Kleine Erbse ganz groß


Veröffentlicht am 23. April 2015

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Real Madrid und Juventus Turin komplettieren Halbfinale

Der Bann ist gebrochen, Real kann ein Stadtderby doch noch gewinnen. Der erste Sieg über Atlético im achten Vergleich der laufenden Spielzeit brachte die Königlichen auf dem Weg in Richtung Titelverteidigung in der Königsklasse einen wichtigen Schritt voran. Die Madrilenen haben damit ein Stückchen Fußballgeschichte weiterhin in der eigenen Hand, denn noch nie gelang einem Champions League Sieger die Wiederholung seines Triumphs im darauffolgenden Jahr. Das goldene Tor des Abends im Bernabéu erzielte in Minute 88 ausgerechnet der Mexikaner Javier Hernández, ausgeliehen bis zum Saisonende von Manchester United. Chicharito, „die kleine Erbse“, war für den verletzten Karim Benzema in die Bresche gesprungen und belohnte sich auf Vorlage von Cristiano Ronaldo per Abstauber für einen engagierten Auftritt. Am knappen und dem Spielverlauf letztlich entsprechenden 1:0-Erfolg Reals waren auch zwei Deutsche beteiligt. Zum einen natürlich Toni Kroos, der als Schaltzentrale vor der Abwehr aufseiten der Hausherren gewohnt unaufgeregt und passsicher operierte. Und zum anderen Dr. Felix Brych, der mit einer durchaus zweifelhaften Entscheidung dem Spiel eine entscheidende Wendung gab.

Es lief die 76. Spielminute, als Arda Turan im Kampf um einen aufspringenden Ball am gegnerischen Strafraum mit gestrecktem Bein Sergio Ramos attackierte. Der Spanier – selbst kein Kind von Traurigkeit – sank schreiend wie theatralisch darnieder, Brych schritt zur Tat und zeigte Turan die gelb-rote Karte. Das Foul in diesem Bereich des Spielfelds zugegeben einigermaßen überflüssig, dennoch eine Szene, wie sie im traditionell äußerst heißblütig und selten zimperlich geführten Derbi madrileño zu Hundertern vorkommt. Natürlich wird die Entscheidung des 39-jährigen Unparteiischen aus München regeltechnisch gedeckt, man kann hier ohne Frage die gelbe Karte zeigen. Mit dem berühmten Fingerspitzengefühl, das sich von außen stets wunderbar herbeireden lässt, hätte es Brych in dieser Phase der Partie wohl aber auch bei einer letzten deutlichen Ermahnung an die Adresse des Türken belassen können. Zumal Brych selbst eine klare Linie in einer sehr schwierig zu leitenden Begegnung allzu oft vermissen ließ. Der Platzverweis für Atléticos Mittelfeldmotor sicher die entscheidende Szene dieses Viertelfinals, Real in Überzahl in den letzten Minuten noch dominanter und schließlich auch mit dem Glück des Tüchtigen. Trotz der Ausfälle von Benzema, Marcelo, Gareth Bale und Luka Modrić im Rückspiel war das Team von Carlo Ancelotti über die kompletten 180 Minuten betrachtet das gefährlichere weil aktivere. Real Madrid steht deshalb nicht unverdient zum fünften Mal in Serie in einem Champions League Halbfinale.

Giorgio Chiellini und Arturo Vidal nehmen Geoffrey Kondogbia in die Zange. Es hätte Elfmeter geben müssen.

Giorgio Chiellini und Arturo Vidal nehmen Geoffrey Kondogbia in die Zange. Es hätte Elfmeter geben müssen.

Erstmals seit fünf Jahren und dem Titelgewinn von Inter Mailand unter José Mourinho gehört mit Juventus Turin wieder ein Vertreter der italienischen Serie A zu Europas Top Four. Der Mannschaft von Massimiliano Allegri reichte nach dem knappen 1:0-Erfog vor heimischem Publikum dazu ein torloses Unentschieden im Fürstentum. Bezeichnenderweise wurde auch dieses Viertelfinale weniger von den Spielern als durch einen zweifelhaften Schiedsrichterpfiff entschieden: Pavel Královec aus Tschechien war der Unglücksrabe des Hinspiels und auch im Rückspiel haderten die Franzosen mit den Ansichten des Schotten William Collum, der Raubein Giorgio Chiellini eigentlich vom Platz hätte stellen müssen und Monaco obendrein einen Elfmeter verwehrte. Unter den Augen von Fürst Albert war der AS klar tonangebend, allen voran Geoffrey Kondogbia verdiente sich Bestnoten, allein es fehlten die ganz großen Gelegenheiten. Juve, wie man es kennt, mit humorloser Abwehrarbeit, beinahe ohne Ausreißer in der Offensive. Monaco mit zunehmender Spieldauer jedoch nicht mehr in der Lage, die Alte Dame aus der Reserve zu locken. Juventus nunmehr in neun seiner letzten zehn Pflichtspiele ohne Gegentreffer und nach zwölf Jahren – in der Saison 2002/2003 verlor Juve das Finale gegen den AC Mailand mit 2:3 nach Elfmeterschießen – endlich wieder im Halbfinale der Champions League. Zwar ist es derzeit nur schwer vorstellbar, dass es für die Bianconeri gegen Bayern, Barca oder Real zum Finaleinzug reichen könnte, abschreiben aber sollte man Italiener bekanntlich nie. Berlin für die beiden Altmeister Gianluigi Buffon und Andrea Pirlo zudem eine Stadt voll guter Erinnerungen – und längst wieder in Sichtweite.

Das Viertelfinale in der Champions League

Atlético Madrid – Real Madrid 0:0
Real Madrid – Atlético Madrid 1:0 (0:0)

Juventus Turin – AS Monaco 1:0 (0:0)
AS Monaco – Juventus Turin 0:0

Paris St. Germain – FC Barcelona 1:3 (0:1)
FC Barcelona – Paris St. Germain 2:0 (2:0)

FC Porto – FC Bayern München 3:1 (2:1)
FC Bayern München – FC Porto 6:1 (5:0)

Die Halbfinal-Auslosung steigt am Freitag, 24. April, ab 12 Uhr (MESZ) in Nyon.

Redaktion Magath & Fußball

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