Europa League sieht Schwer- und Leichtgewichte


Veröffentlicht am 24. April 2015

1 Flares 1 Flares ×

imago19655292m_c

Wolfsburg, Kiew und Brügge chancenlos, St. Petersburg knapp gescheitert

Einer kommt immer mit der breiten Brust des Titelverteidigers daher. Dieser ging in Form des FC Sevilla in der sechsten Minute durch einen von Carlos Bacca verwandelten Elfmeter fragwürdiger Natur überraschend mit 1:0 gegen Gastgeber Zenit St. Petersburg in Führung, verlegte sich umgehend auf Defensive und Konter, das Spiel kippte einseitig in die Regie der Russen. In dieser Phase nutzte Zenit sein hoher Anteil Ballbesitz dennoch nichts, man schoss einfallslos aus der Distanz, war ansonsten ratlos. Erst nach der Pause brachte man in der 48. Minute den Ball zum 1:1 ins Tor, Salomón Rondón der Schütze. Danach erhöhte der Gastgeber deutlich das Tempo und erspielte sich Chancen im Minutentakt. Allein ein weiterer Abschluss sollte vorerst nicht gelingen. Petersburg bot guten Fußball, Sevilla wankte. In der 72. Minute besorgte Hulk das längst überfällige 2:1 für Zenit, der Rückstand aus dem Hinspiel war aufgeholt. Der Vorjahressieger FC Sevilla hat nicht mehr die Leichtigkeit der letzten Spielzeit und des dortigen Triumphzugs durch die Europa League. Die Kaltblütigkeit im Angesicht einer drohenden Niederlage blieb der Truppe von Trainer Unai Emery erhalten. In der 85. Minute schlug Kevin Gameiro zu, machte nicht nur den 2:2-Ausgleich, sondern gleichzeitig das Halbfinale möglich. Die Chance auf eine Titelverteidigung lebt weiter. Dabei sicher der SSC Neapel härtester Widersacher. Die Neapolitaner hatten in zwei Spielen den letzten deutschen Teilnehmer auf dem Prüfstand.

Der VfL Wolfsburg wurde von den Italienern gewogen und (noch) für zu leicht befunden. Als der SSC Neapel – gespeist durch einen leichtfüßigen 4:1-Auswärtssieg – auch in den eigenen vier Wänden 2:0 durch José Callejón und Dries Mertens führte, gedanklich schon im Feierabend und Halbfinale weilte, durfte Wolfsburg noch zwei späte Tore durch Timm Klose und Ivan Perišić zum 2:2-Ausgleich beisteuern. Somit endete der bunte Betriebsausflug nicht erfolgreich aber versöhnlich. Nun warten Champions League Teilnahme und Vizemeisterschaft auf den Verein aus der niedersächsischen Provinz, die zweiterfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte zeichnet sich ab. Zufriedenheit in Wolfsburg, zumindest im Fußball.

Zufrieden mit dem Weiterkommen – wohl nicht mit der letzten Viertelstunde – Neapel-Trainer Rafael Benítez. Dieser entspringt, wie Arsène Wenger, Manuel Pellegrini oder Felix Magath der Erwachsenenwelt des Fußballs, infantile Showeinlagen sind seine Sache nicht. Seine sachliche Arbeit brachte mit dem FC Valencia zweimal den spanischen Titel gegen die Giganten Barca und Real, machte den FC Liverpool zum Champions League Triumphator und FA-Cup Gewinner, ließ den FC Chelsea zum Europa League Sieger werden und Inter Mailand die FIFA Club WM gewinnen. In England würden ihn Fans, die er achtet und schätzt, wie Medien, die er auf Distanz hält, liebend gerne zurück in der Premier League sehen. Beim FC Liverpool ist seine Rückkehr heiß ersehnt, bei Manchester City sein Name derzeit füllendes Programm. Benítez interessieren diese Spielarten der Eventwelt des Fußballs nicht, er konzentriert sich auf seinen Club, will – wie schon 2013 mit dem FC Chelsea – erneut den kleineren der europäischen Titel. Mit ihm hat der SSC Neapel durchaus einen Sieggaranten an der Seitenlinie. Der Mann weiß wie man Titel holt und wichtige Spiele gewinnt. Die Frage des Wettbewerbs lautet wohl auch für Benítez: Neapel oder Sevilla? Allerdings gibt es noch zwei Halbfinalisten, die sich nicht kampflos ergeben und diese Frage gerne erweitern wollen.

imago19655282m_c

Ein weiteres Team vom Stiefel trat ebenfalls souverän auf. Der AC Florenz in beiden Partien die bessere Mannschaft und völlig verdient im Halbfinale. Ein 2:0-Heimsieg im Stadio Comunale Artemio Franchi reichte dank des 1:1 aus dem Hinspiel. Den Entscheidungstreffer setzte Mario Gómez in der 43. Spielminute. Das 2:0 durch Juan Manuel Vargas war dann in der dritten Minute der Nachspielzeit nur noch zusätzliches Sahnehäubchen auf die anstehende Semifinalteilnahme der Fiorentina. Dynamo Kiew kein gleichwertiger Gegner. Der ehemalige Topclub, einst unter Trainerlegende Walerij Lobanowskyj eine europäische Größe, aktuell mit seiner Leistung in beiden Partien zu leichtgewichtig. In der vierten Partie des Abends machten Dnipro Dnipropetrowsk und der FC Brügge nahtlos weiter, wo sie im Hinspiel aufhörten, boten auch im Rückspiel die schwächste Partie des Viertelfinals. Vor heimischer Kulisse Dnipropetrowsk dabei mit der deutlich besseren Vorstellung. Defensiv ließen sie nichts anbrennen, standen sicher und konnten gegen harmlose Belgier auf Offensive setzen. Dnipro ging sehr spät aber äußerst verdient in Führung. Yevhen Shakhov steuerte in der 82. Minute das goldene 1:0 bei, schoss den ukrainischen Gastgeber ins Halbfinale und bewahrte alle Beteiligten vor der drohenden Verlängerung. Die Karawane Europa League zieht nun ohne deutsche Beteiligung weiter. Zwei Italiener, eine ukrainische Mannschaft und der spanische Titelverteidiger schauen in den Lostopf und blicken Richtung Halbfinale.

Das Viertelfinale in der Europa League

FC Sevilla – Zenit St. Petersburg 2:1 (0:1)
Zenit St. Petersburg – FC Sevilla 2:2 (0:1)

FC Brügge – Dnipro Dnipropetrowsk 0:0
Dnipro Dnipropetrowsk – FC Brügge 1:0 (0:0)

Dynamo Kiew – AC Florenz 1:1 (1:0)
AC Florenz – Dynamo Kiew 2:0 (1:0)

VfL Wolfsburg – SSC Neapel 1:4 (0:2)
SSC Neapel – VfL Wolfsburg 2:2 (0:0)

Die Halbfinal-Auslosung steigt am Freitag, 24. April, ab 13 Uhr (MESZ) in Nyon.

Redaktion Magath & Fußball

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookShare on LinkedInEmail this to someone