Der Nächste, bitte!


Veröffentlicht am 26. Mai 2015

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Bei Real Madrid nichts Neues: Schuld hat der Trainer

Florentino Pérez weiß wenig über Fußball. Sein königliches Vermögen sichert dem Milliardär allerdings seit dem Jahr 2000 – mit einer Unterbrechung von 2006 bis 2009 – die Präsidentschaft von Real Madrid. Einer der großen Sonnenkönige des Fußballs, hält er viel von Stars und deren Glamour, wenig von auf den Sport fixierten Spielerpersönlichkeiten und noch weniger vom Beruf des Trainers. Wie Perlen zieht er sich die aktuellen Stars der Szene auf seine Kette und in den ihm hörigen Club. Sobald deren Glitzer an Strahlkraft verliert, wirft es sie auf den kontinentalen Verwertungsmarkt zurück. Ob Stars auch Fußballer sind, diese zum Verein, zum Trainer, zu Mitspielern oder zu einem System passen, ist ihm völlig egal, sie müssen Glanz versprühen und sie müssen berühmt sein, dann will er sie haben. Koste es was es da wolle. Idealer Pérez-Fußballer ist daher die Diva Cristiano Ronaldo, ein Medien- und Werbestar par excellence hat er den Mannschaftssport Fußball zu einer Ein-Mann-Show gemacht und die Beckhamisierung der Sportart Fußball mächtig vorangetrieben. Längst ist er eine Art König der Untrainierbaren, der ein Wort wie Defensivarbeit als persönliche Beleidigung abtun darf. Der Name des Trainers ist in diesem Geflecht fast eine Randnotiz.

Der Schuldenberg von Real hält mit der Ansammlung von Stars locker mit und wird immer größer. Die 2014 vorgelegten Geschäftszahlen wiesen trotz des Champions League Gewinns und den damit generierten Einnahmen in der vergangenen Spielzeit 602 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus. Viel Rost unter dem königlichen Glanz. Wie nach den Stars giert Pérez nach Titeln, es sollte schon jährlich die Champions League sein, der Meistertitel und stets der eine Schritt vor Barca, dann ist der Bauunternehmer einigermaßen gesättigt. Ist dies nicht der Fall, wird meistens der Trainer verspeist. In diesem Gefüge sind tatsächlich Übungsleiter unterwegs. Diese gehören zu den bestbezahlten Leuten ihrer Zunft, müssen dafür mit einer äußerst geringen Halbwertzeit leben. Zu den von Florentino Pérez vor die Tür gesetzten Trainern gehört die Crème de la Crème der Gilde. Unter anderem befinden sich Vicente del Bosque, Vanderlei Luxemburgo, Manuel Pellegrini, José Mourinho und nun Carlo Ancelotti in diesem erlauchten Kreis. Del Bosque gewann die Champions League zweimal, Ancelotti einmal, dennoch kam die Kündigung. In den letzten 20 Jahren brachte es Real Madrid auf 17 Trainer. Der Erzrivale FC Barcelona kommt im gleichen Zeitraum auf 13 Übungsleiter. Nachhaltigkeit ist auch im spanischen Fußball ein Fremdwort.

Bei Real und Pérez darf sich nun bald der nächste versuchen. Rafael Benítez gilt als heißer Kandidat. Rafa soll wie alle seine Vorgänger Wunschkandidat von Pérez sein. Benítez ist eine gewichtige Adresse im Trainerolymp. Als Spieler war der in Madrid geborene Spanier nur mäßig unterwegs, darin nur knapp besser als der ewige Rivale José Mourinho, der als Fußballer nichts vorzuweisen. Von 1974 bis 1981 war Rafa Benítez bei Real Madrid Castilla, der zweiten Mannschaft der Königlichen unterwegs, die von 1993 bis 1995 auch eine seiner ersten Trainerstationen. Von da an ging es bergauf. Benítez zeichnet verantwortlich für einige Glanzpunkte der jüngeren Fußballgeschichte. Zu seinen Stationen gehörte stetiger Erfolg. Mit dem FC Valencia wurde er zweimal spanischer Meister, ließ dabei Barca und Real alt aussehen und hinter seinem Team. Dem FC Liverpool bescherte er einen legendären Champions League Sieg und holte den FA-Cup, mit Inter Mailand gewann er den italienischen Supercup, mit dem SSC Neapel wurde er italienischer Pokalsieger. Den FC Chelsea führte er 2012/13 zum Sieg in der Europa League. Als diese noch UEFA Cup hieß, gewann er selbigen Cup 2003/04 mit dem FC Valencia. Eine Trainer-Vita die sich sehen lassen kann. Benítez besitzt durchaus fundiertes Handwerkszeug, um Real Madrid mal wieder das begehrte Double aus Meisterschaft und Champions League Sieg ins Haus zu holen. Der 55-Jährige ist im besten Traineralter und hat das Format, einem Team und einem Verein seinen Stempel aufzudrücken. In Liverpool und Valencia schwärmen sie heute noch von den Benítez-Jahren. So weit wird es aber Florentino Pérez und sein Starensemble dann doch nicht kommen lassen. Vor den Erfolg haben die Fußballgötter im Fall Real nicht nur den Schweiß gesetzt, sondern auch noch diese Dauerhürde namens FC Barcelona. Man ist gespannt wie es wird und ahnt wie es kommt.

Redaktion Magath & Fußball