Messi macht den Unterschied – Real enttäuscht


Veröffentlicht am 7. Mai 2015

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FC Bayern nach Horror-Schlussviertelstunde vor dem Aus – Juve bezwingt den Titelverteidiger

Große Spiele werden von großen Spielern entschieden, manchmal ist es so einfach. Auch der FC Bayern bot in Barcelona trotz des Ausfalls gleich mehrerer Schlüsselspieler über 75 Minuten eine gute wie taktisch disziplinierte Vorstellung, hatte sicher auch Glück, dass die Katalanen ihre Chancen vor der Pause nicht nutzten oder an Manuel Neuer scheiterten und der Partie deshalb bis in die Schlussphase hinein die Tore fehlten. Lange sah es in der zweiten Hälfte sogar so aus, als hätten Pep Guardiolas Münchner Barca den Zahn gezogen. Dann kam Lionel Messi. Der vierfache Weltfußballer lieferte binnen weniger Minuten einen eindrucksvollen Beleg seiner Klasse. Bestand nach dem Doppelschlag und den Champions League Treffern Nummer 76 und 77 des Argentiniers bis zuletzt noch ein Fünkchen Hoffnung auf den Finaleinzug, ist dieses spätestens nach Neymars Alleingang in der Nachspielzeit endgültig erloschen.

Nun ist es müßig, darüber zu diskutieren, was gewesen wäre, wenn Arjen Robben – in der Bundesliga mit 17 Treffern Bayerns erfolgreichster Torjäger – oder auch Franck Ribéry hätten im Camp Nou mitwirken können. Beide werden in dieser Saison wohl nicht mehr auf den Rasen zurückkehren, fallen mit Sicherheit auch für das Rückspiel am Dienstag in der Allianz-Arena aus. Ebenso hat es wenig Sinn, darüber zu streiten, wie dominant Barcelona hätte auftreten können, wenn wichtige Stützen aufseiten des deutschen Rekordmeisters – Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thiago – eine ebenso weitestgehend verletzungsfreie Spielzeit erlebt hätten, wie das Grundgerüst der Blaugrana. Das alles interessiert hinterher freilich herzlich wenig. Fakt aber ist, dass dieses Halbfinale unter ebenso völlig unterschiedlichen Voraussetzungen stattfindet, wie jenes vor zwei Jahren, das die Bayern nach Hin- und Rückspiel bekanntlich überdeutlich mit 7:0 Toren für sich entschieden, später in Wembley den Titel holten. Möglicherweise wird es in der kommenden Woche keine vier Barca-Tore in München geben, dennoch aber besteht an einem deutlichen und wohl ungefährdeten Weiterkommen der Mannschaft von Luis Enrique keinerlei Zweifel. Zu spielstark und gut das Offensivtrio Messi, Neymar und Luis Suárez, als dass es nicht auch in Deutschland treffen könnte.

Man wünschte sich schlicht ein Duell unter gleichen Voraussetzungen zwischen diesen beiden Giganten. Beide Teams auf dem Zenit ihrer Form und ohne Verletzungssorgen – das wäre es doch, Fußballherz was willst du mehr! Natürlich bleibt das wohl Utopie, in der Zeit aber, als es noch 0:0 stand, ließ sich zumindest erahnen, welchen Reiz eine solche Konstellation böte. Später machte allein der unvergleichliche Lionel Messi den Unterschied. Der 3:0-Sieg der Hausherren in der Summe vielleicht etwas zu hoch, lange verkauften sich die Gäste gegen den schon im Vorfeld als übermächtig eingestuften spanischen Tabellenführer gar nicht einmal schlecht, hatten durch Robert Lewandowski Mitte des ersten Durchgangs sogar die große Chance auf das so wichtige Tor in der Fremde. Unter dem Strich droht für Bayern und Pep Guardiola dennoch das zweite Halbfinal-Aus binnen einer Woche, in der Königsklasse gar das zweite in Serie. Der FC Barcelona dagegen steht nach dreijähriger Abstinenz unmittelbar vor der Rückkehr auf Europas größte Fußballbühne, die in diesem Jahr das Berliner Olympiastadion sein wird.

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Carlo Ancelotti hatte das schon vorher vermutet. „Mit so einer Leistung haben wir im Finale gegen Barcelona keine Chance“, formulierte der italienische Großmeister unmittelbar nach der verdienten 1:2-Niederlage bei seinen Landsleuten ziemlich zerknirscht. Juventus Turin, eine Art Angstgegner Reals, wurde seinem Ruf auch diesmal gerecht. Schon nach acht Minuten ging die Alte Dame in Führung. Ausgerechnet Álvaro Morata – vor der Saison für 20 Millionen Euro aus Madrid gekommen – der Torschütze gegen seinen alten Club, den Jubel verkniff er sich. Umso größer die Show dafür bei Cristiano Ronaldo, der auf Vorlage von James Rodríguez per Abstauber zum 1:1 traf. Die verbleibende Viertelstunde bis zur Pause dann die schwächste Phase der Gastgeber, Juve im Glück, dass James per Flugkopfball aus kürzester Distanz nur den Querbalken traf.

In Halbzeit zwei Juventus dann wieder tonangebend – und mit dem entscheidenden Konter im eigenen Stadion. Carlos Tévez zog nach einer Real-Ecke und einem geblockten Schussversuch von Marcelo noch in der eigenen Spielhälfte den Sprint an, lief bis in den anderen Strafraum und wurde dort von Daniel Carvajal elfmeterwürdig zu Fall gebracht. Ein klarer Strafstoß, den der Gefoulte selbst sicher verwandelte. Tévez nunmehr bei sieben Champions League Toren in dieser Saison. Während Juve nun erwartungsgemäß Beton anrührte, fiel der hochdekorierten Offensive der Königlichen kaum mehr etwas ein. Klare Real-Torchancen entstanden nicht, dafür hatten die Bianconeri kurz vor Schluss durch den eingewechselten Fernando Llorente noch zweimal die Möglichkeit, auf 3:1 zu stellen. Real wird sich strecken und steigern müssen am kommenden Mittwoch, wenn die Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung tatsächlich weiterbestehen soll. Juve kann auch im Bernabéu verteidigen, hat zudem die Qualität, jederzeit selbst zu treffen. Anders als in München dürfte es in Madrid also bis zum Schluss richtig spannend bleiben.

Champions League Halbfinale, Hinspiele

FC Barcelona – FC Bayern München 3:0 (0:0)
Tore: 1:0 Lionel Messi (77.), 2:0 Lionel Messi (80.), 3:0 Neymar (90.+4)

Juventus Turin – Real Madrid 2:1 (1:1)
Tore: 1:0 Álvaro Morata (8.), 1:1 Cristiano Ronaldo (27.), 2:1 Carlos Tévez (57., Foulelfmeter)

Redaktion Magath & Fußball