Erstaunliche Ruhe


Veröffentlicht am 21. Juni 2015

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Bei Manchester City soll das Team runderneuert werden

Ihm gab man keine Chance mehr, Nachfolgephantasien durchfluteten die Sportredaktionen dieses Kontinents. Schlagzeile türmte sich auf Schlagzeile: Rafael Benítez, Pep Guardiola, Jürgen Klopp hießen die auflagenstarken Namen. Der chilenische Ingenieur und Fußballtrainer Manuel Pellegrini wirkte in diesem medialen Wirbelsturm wie immer – ein Fels in der Brandung, der durch Stille beruhigt. Verbales Benzin in eine lodernde Berichterstattung gießen war seine Sache nie. Nicht nur er blieb ruhig, dies taten auch seine Arbeitgeber, was doch etwas erstaunt. Den Besitzern der Citizens um Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan muss allerdings attestiert werden, seit der Club in ihren Händen liegt, haben sie kein Oligarchen- oder Ölbaronverhalten an den Tag gelegt und bei Misserfolgen umgehend den Trainer vor die Tür gesetzt. Roberto Mancini durfte vier Jahre arbeiten, Manuel Pellegrini ist seit 2013 im Job. Die Titellosigkeit der letzten Saison und das erneute Versagen in der Champions League werden von den Verantwortlichen auch der Mannschaft angelastet und bleiben nicht allein am Trainer kleben. Gemeinsam mit Txiki Begiristain, dem seit 2012 amtierenden Sportdirektor, und einem Haufen Geld soll Pellegrini nun den Grundstein für ein neues Meisterteam legen, inklusive den Aufbau einer Mannschaft organisieren, die dem Champions League Titel nahe kommt, diesen holen kann. Die Ansprüche der Scheichs sind nicht geschrumpft. Der nächste Wurf muss für Pellegrini wie für Begiristain ein Treffer werden. Das Fußballauge ruht also auf den Transferaktivitäten von Manchester City und deren Begehrlichkeiten.

Auch ein Florentino Pérez stößt an Grenzen, wenn auf der Gegenseite Geld in unvorstellbaren Größenordnungen vorhanden. ManCity und der Spieler Sergio Agüero erteilten ihm eine öffentliche Abfuhr, das Real-Begehren am argentinischen Stürmer vom Tisch. Aber nicht das vorhandene Personal im Etihad Stadium wird vorrangig wichtig sein bei der erneuten Titeljagd, es wird besonders auf die Kraft der Verstärkungen ankommen. Momentan haben die Macher der Citizens ihr Fernrohr auf die laufende Copa América im fernen Chile gerichtet. Im Visier der Agüero-Landsmann Derlis Gonzáles. Der 21-jährige Angreifer vom FC Basel gilt als ein großes Stürmertalent. Flügelflitzer Jesus Manuel Corona läuft noch für den FC Twente Enschede auf, wird in seine Heimat Mexiko als aufgehender Stern angekündigt, die bisherigen Leistungen des 22-Jährigen könnten für den Anspruch von Pellegrini allerdings noch zu wenig sein, Corona für das Etihad zu leichtgewichtig. Anders sein Landsmann Javier Güemez. Mit seinen 23 Jahren bereits Führungsspieler im mexikanischen Team, ist der defensive Mittelfeldmann vom Club America wegen seiner soliden und unspektakulären Spielweise, die keinen Körpereinsatz scheut, ein heißer Kandidat. Der Chilene Charles Aránguiz steht ebenfalls auf dem Zettel der Männer aus Manchester, wird auch beim Bundesligisten Bayer Leverkusen gehandelt. Gegen das Geld der Scheichs wird es der Bayer-Konzern schwer haben. Die Erfolgsaussichten in England für Aránguiz sicher auch größer, als bei der notorisch titellosen und sich mit wenig zufrieden gebenden Werkself. Der 26-jährige Mittelfeldspieler ist Spielmacher im chilenischen Team und in seinem brasilianischen Club, der Sprung nach Europa steht auf jeden Fall bevor. Auch Arsène Wenger soll längst Gefallen an dem Mann vom Sport Club Internacional Porto Alegre gefunden haben.

Bleibt noch Arturo Vidal. Der Juve-Spieler mit dem Image eines Kampfroboters unter buntem wie gleichermaßen furchterregenden Anstrich will mit Chile endlich die Copa vor heimischem Publikum holen, liefert auf dem Platz gewohnt starke Leistungen. Seine Qualitäten sind unstrittig, können jedem Team helfen. Seine Alkoholfahrt nebst Unfall und Verhaftung während des Turniers haben es Pellegrini und Begiristain sicher nicht einfacher gemacht. Alkohol ist im englischen Fußball nie ein Grund von ewiger Verdammung, eine Verpflichtung daher weiterhin möglich. Andere Copa-Stars wie Carlos Bacca oder Jackson Martínez gehörten wie Vidal schon vor dem Turnier zu den von ManCity begehrten Spielern. Vor der eigenen Haustür bleibt man natürlich ebenfalls nicht untätig. Für Raheem Sterling vom FC Liverpool gaben die Citizens bereits zwei Gebote an der Anfield Road ab, die Medien spekulieren in Richtung 50 Millionen Euro. Liverpool hat zweimal abgewunken. Großes Interesse wird Pellegrini auch am Arsenal-Eigengewächs Jack Wilshere nachgesagt, der englische Nationalspieler steht hoch im Kurs beim City-Manager. Es werden noch viele Namen durch Manchester und die Fußballwelt geistern, die Transferscharmützel haben gerade erst begonnen. Aus dem Warenkorb ein Team zu formen und Titel zu holen ist dann der Job von Manuel Pellegrini. Die nächste Saison muss sitzen, wenn auch der schönste Einkauf noch kein Erfolgsgarant. Die Herren José Mourinho, Louis van Gaal und Arsène Wenger wissen schließlich auch wie es geht.

Redaktion Magath & Fußball

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