PSV, Olympiakos, Basel und Midtjylland


Veröffentlicht am 21. Mai 2015

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„Europas Meister“ – Teil II

Längst befinden sich Europas Ligen auf der Zielgeraden, einige sind sogar schon beendet. Es ist die Zeit des Fußballjahres angebrochen, in der Titel und Pokale vergeben, rauschende Meisterfeiern begangen werden. Im zweiten Teil unserer Serie „Europas Meister“ beschäftigen wir uns mit den neuen Titelträgern der niederländischen Ehrendivision, der griechischen Super League, der Raiffeisen Super League in der Schweiz sowie der ALKA Superligaen in Dänemark.

Niederlande = PSV Eindhoven

Die Titelserie von Ajax Amsterdam ist durchbrochen. Der holländische Rekordmeister gewann zuletzt vier Meisterschaften in Serie, in diesem Jahr allerdings war man gegen das Offensivfeuerwerk aus Eindhoven chancenlos. Seit dem zweiten Spieltag stand PSV ununterbrochen an der Tabellenspitze der Ehrendivision, der 22. Meistertitel mithin mehr als verdient und insbesondere auf die starke Offensivreihe zurückzuführen. 92 Tore in 34 Saisonspielen brachten nicht nur einen beachtlichen Schnitt von 2,7 Treffern pro Partie, sondern in der Endabrechnung überdeutliche 17 Zähler Vorsprung auf Ajax. 15 Siege bei nur zwei Niederlagen die eindrucksvolle Bilanz seit der Winterpause. Herausragend das Sturmduo Memphis Depay (22 Saisontore) und Luuk De Jong (20) – selbst Mittelfeldmann Georginio Wijnaldum (14) hat noch drei Treffer mehr auf dem Konto als der beste Ajax-Schütze Arkadiusz Milik. Der 30 Millionen schwere Wechsel von Toptalent Depay zu Manchester United die logische Folge einer Fabelsaison, weitere prominente Abgänge könnten folgen. Die Philips‘ Sport Vereniging zudem in Zukunft ohne den Namenszug des Amsterdamer Elektronikkonzerns auf der Brust, nach über 34 Jahren zieht sich Philips als Hauptsponsor zurück – Vereins- und Stadionnamen aber bleiben erhalten. Nach sechsjähriger Abstinenz kehrt die Champions League 2015/16 also ins Philips-Stadion zurück.

Griechenland = Olympiakos Piräus

Während hierzulande gerne über die zunehmende Bayern-Dominanz gemeckert wird, ist die Bundesliga von griechischen Verhältnissen glücklicherweise noch immer ein gutes Stück entfernt: In der Super League tütete „Thrylos“ (deutsch: Legende) kürzlich seinen 42. Meistertitel ein, 17 der zurückliegenden 19 Meisterschaften gingen damit an Olympiakos Piräus. Trotz des durchwachsenen Saisonstarts mit nur fünf Siegen aus den ersten neun Ligapartien kam die Mannschaft von Vítor Pereira mit zwölf Punkten Vorsprung vor Panathinaikos Athen ins Ziel, nachdem PAO aufgrund von Fan-Ausschreitungen nachträglich drei Punkte aberkannt wurden. National traditionell wenig gefordert, sorgte Olympiakos in dieser Spielzeit in der Champions League für umso größeres Aufsehen, als in der Gruppenphase drei Heimsiege über Atlético Madrid (3:2), Malmö FF (4:2) und Finalteilnehmer Juventus Turin (1:0) gelangen. Das Weiterkommen wurde dennoch um Haaresbreite verpasst. Auch in der Europa League schied Piräus im Februar inmitten einer Schwächephase gegen den späteren Finalisten Dnipro Dnipropetrowsk aus dem Wettbewerb. Sehr zum Unmut von Präsident Evangelos Marinakis, der sein Personal kurzerhand zur Kasse bat und mit einem unmissverständlichen Auftrag bedachte: „Olympiakos ist der größte Klub in Griechenland. Für jeden von euch ist es eine Ehre, für dieses Team zu spielen. Ihr müsst Olympiakos Respekt erweisen. Ihr werdet die Meisterschaft und den Pokal gewinnen.“ Teil eins der Mission längst erfüllt, am Samstag steigt das Pokalfinale gegen Skoda Xanthi.

Rein sportlich betrachtet winkt für den umstrittenen Olympiakos-Präsidenten Evangelos Marinakis ein versöhnliches Saisonende.

Rein sportlich betrachtet winkt für den umstrittenen Olympiakos-Präsidenten Evangelos Marinakis ein versöhnliches Saisonende.

Schweiz = FC Basel

Die sechste Meisterschaft in Serie ist dem schweizerischen FCB zwei Runden vor Saisonende nicht mehr zu nehmen, daran änderte unter der Woche auch die überraschende Niederlage beim abgeschlagenen Schlusslicht in Aarau nichts. Basel bleibt das bestimmende Fußballmaß im Land der Eidgenossen, der 18. Titel trotz veränderter Ausrichtung unter dem neuen Trainer Paulo Sousa ungefährdet und hochverdient. Shkelzen Gashi, albanischer Nationalspieler, führt mit 21 Treffern die Torjägerliste an, auch der ewige Marco Streller (elf Tore) traf einmal mehr zweistellig, gleiches gilt für seinen Landsmann Breel-Donald Embolo (zehn). Der nationale Titel allein ist beim FC Basel inzwischen jedoch keine ganz große Sache mehr. Die Meisterfeier im schmucken St. Jakob-Park nach einem torlosen Unentschieden gegen den einzigen Verfolger Young Boys Bern trug eher den Charakter eines Volksfestes denn einer rauschenden Party. Längst greift das Anspruchsdenken im Dreiländereck europäischen Raum. Zwei starken Spielzeiten in der Europa League – die Rot-Blauen erreichten 2012/13 das Halbfinale und 2013/14 das Viertelfinale – folgte in dieser Saison eine beachtliche Champions League Runde. In der Gruppenphase schaltete Basel Steven Gerrard und den FC Liverpool aus, zog zum zweiten Mal in seiner Geschichte ins Achtelfinale ein. Zwar folgte dort gegen den FC Porto das wenig überraschende Aus, allmählich aber etabliert sich der FCB im Konzert der Großen. Während der Käse in der Liga gegessen, wartet am 7. Juni im Pokalfinale der Schlusspunkt des Spieljahres. Gegen den FC Sion soll nach zwei Finalniederlagen endlich auch der Schweizer Cup wieder heimgeholt werden.

Dänemark = FC Midtjylland

Der FC Nordsjælland – immerhin in der Saison 2012/13 noch in der Champions League Gruppenphase vertreten und dort mit einem 1:1 gegen Juventus Turin ein staunendes Ausrufezeichen setzend – konnte die Meisterschaft nicht prägen, landete abgeschlagen im Mittelfeld. Serienmeister FC Kopenhagen erging es besser, man wurde Vize, womit in der Hauptstadt beim Favoritenclub niemand zufrieden. Den Titel holte sich der FC Midtjylland unter Trainer Glen Riddersholm. Der Verein aus Jütland wurde erst 1999 gegründet und versetzte dank des ersten Titels eine ganze Region in Fußballekstase. Mit Martin Pusić (14 Saisontore) ein Österreicher der beste Schütze, dicht gefolgt vom Dänen Morten Rasmussen (13). Auch auf den Nigerianer Sylvester Igboun (neun) und Pione Sisto (acht) aus dem Sudan war Verlass. Das Quartett damit für 44 der bislang 60 Treffer Midtjyllands verantwortlich – Esbjerg fB, das Team mit den zweitmeisten Toren in der Superliga, traf dagegen nur 42-mal. Die letzte Partie beim bereits als Absteiger feststehenden FC Vestsjaelland nicht mehr als ein entspannter Betriebsausflug. Bei einem weiteren Sieg heute Abend hätte man den FC Kopenhagen auf rekordverdächtige zwölf Punkte distanziert.

Mit bislang 14 Ligatreffern hatte Martin Pusić (links) großen Anteil an der ersten Meisterschaft des FC Midtjylland.

Mit bislang 14 Ligatreffern hatte Martin Pusić (links) großen Anteil an der ersten Meisterschaft des FC Midtjylland.

In der Serie „Europas Meister“ bereits erschienen:

Teil I – PSG, Benfica, Celtic und Zenit

Redaktion Magath & Fußball