Unantastbar!


Veröffentlicht am 29. Mai 2015

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FIFA Mehrheit wählt den moralischen Niedergang

Der Herbst des Patriarchen endet nicht. Diese neueste Krönung des Sepp Blatter ist eine weitere Ohrfeige für den Fußball und seine Fans. Der Usurpator siegt nach Belieben. Blamiert sind vermeintliche Gegner, die das Wort Opposition nicht verdienen. Schon am Vortag machten markige Sprüche Schlagzeilen und blieben ohne jeden Wirkungstreffer. Die UEFA muss sich diesen Blatter-Triumph ankreiden. Große Töne und vielschichtiges Palaver, an deren Ende nicht mal ein starker Gegenkandidat oder ein Boykott der Blatter-Show stand. Am Krönungstag kein kritischer Satz der Europäer, kein flammendes Plädoyer gegen Blatter, man blamierte sich mit peinlichem Schweigen. Zu wenig um einen skrupellosen Machtmenschen zu verdrängen und dessen Stimmblöcke in die Schranken zu weisen. Uneins und ängstlich hüpft die UEFA Familie übers marode Feld. Einen starken europäischen Eindruck machte einzig DFL-Präsident Reinhard Rauball, der Dinge beim Namen nennt ohne sich in blumigen Wortgirlanden zu verlieren. Sein „man darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“ wurde gehört aber natürlich nicht beachtet.

Die Tagesordnung der FIFA bestimmt eben einzig Sepp Blatter, offensichtlich der letzte Unantastbare auf unserem Planeten. Es könnte dennoch einfach sein ihn los zu werden und die FIFA zu reformieren oder aufzulösen. Eine Phalanx der europäischen Weltmeister England, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland – mit breiter kontinentaler Unterstützung – nicht mehr unter der FIFA Fahne und der Alleinherrscher wäre bald weg. Wer würde wohl eine Weltmeisterschaft ohne die zentralen Fußballnationen und deren Stars sehen wollen, welcher Sponsor so ein Turnier noch bezahlen? Dazu bedarf es aber einer kraftvollen Persönlichkeit mit Charisma und innerem Feuer, der die Europäer unter der Fahne der UEFA eint. Deren Präsident Michel Platini stümperte sich am Tag vor der Wahl mit einer Tränengeschichte um den Freund Sepp über die Runden, versuchte sich gleichzeitig mit kernigen Sprüchen Statur zu verschaffen. Seinen Worthülsen folgte keinerlei Tat. Auf dem Kongress verstummte Platini gemeinsam mit der UEFA. Ein Anführer ohne Temperament mit fehlender Führungsstärke. Wie in Sachen Tortechnologie stolpert der Franzose wieder einer Entwicklung hinterher statt sie engagiert zu gestalten. Platini könnte von einem großen Landsmann lernen. Charles de Gaulle schrieb es jedem Zauderer ins Stammbuch, Veränderung und Fortschritt braucht vor allem eines: Courage.

Redaktion Magath & Fußball