Russland ohne Plan


Veröffentlicht am 20. Juni 2015

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Nationalelf von WM-Gastgeber 2018 am Boden

Es gibt angeblich Funktionäre und Nationen, die eine neue WM-Vergabe für 2018 und 2022 nicht kategorisch ausschließen, sogar in der FIFA soll sich der Gedanke ausbreiten. Nichts Genaues weiß man nicht. Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabeentscheidung stehen schon lange im Raum, die dramatischen Ereignisse innerhalb und außerhalb der FIFA befeuern dieses Feld zusätzlich, lassen keine Ruhe einkehren. Zu sportpolitischen und juristischen Fragen gesellt sich noch der desaströse wie planlose Eindruck, den die Russische Nationalelf auf dem grünen Rasen bietet.

Ein peinliches WM-Turnier in Brasilien hatte weder für Spieler noch für Trainer Fabio Capello Folgen. Daher nichts Neues im russischen Fußball, Siegermentalität und ein deutliches Mehr an Arbeitsbereitschaft sind nicht vorhanden. Die Spieler frönen weiterhin einer Lethargie, als wären sie Tschechow-Figuren und bekommen dennoch fürstliche Gehälter. Der russische Club-Fußball spielt auf dem großen europäischen Rasen eine untergeordnete Rolle, die Liga ähnelt einem Trümmerhaufen, denn einer Leistungsschau. Nach russischen Fußballern reißt sich kein europäischer Spitzenclub. Was aus dem heimischen Ligabetrieb für die Nationalmannschaft rekrutiert wird, ist nur müder Durchschnitt. Das frisch aufspielende Österreich machte mit der Nationalelf der Russen in der Moskauer Otkrytije-Arena kurzen Prozess, entführte drei wichtige EM-Qualifikationspunkte souverän und verdient in die Alpenrepublik. Dem Italiener Capello blieb nichts anderes, als die Österreicher zu loben, dabei schien er die Nase von den eigenen Spielern voll zu haben und konstatierte beim Blick auf die Tabelle: vier Punkte hinter Schweden, acht Punkte hinter den furiosen Österreichern.

Die Fans haben wiederum die Nase vom Nationaltrainer gestrichen voll, sammeln mittlerweile Unterschriften für seine Ablösung. Im Internet kursiert eine Kampagne, mit der die 21,4 Millionen Euro gesammelt werden sollen, die Capellos vorzeitige Vertragsauflösung angeblich kostet. Hinter verschlossenen Moskauer Türen soll die Entlassung des seit drei Jahren amtierenden Italieners bereits beschlossene Sache sein. Damit mag demnächst ein langes Hickhack in Sachen Abfindung zwischen dem russischen Verband und Fabio Capello eingeläutet werden, an den Problemen der Nationalelf und der Liga ändert dies nichts. Russlands Fußball krankt und entwickelt keinerlei Veränderungsbereitschaft. Ob mit oder ohne Capello, das von den russischen Eliten angestrebte Fußballmärchen mit Titelgewinn 2018 ist zur heutigen Stunde nicht einmal mit Hilfe der Gebrüder Grimm vorstellbar.

Redaktion Magath & Fußball