte sich eine schwierige Saison mit mehr Tiefen als Höhen auf den letzten Metern doch noch zum Guten wenden sollen, der erste Titel seit dem League Cup-Gewinn 2012 im Finale gegen Cardiff City stand im Raum und war irgendwie auch fest eingeplant. Doch daraus wird nichts. Mit einer überraschenden 1:2-Niederlage gegen Aston Villa – ausgerechnet in jenem Stadion, wo das Drehbuch für den langjährigen Kapitän der Reds eigentlich ein Happy End vorgesehen hatte – fand dieser Traum ein bitteres Ende.

Dabei war der Favorit nach einer halben Stunde sogar in Führung gegangen. Philippe Coutinho wurde von Raheem Sterling freigespielt, startete mit Tempo in den Sechzehner und ließ Shay Given keine Chance. Die Freude bei Brendan Rodgers und den Seinen aber währte nicht lange: Nur sechs Minuten später war Christian Benteke zur Stelle und glich aus. Der belgische Sturmtank dieser Tage ohnehin in bestechender Form und mit acht Toren in seinen letzten sechs Premier League Auftritten maßgeblich daran beteiligt, dass sich Aston Villa im Abstiegskampf kürzlich etwas Luft verschaffen konnte. Mann des Tages bei den inzwischen von Tim Sherwood trainierten Villans aber ein anderer: Fabian Delph hatte zunächst für Benteke aufgelegt und traf nach 54 Minuten zum 2:1. Jack Grealish hatte den dreifachen englischen Nationalspieler auf Höhe des Fünfmeterraums angespielt, Delph versetzte gleich zwei Liverpooler Gegenspieler mit einer geschickten Körpertäuschung und schoss anschließend ins kurze Eck. Die Sensation damit perfekt, Liverpool nach einer einigermaßen enttäuschenden Darbietung ausgeschieden. Bei Steven Gerrard machte sich die fehlende Spielpraxis bemerkbar, es war sein erster Startelf-Einsatz nach zwei Monaten. Beinahe wäre ihm bei seinem wohl letzten Wembley-Auftritt in der Schlussphase sogar noch ein Treffer geglückt, der ehemalige Fulham-Spieler Kieran Richardson aber klärte seinen Kopfball auf der Torlinie und sicherte den ersten Finaleinzug Aston Villas seit 15 Jahren.

Im anderen Halbfinale hatte der FC Arsenal gegen den FC Reading deutlich mehr Mühe, als man es im Vorfeld erwarten durfte. Ein Klassenunterschied über weite Strecken nicht zu erkennen. Spätestens mit dem Führungstreffer von Alexis Sánchez kurz vor der Halbzeit, so dachte man, sei der Widerstand des Zweitligisten gebrochen. Doch der derzeitige Tabellen-19. der Championship kam nach 54 Minuten durch Garath McCleary zum Ausgleich und rettete sich bis in die Verlängerung. Dort hatte Arsenal, in der Premier League so etwas wie das Team der Stunde, das bessere Ende für sich. Wieder war der Chilene Sánchez zur Stelle, der die Gunners auf Vorlage von Mesut Özil ins Finale schoss.

Bereits im vergangenen Jahr gewannen die Londoner durch einen 3:2-Sieg über Hull City in der Verlängerung den Pokal und schicken sich nun an, diesen Titel zu verteidigen. Elf FA Cup Triumphe bedeuten Gleichstand mit Manchester United – nun also die große Chance für Arsène Wenger und den FC Arsenal, die Red Devils in dieser Statistik hinter sich zu lassen und mit einem möglichen zwölften Titelgewinn in der kommenden Saison als alleiniger FA Cup Rekordsieger zu firmieren. Aston Villa dagegen schielt auf den achten FA Cup Sieg seiner Vereinsgeschichte und könnte dann sowohl Liverpool als auch Chelsea überflügeln. Beide haben den ältesten Fußball-Wettbewerb der Welt siebenmal gewonnen, Tottenham sogar achtmal.

Redaktion Magath & Fußball