Hoch und Tief in der Premier League


Veröffentlicht am 26. April 2015

1 Flares 1 Flares ×
Romelu Lukaku und der FC Everton obenauf.

Romelu Lukaku und der FC Everton obenauf.

Spitzenspiel Arsenal London – FC Chelsea kein Fußballhighlight

In einigen Partien des 34. Spieltages auf der Insel war Feuer unterm Dach, der Rest mühte sich eher über die Runden. London sah in Form des Derbys Gunners vs. Blues kein rasantes Spitzenspiel, sondern eher Rasenschach, mit der federführenden Handschrift  von José Mourinho. Mitreißenden Fußball für das Fanherz gab es eher im St. Mary’s Stadium in Southampton und im Goodison Park zu Liverpool, in London auf dem Rasen des Emirates Stadium dagegen schwergängige Ware. Statistiken sind oft Mumpitz und nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Ähnlich verhält es sich mit großen Erwartungen. Das Spitzenspiel Arsenal gegen Chelsea hielt wenig von dem, was sich viele versprachen. In heutiger Zeit kann aber kaum noch eine ausgerufene Spitzenpartie halten, was eine überbordende Vorberichterstattung aufbaut. Zurück zur Statistik. Schiedsrichter Michael Oliver trat den fleischgewordenen Beweis für wetterwendische Datenwahrheit in Form seiner eigenen Arbeit an. Galt er vor dem Anpfiff als elfmeterfreudigster Schiedsrichter der Premier League, zeigte er im Spiel, wie man einen vorhandenen Ruf schnurstracks pulverisieren kann. Über seine Arbeit lässt sich trefflich schreiben und im Nachklang zum spannungsarmen Duell auch hingebungsvoll streiten.

Die Teams auf dem Feld trugen schon in Halbzeit eins wenig zu einer feurigen Berichterstattung bei. Man belauerte und belagerte sich mit den altbekannten Instrumenten. José Mourinho musste dabei weiter auf Torgarant Diego Costa verzichten, lief ohne gelernten Mittelstürmer auf und stellte Eden Hazard ins Sturmzentrum. Sein Antipode Arsène Wenger vertraute dem Grundgerüst, welches in den letzten Wochen Erfolg auf Erfolg im Ligaalltag türmte und die Gunners auf Platz zwei führte. Danny Welbeck und Theo Walcott am Start nur auf der Bank. Referee Oliver gab in der siebten Minute einen möglichen Elfmeter für Chelsea nicht, Héctor Bellerín war Oscar in die Hacken gelaufen, Strafstoß durchaus im Bereich des Möglichen. In der 16. Minute wieder Oscar in Aktion, im Arsenal-Strafraum räumt ihn Torwart David Ospina von den Beinen, sehr oft zieht so etwas auch Strafstoß nebst Roter Karte nach sich. Mourinho beginnt an der Seitenlinie zu schmunzeln, ein Zeichen höchster Gefahr. In der 23. Minute fällt Cesc Fàbregas zu südländisch, Santi Cazorla der Übeltäter. Auch hier wäre ein Strafstoß für Chelsea regelgerecht gewesen. Mittlerweile lacht Mourinho, während Arsène Wenger einen peinlich berührten Eindruck macht. In der 34. Minute Fehlentscheidung einmal im anderen Strafraum. Gary Cahill blockt im Fallen einen straffen Schuss von Cazorla mit dem Arm ab, der Pfiff bleibt auch hier aus. Für Erbsenzähler würde es nun 3:1 für Chelsea stehen. Ansonsten ein temporeiches aber wenig effektives Agieren von Arsenal und defensive Stabilität in den Reihen der Blues. Man verlagerte das Spiel hauptsächlich zwischen die Strafräume, in den Strafräumen passierte beidseitig zu wenig, man ging den Gefahrenzonen instinktiv aus dem Weg. Chelsea wollte nicht so recht, war zufrieden mit dem Verlauf. Arsenal dagegen konnte offensichtlich nicht umsetzen, was man sich vorgenommen. Die Höhepunkte einer streckenweise intensiven ersten Halbzeit sind erzählt. Ob die Beteiligung von Herrn Oliver an den vier Schlüsselszenen des ersten Durchgangs zu seiner Nominierung in das Team der Three Lions durch Roy Hodgson nach sich zieht, ist dem Berichterstatter zu diesem Zeitpunkt unbekannt. Vielleicht ist dies aber auch nur der hilflose Anflug von britischem Humor im Angesicht der spielerischen Tristesse.

Elfmeter – ja oder nein? Nicht nur in dieser Szene die Gretchenfrage im Spitzenspiel.

Elfmeter – ja oder nein? Nicht nur in dieser Szene die Gretchenfrage im Spitzenspiel.

In der zweiten Hälfte nahm Chelsea das Tempo völlig aus dem Spiel, beraubte Arsenal seiner stärksten Waffe, die aber schon in Halbzeit eins eher unscharf daherkam und Mourinhos Mannschaft nie ernsthaft gefährdete. Die Blues neutralisierten die Gunners damit vollständig. Das Mourinho-Team genoss es förmlich, wie die Arsenal-Truppe sich endgültig müde lief und letzten Elan verlor. Wechsel auf beiden Seiten brachten dem Spiel ihrer Teams keinerlei neue Impulse. Ratlosigkeit machte vor allem beim Gastgeber die Runde. Erst in der 90. Minute loderte eine Art Schlussoffensive für die kommenden vier Nachspielminuten beim Wenger-Team auf. Arsenal versuchte einiges, es kam aber kaum etwas dabei rum, es fehlten die Mittel. Bei dem hinterlassenen Eindruck fehlt auch die Phantasie, wie die Männer von Manager Arsène Wenger in der nächsten Saison dem Abramowitsch-Club Paroli bieten wollen. Chelseas kühle Sachlichkeit, die knallhart am Ergebnis orientiert daherkommt und sich um Optik wenig schert, holte den anvisierten Punkt mit großer Sicherheit und der Souveränität eines Champions. Am nächsten Spieltag kann auf dieser Grundlage der Titel vorfristig und endgültig eingeholt werden.

Die anderen Partien des 34. Spieltages

In einer vom FC Southampton engagiert und dynamisch geführten Partie gegen Tottenham Hotspur ging das Heimteam zweimal hochverdient mit 2:0 in Führung. Graziano Pellè erzielte beide Treffer und war Motor einer guten Offensive. Das bisherige Paradepferd der Südengländer, die beste Defensive der Premier League, leistete sich allerdings zwei Unaufmerksamkeiten, die von den ansonsten recht pomadig daherkommenden Londonern zum Ausgleich genutzt wurden und diesen einen unverdienten Punkt bescherten. Unter der Woche hatte Tottenham-Trainer Mauricio Pochettino in die Runde gefragt, ob man eigentlich Europa League will. Da auch er es nicht schafft, die Schuhe von Harry Redknapp zu füllen und die Spurs auf Champions League Kurs zu bringen, sollte er diese kleinlichen Abfälligkeiten gegen die Europa League, die allerdings sehr typisch für den Inselfußball, vielleicht lassen, ein anderes Tor in den europäischen Fußball wird er nämlich nicht finden. Der FC Southampton – wenn auch nicht mehr so stark wie zu Saisonbeginn – wäre mit seinem erfrischenden Fußball eine Bereicherung für die nächste Europa League Saison.

Der FC Everton bewies im heimischen Goodison Park in eigener Sache wie verschenkt die Saison bisher verlief und wie tragisch der momentane Platz im grauen Tabellenmittelmaß. Sachkundige Fans, ein exzellenter Fachmann an der Seitenlinie und ein gutes Team mit ausgezeichneten Fußballern machen Spaß. Das Team kam allerdings nach der besten Everton-Saison der letzten zehn Jahre im Verlauf der aktuellen Spielzeit nicht in die Gänge, konnte nun endlich gegen Manchester United eindrucksvoll sein Potenzial abrufen und zeigen, wozu man in der Lage ist. Manager Roberto Martínez stellte dem 4-1-4-1 von Louis van Gaal die gleiche Grundaufstellung gegenüber. Seine Mischung funktionierte wesentlich besser und seine Mannschaft war mindestens einen Pulsschlag aktiver. Schon in der fünften Minute brachte James McCarthy die Toffees mit einer feinen Einzelleistung nach schnellem Konter 1:0 in Führung. Dann überließen die Liverpooler den Gästen das Mittelefeld und gerieten unter vermehrten Druck, konnten aber mit hellwacher Aufmerksamkeit, pfeilschnellen Kontern und dem Glück des Tüchtigen den Ausgleich verhindern. Als der Gastgeber sich wieder auf seine Offensivqualitäten besann, sah das Spiel umgehend ausgeglichener aus und führte zum zweiten Treffer für Everton in der 35. Spielminute. Ein sehr britischer Treffer. Ein scharfer Eckball präzise auf den Kopf von John Stones, der wuchtig zur 2:0-Führung einnetzte. Mit Radamel Falcao und Ángel Di María brachte van Gaal im Verlauf der zweiten Halbzeit noch zwei ausgewiesene Offensivkräfte, es sollte nichts nutzen. Außer einer Überlegenheit in Sachen Ballbesitz – bekanntes Muster ohne Wert – gab es für Manchester United nichts zu holen. Everton setze dagegen noch einen Treffer – wieder nach einem Konter – den Kevin Mirallas kaltblütig abschloss, 3:0 in der 74. Minute. Dies auch der Endstand, damit höchste Saisonniederlage der Red Devils. Ein erstaunliches Achtungszeichen schon vor Beginn auf dem Ansetzungsbogen: Der FC Everton begann sein Spiel mit neun Engländern in der Startformation, beachtlich und bemerkenswert, eine absolute Seltenheit auf der Insel. Kompliment an Trainer Roberto Martínez.

Fernandinho rettete City mit seinem Last-Minute-Treffer den knappen Heimsieg über Fabian Delph und Aston Villa.

Fernandinho rettete City mit seinem Last-Minute-Treffer den knappen Heimsieg über Fabian Delph und Aston Villa.

Zwei große Namen weiter mit Problemen, was zwei Manager weiterhin zu ständigen Gesprächsthemen der Medien macht und die Arbeit der Trainer Manuel Pellegrini und Brendan Rodgers nicht einfacher. Weiter werden Namen von Rafael Benítez über Pep Guardiola bis zu Jürgen Klopp durch Englands nördliche Industriemetropolen geistern. Meister Manchester City quälte sich zu einem 3:2-Heimsieg über Aston Villa, immerhin drei Punkte und Sicherung der Champions League Ambitionen. Der FC Liverpool dagegen kam mal wieder nicht über ein trostloses 0:0 hinaus, welches man vom Auswärtsspiel bei West Brom mitbrachte. Dem neutralen Betrachter fällt bei beiden Teams auf, der persönliche Ehrgeiz vieler sich für groß haltende Namen und Leistungsträger wie auch der der hochgejubelten Jungstars hat längst den sportlichen Elan überflügelt. Der Mix der Generationen stimmt bei beiden Teams nicht, die Einstellung zu harter Arbeit fehlt offenbar. So wird es für Manchester City auch nächste Saison nichts mit einem kleinen Erfolgszweig auf europäischem Champions League Boden und der FC Liverpool dieser Tage muss den Wettbewerb aller Begehr wohl auf lange Zeit abschreiben.

Barclays Premier League, 34. Spieltag

FC Burnley – Leicester City 0:1 (0:0)
Crystal Palace – Hull City 0:2 (0:0)
Newcastle United – Swansea City 2:3 (1:1)
Queens Park Rangers – West Ham United 0:0
Stoke City – AFC Sunderland 1:1 (1:1)
West Bromwich Albion – FC Liverpool 0:0
Manchester City – Aston Villa 3:2 (1:0)
FC Southampton – Tottenham Hotspur 2:2 (1:1)
FC Everton – Manchester United 3:0 (2:0)
FC Arsenal – FC Chelsea 0:0

Redaktion Magath & Fußball

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookShare on LinkedInEmail this to someone