Handfeste Duelle


Veröffentlicht am 18. Juni 2015

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Arturo Vidal (links) im Zweikampf mit dem Mexikaner Jesús Manuel Corona.

Arturo Vidal (links) im Zweikampf mit dem Mexikaner Jesús Manuel Corona.

Kämpferischer Fortgang der Copa 2015 in Chile

Die Copa bietet die großen Kontinentalstars als exotische Sensation, kennt man in Südamerika die heimischen Kicker doch eher aus Netz und Glotze. Wer was auf sich zählt und zu den Großen des Fußballs gehört, verdingt sich natürlich im fernen Europa. Einer dieser Exoten ist seit acht Jahren in Europa unterwegs und bescherte seinen Landsleuten mit einem Paukenschlag Einblicke in das Universum vermeintlicher Stars, in deren geistiger Welt keine Regeln gelten. Eine Alkoholfahrt des Juve-Spielers Arturo Vidal – nebst Unfall und polizeilicher Ermittlungen – füllte die Sportseiten und Boulevardgazetten und überstrahlte seine drei Turniertore. Chiles 3:3 gegen Mexiko war eine herbe Enttäuschung für die Gastgeber. Vidal glich in der ersten Halbzeit mit wuchtigem Kopfball zum 1:1 aus und verwandelte im zweiten Durchgang seinen zweiten Turnier-Elfmeter zur 3:2-Führung. Die Mexikaner ließen sich nicht abschütteln und erzielten noch den Ausgleich zum 3:3. Die Zuschauer sahen ein teilweise attraktives Spiel, die Tore taten ein Übriges zur guten Stimmung im Stadion. Ebenfalls torreich eine andere Partie. Bolivien setzte sich mit 3:2 gegen Ecuador durch. Mit dem Sieg in Valparaíso konnte die bolivianische Nationalmannschaft eine 18-jährige Not ohne Sieg in der Copa endlich beenden. Kurz vor Schluss wäre Ecuador fast der Ausgleich gelungen, so bleibt man weiterhin ohne jeden Punkt und muss im nächsten Spiel gegen Mexiko unbedingt gewinnen. Winnie Schäfer’s Jamaika bleibt weiter ohne Tor und Punkt, auch gegen Paraguay musste man sich knapp mit 0:1 geschlagen geben.

Ruppig ging es im Klassiker her. Argentinien und Uruguay schenkten sich nichts. Die Männer um Kapitän Lionel Messi versuchten es mit Offensive, ohne dabei ein Feuerwerk zu entfachen. Uruguay spielte sehr italienisch, tief in der Defensive stehend und auf Konter lauernd. Wirkte Argentinien phasenweise planlos, konnte Uruguay wenigstens einen geschlossenen Eindruck vermitteln, wenn dieser auch nicht sehr ansehnlich war. In Sachen Härte der Urus hielten die Gauchos mit und dominierten dann über weite Strecken auch das Spiel. Argentiniens Trainer Gerardo Martino hatte ab Mitte der zweiten Halbzeit einen guten Sitzplatz auf der Tribüne, dorthin verbannte ihn der Schiedsrichter nach einem heißen Halbzeitdisput über eine gelbe Karte. Argentinien hatte große Schwierigkeiten, aus besten Chancen etwas zu machen, stellte sich dabei nicht besonders gut an. Uruguay blieb in Ansätzen stecken, kam kaum zu Chancen. Der PSG-Spieler Javier Pastore war bester Mann auf dem Platz und Ausgangspunkt für den von Pablo Zabaleta vorbereiteten und von Sergio Agüero mit dem Kopf erzielten 1:0-Siegtreffer in der 56. Minute.

Brasilien mühte sich in seinem Auftakt gegen Peru zu einem 2:1, der Siegtreffer gelang erst in der 90. Minute. Die Seleção trat wieder mit ihrer bewährten 1:7-Qualität auf, das Personal von Carlos Dunga macht nichts besser, als jenes von Luiz Felipe Scolari, es steht nicht gut um Brasiliens Kicker und den Fußball am Zuckerhut. Ganz anders die Lage beim zweiten Gegner der Brasilianer. Kolumbien hatte seinen Auftakt in den Sand gesetzt und mit 0:1 gegen Venezuela verloren. Überheblich und ohne jeden Esprit schien das Team von José Pekerman an einen Spaziergang zu glauben, ein böses Erwachen war die Folge. Die Venezolaner spielten wie aus einem Guss mit heißem Herzen. Wichtiger Teil des Siegerteams dabei der ehemalige Gladbacher Juan Arango, der heute beim Club Tijuana in Mexiko seine Schuhe schnürt und trotz seiner 35 Jahre nichts von seinem Können eingebüßt hat. Das Tor des Tages und der damit verbundene Sieg für sein Team zum umjubelten 1:0 durch Salomón Rondón wurde in Venezuela wie ein Neujahrsfest gefeiert, ein Land stand Kopf.

Zwei Superstars sehen Rot: Neymar und Carlos Bacca müssen vorerst aussetzen.

Zwei Superstars sehen Rot: Neymar und Carlos Bacca müssen vorerst aussetzen.

Den Kopf wusch der Argentinier José Pekerman seinem kolumbianischen Team. Mit anderer Einstellung ging man ins Spitzenspiel gegen Brasilien. Im Monumental-Stadion von Santiago zeigte Kolumbien Statur und Mannschaftsgeist, trat geschlossen auf. Zu Beginn stieg man hart in die Partie, verschaffte sich Respekt bei den Brasilianern und kreierte Chancen durch James Rodríguez und Juan Cuadrado. Auf der Gegenseite hatten Neymar und Fred ihre Möglichkeiten. Weshalb Fred brasilianischer Nationalspieler ist und den Titel Stürmer trägt, lässt sich auch im Jahr 2015 nicht ergründen. Ein Synonym für den Niedergang des Rekordweltmeisters. Kolumbiens Jeison Murillo war schließlich in Minute 36 das Siegtor vergönnt – ein Linksschuss zur 1:0-Führung für sein Land, die bis zum Schlusspfiff hielt. Unter dem Strich ein verdienter Erfolg. Neymar mit Licht und Schatten, die Frage, ob Superstar oder Fußballer kann er weiterhin nicht beantworten. Hier tolle Aktionen und guter Fußball, dort peinliches Gehabe auf dem Niveau eines Spätpubertierenden. Nach dem Schlusspfiff ließ er sich noch auf eine Rangelei mit Carlos Bacca vom FC Sevila ein, beide sahen dafür Rot und fehlen in den nächsten Spielen. Kolumbien fuhr seinen ersten Erfolg über die Seleção seit 1991 ein. Die Auftaktniederlage gegen Venezuela damit getilgt.

Redaktion Magath & Fußball