Juve und Barca fahren nach Berlin


Veröffentlicht am 14. Mai 2015

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Real verpasst erste Titelverteidigung – Bayern raus mit Applaus

Das Champions League Endspiel im Berliner Olympiastadion findet ohne Beteiligung einer deutschen Mannschaft statt, gegen einen FC Barcelona in Topform reichte es für die Bayern zwar immerhin zu einem knappen Sieg im Rückspiel, nicht aber zum Finaleinzug. Luis Enrique damit weiter auf Pep Guardiolas Spuren und im ersten Dienstjahr in Katalonien auf Triple-Kurs. In der deutschen Hauptstadt trifft die Blaugrana in dreieinhalb Wochen auf einen Gegner, dem wohl nur die Wenigsten vor Saisonbeginn einen solchen Husarenritt auf internationaler Bühne zugetraut hätten. Juventus Turin verhinderte den spanischen Clasico in Berlin, setzte sich in der Summe nicht einmal unverdient gegen Real Madrid durch und wird Barcas Offensivzauber – so viel ist jetzt schon sicher – ein knallhartes Abwehrbollwerk entgegenstellen.

Dass die Alte Dame aber weit mehr ausmacht als die traditionelle italienische Zerstörerkunst, demonstrierte Juve insbesondere im Hinspiel eindrucksvoll. Mit den schnell vorgetragenen Gegenstößen des alten wie neuen Serie A Champions hatten die Königlichen ihre liebe Mühe, durften sich am Ende sogar glücklich schätzen, dass es im Piemont bei der knappen 1:2-Niederlage blieb. Im Rückspiel Real zunächst klar tonangebend, wähnte sich nach Cristiano Ronaldos verwandeltem Strafstoß – vorausgegangen war ein umstrittener Zweikampf zwischen Raubein Giorgio Chiellini und dem federleicht zu Boden sinkenden James Rodríguez – bereits auf der Siegerstraße, ließ einige gute Gelegenheiten auf den Zwei-Tore-Vorsprung zur Pause aber leichtfertig verstreichen. Nach dem Seitenwechsel witterte das Team von Massimiliano Allegri allmählich Morgenluft. Ein Distanzversuch von Claudio Marchisio strich noch haarscharf am Tor vorbei, wenig später aber musste Real-Legende Iker Casillas hinter sich greifen. Ausgangspunkt natürlich ein von Andrea Pirlo getretener Freistoß, der den Kopf von Paul Pogba fand. Im Strafraumgetümmel nahm Álvaro Morata das Leder gekonnt mit der Brust herunter und traf per fulminantem Aufsetzer zum 1:1-Ausgleich, von dem sich die Ancelotti-Elf nie mehr wirklich erholte. Die frühe Entscheidung hatte 20 Minuten vor dem Ende erneut Marchisio auf dem Fuß, Casillas war jedoch zur Stelle und bewahrte den letzten Funken Hoffnung. Mehr als ein Paar Torannäherungen durch den enttäuschenden Gareth Bale konnte das Starensemble aber nicht mehr bewirken, Weltfußballer Ronaldo längst abgetaucht und ohne gefährliche Abschlüsse.

Die Champions League damit auch in ihrem 23. Jahr ohne Titelverteidiger – ausgerechnet der einstige Real-Jugendspieler Morata mit zwei Treffern hauptverantwortlich für das Ausscheiden Reals. Diese Randnotiz durchaus ein Beleg für den Größenwahn bei den Königlichen, die für ihr Offensivtrio mehr als 270 Millionen Euro locker machten, derweil jedoch das Sturmtalent aus den eigenen Reihen vor dieser Spielzeit leichtfertig gen Italien ziehen ließen. Das Ergebnis muss angesichts des Investitionsvolumens der vergangenen Jahre als ziemlich enttäuschend eingestuft werden – der Champions League Triumph vor Jahresfrist kann hier nicht als Allheilmittel dienen. 2014/2015 bleibt Real wohl ohne bedeutenden Titel.

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Auch der FC Bayern hatte sich vom laufenden Spieljahr fraglos ein Sammelsurium an Titeln und Pokalen erhofft, die 25. Deutsche Meisterschaft allerdings mehr als ein Trostpflaster. In den Pokal-Halbfinals war den Münchnern das Glück nicht hold, keine Spur mehr vom gut bekannten Bayern-Dusel. Wenigstens aber, das längst nicht selbstverständlich, verabschiedete sich der letzte verbliebene Bundesliga-Vertreter in Europa mit Würde und Stil, gewann das Rückspiel gegen Barca sogar verdient mit 3:2. Fürs Finale reichte das nach der deutlichen 0:3-Schlappe im Camp Nou freilich nicht mehr.

Tatsächlich keimte in der Allianz-Arena zu Beginn noch einmal so etwas wie der Glaube an ein Fußballwunder, der Marokkaner Medhi Benatia überwand Marc-André ter Stegen bereits nach sieben Minuten nach einer von Xabi Alonso getretenen Ecke zum frühen 1:0 für die Gastgeber. In der Folge jedoch demonstrierten die Fantastischen Drei im Barca-Sturm Spielfreude und Uneigennützigkeit: Ein genialer Pass von Lionel Messi durch die Schnittstelle sah Luis Suárez allein auf Manuel Neuer zulaufen. Der Uruguayer aber versuchte es nicht auf eigene Faust, sondern legte mit Übersicht quer auf Neymar, der die Kugel nur noch ins Netz schob. Die Chancen auf ein Weiterkommen der Bayern damit nahe dem Nullpunkt und erst recht gänzlich passé, als Messi ein Kopfballduell gegen Bastian Schweinsteiger gewann, wieder Suárez auf die Reise schickte und dieser in einer Kopie des Ausgleichstreffers Neymar bediente. Sichere Ballannahme, trockener Abschluss ins kurze Eck – das 1:2 aus Sicht der Hausherren natürlich das Ende jedweder Fantasien.

Es spricht für die Moral der Bayern, dass sie sich keineswegs hängen ließen, aggressiv blieben und die nicht immer sattelfeste Barca-Abwehr permanent weiter beschäftigten. Der hochverdiente Lohn schließlich der 2:2-Ausgleich nach knapp einer Stunde, herbeigeführt durch eine feine Einzelleistung von Robert Lewandowski, der erst Javier Mascherano alt aussehen ließ und dann ins recht untere Eck schlenzte. Eine Viertelstunde später stellte der unermüdlich rackernde Thomas Müller gar auf 3:2 und trieb die Seinen noch einmal nach vorne. Drei weitere Treffer waren aber selbst für starke Bayern ein Ding der Unmöglichkeit, natürlich geriet Barca nicht mehr in Gefahr.

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Das Auffälligste aufseiten des designierten spanischen Meisters in Durchgang zwei sicherlich die Einwechslung von Xavi Hernández für Andrés Iniesta. Xavi damit der erste Spieler, der die imposante Marke von 150 Champions League Einsätzen erreichte. Casillas tat es ihm einen Tag später gleich – beide nun gemeinsam an der Spitze der ewigen Aktivenliste in der Königsklasse vor Raúl (142), Ryan Giggs (141), Clarence Seedorf (125) und Paul Scholes (124). Xavi allerdings mit der Chance, in Berlin zumindest vorübergehend zum alleinigen Rekordhalter aufzusteigen. Möglicherweise jedoch stehen für den erst 33-jährigen Casillas in der kommenden Saison weitere Partien in Europas prestigeträchtigstem Wettbewerb bevor. Xavi dagegen hat zwar auch „erst“ 15 Lebensmonate mehr auf dem Buckel, wird dem europäischen Fußball und damit auch der Champions League im Sommer aber höchstwahrscheinlich den Rücken kehren.

Das Halbfinale in der Champions League

FC Barcelona – FC Bayern München 3:0 (0:0)
FC Bayern München – FC Barcelona 3:2 (1:2)

Juventus Turin – Real Madrid 2:1 (1:1)
Real Madrid – Juventus Turin 1:1 (1:0)

Redaktion Magath & Fußball

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